Fernseher und Kühlschränke in den Schlafbereichen der Kasernen, Einbauschränke statt Spinde, Gratis-Telefonate bei Auslandseinsätzen und mehr Teilzeit-Arbeitsplätze sollen die Bundeswehr zu einem attraktiveren Arbeitgeber machen. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) erklärte: „Da wir oft weitaus mehr verlangen als andere Unternehmen, müssen unsere Arbeitsbedingungen umso besser sein.“ Andernfalls stehe man bei der Bundeswehr bald „auf leeren Kasernenhöfen“. Ihr Acht-Punkte-Plan trägt den Titel „Aktiv. Attraktiv. Anders.“ Veranschlagt sind dafür 100 Millionen Euro bis 2019.

In Teilen der Koalition wie der Truppe hieß es, die Kasernenverschönerung sei Teil der PR-Show der Ministerin. In Bundeswehrkreisen hieß es, die Maßnahmen seien notwendig, aber nicht ausreichend. Viel wichtiger seien bessere finanzielle Anreize. Als Beispiel genannt wurden Prämien für die längere Verpflichtung als Soldat nach Vorbild der US-Armee. Wichtig sei auch, dass die Zuverdienstgrenzen für Berufssoldaten wegfallen und die Alterssicherung neu geregelt werde. Ein entsprechendes Gesetz will von der Leyen im Herbst vorlegen.

Im Ausland Internetverbindung nach Hause

Hintergrund des Modernisierungskonzepts ist der Abschied vom Wehrdienst. Dadurch bekommt die Bundeswehr nicht mehr automatisch Personalnachschub. Die Ministerin will deswegen den Aufstieg erleichtern und den Soldatenberuf familienfreundlicher machen. Unter anderem sollen Arbeitszeitkonten das Ansparen von Freizeit ermöglichen, Teilzeit soll auch für Führungskräfte erleichtert und nicht mehr durch Übungen unterbrochen werden. Versetzungen sollen mit sechs Monaten Vorlauf angekündigt werden, statt bisher mit drei Monaten. Aus Rücksicht auf Schulkinder sollen Versetzungen nur noch zu Mitte und Ende des Jahres möglich sein.

Die von den Soldaten im Auslandseinsatz lange erbetenen kostenlosen Internet- und Telefonverbindungen nach Hause soll es ab 1. Juli 2015 geben. Für die Unterkünfte heißt es in dem Konzept: „Mit einer neuen modernen Möbelserie wollen wir das Wohnambiente spürbar verbessern.“ Für die 180 000 Soldaten sollen zudem 3000 neue Laptops angeschafft werden.

SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold sagte der Leipziger Volkszeitung, es sei vermessen zu glauben, die Bundeswehr könnte zum attraktivsten Arbeitgeber werden. Die Grünen sprachen von einem Schritt in die richtige Richtung. Wehrexpertin Doris Wagner kritisierte aber, hinter der Finanzierung der Pläne stehe ein großes Fragezeichen. „Im Etat für 2014 sind Flatscreens, Minikühlschränke und Garderobenspiegel nicht vorgesehen“, sagte Wagner der Berliner Zeitung. Die Ministerin verzichte auch auf Vorschläge zur Frauenförderung.