Brüssel Belgien ist ein kleines, unauffälliges Land. Deutsche Touristen machen gemeinhin einen großen Bogen darum. Natürlich vollkommen zu Unrecht, weil es dort durchaus interessante Dinge zu sehen gibt. Zum Beispiel die schönen Altstädte von Brüssel, Brügge und Gent. Oder die beleuchteten Autobahnen. Und 60 Kilometer Nordseeküste, die fast durchgängig mit schäbigen Appartement-Blocks zugebaut sind.Es gibt noch einen weiteren Grund, nach Belgien zu reisen: Man sollte sich das Land einmal angucken, bevor es verschwindet. Läuft es schlecht, geht es Belgien demnächst wie der DDR: Die war irgendwann einfach weg. Und Millionen Deutsche (West) ärgerten sich, dass sie vorher nie da waren.In Belgien jedenfalls wird seit einigen Wochen immer lauter über eine Spaltung des Landes nachgedacht. Also darüber, ob der niederländischsprachige Norden (Flandern) und der französischsprachige Süden (Wallonie) künftig getrennte Wege gehen sollen. Die Frage stellt sich tatsächlich. 131 Tage sind seit der jüngsten Wahl vergangen. Die Parteien aus Nord und Süd sind nicht in der Lage, sich auf eine Regierungskoalition zu einigen. Die Gegensätze zwischen den Landesteilen scheinen unüberbrückbar.Zwar hat König Albert II. gerade einen neuen Schlichter eingesetzt, Johan Vande Lanotte von den flämischen Sozialisten. Doch für den Fall, dass auch er scheitert und dass es tatsächlich zu einer Spaltung kommt, wartete ein belgisches Regierungsmitglied gestern mit einem interessanten Vorschlag auf: Energieminister Paul Magnette sagte, dass sich die frankophone Wallonie auf keinen Fall Frankreich anschließen sollte, sondern Deutschland, das der Region hinsichtlich der politischen Kultur näher stehe. "Bei uns gibt es nie ein brennendes Auto, weil man verhandelt", sagte er. Vermutlich hatte er gerade im Fernsehen Bilder von den Protesten in Frankreich gesehen.Die Wallonie als deutsches Bundesland: Auch diese Vorstellung spricht dafür, jetzt Urlaub in Belgien zu machen. Schließlich kauft niemand gern die Katze im Sack. Die Frage, welche Stellung künftig die französische Sprache im noch größeren Deutschland haben soll, lässt sich später klären. Auf praktische Tipps von den Wallonen, wie man ein Land mit mehreren Sprachgruppen zusammenhält, sollte man aber nicht hoffen.