Solo zu dritt: KUNSTHAUS TACHELES Utopisch: Régine Chopinot mit GARAGE

Mit der Präsentation eines ungewöhnlichen Projektes wartet im Dezember das Kunsthaus Tacheles in der Oranienburger Straße auf. Die französische Choreografin und Tänzerin Régine Chopinot zeigt im Goldenen Saal an 13 Abenden ihre Soloperformance GARAGE.Chopinot kommt nicht - wie im zeitgenössischen Tanz allgemein üblich - auf eine Einladung in die Hauptstadt. Sie hat selbst entschieden, in Berlin aufzutreten, sie wählte eben diese Bühne als für sich passend aus und trägt auch das wirtschaftliche Risiko.Ein Risiko? Chopinot sieht die Chance. Ihr Anspruch ist es, frei von den Zwängen eines großen Apparates in eine ungefilterte Kommunikation mit dem Publikum zu treten. Dreizehnmal wird sie diese direkte Begegnung suchen, als Möglichkeit, eine Arbeit wirklich zu verstehen und weiterzuentwickeln.Für Régine Chopinot ist das Kunsthaus Tacheles "ein Symbol für Freiheit, Unabhängigkeit und intensives Leben". Hier kann sie, seit über 20 Jahren als Leiterin des renommierten Centre Chorégraphique National de La Rochelle amtierend, ihrer ungebrochenen Fähigkeit Raum geben, auch außerhalb etablierter Institutionen künstlerische Relevanz zu entfalten.Und das mit einem Stück, das eher minimalistisches Testlabor als choreografisches Objekt ist: GARAGE. Weit entfernt von zementierten Schemata, greift Régine Chopinot die Wahrnehmungsgewohnheiten der Zuschauer an. Sie ist nicht interessiert an zu gut markierten Wegen, will nach und nach alles Überflüssige abtragen, um im Ergebnis zu einer "extrem schnörkellosen Form" zu gelangen.Im zerbrochenen, dekonstruierten Lichtdesign von Maryse Gautier, live begleitet vom Gitarristen und Keyboarder Gianni-Grégory Fornet, oszilliert die Tänzerin Chopinot zwischen Bewegung und Gedanken, zwischen noch Wahrnehmbarem und dem gänzlich Unsichtbaren; forschend, lauschend, suchend - nach Beziehungen, Erinnerungen, dem Imaginären. GARAGE - ein Solo zu dritt.Teil dieser aufregenden Berliner Exkursion der französischen Choreografin ist ein mehrtägiger Workshop, für Chopinot eine wichtige Ergänzung ihrer Bühnenarbeit. So erhält sie sich die Möglichkeit, sich "nicht wie in einer Blase in irgendwelchen Gewissheiten einzuschließen". Pädagogische Arbeit betreibt die Künstlerin schon lange. Seit dem Jahr 2000 bildet sie in Hanoi und La Rochelle die Tänzer des Opernballetts und der Hochschule für Tanz in Vietnam aus.Auch in dem Berliner Workshop will sie Dynamik zwischen Individuen erzeugen, "an der Fähigkeit des tanzenden Körpers arbeiten, mit anderen in Beziehung zu treten". Jeder sei willkommen, der die Bereitschaft habe, seine Intelligenz und seine Emotionen einzubringen.Formuliert ihr Projekt nicht einen ziemlich utopischen Anspruch? Régine Chopinot zeigt sich kämpferisch: "Wenn nicht einmal die Künstler noch Utopien haben, weiß ich nicht, wie wir noch weiterleben sollen."------------------------------GarageChopinot Little Dance Garage.5. bis 9., 12. bis 16. & 19. bis 21. Dezember, 20 Uhr.Kunsthaus Tacheles, Oranienburger Str. 54-56a, 10117 Berlin.Kartentelefon: (030) 28 09 61 23www.tacheles.de