Es gehört zur Geschichte in Ost und West gleichermaßen: das "Schutzkomitee Freiheit und Sozialismus", gegründet auf eine Initiative des West-Berliner Publizisten Hannes Schwengers hin nach der Ausbürgerung von Wolf Biermann im Herbst 1976 und der Verhaftung Jürgen Fuchs', Christian Kunerts und Gerulf Pannachs sowie dem Prozeß gegen Rudolf Bahro. Ihm gehörten eine Menge Prominenter an - Heinrich, Böll, Romy Schneider, Heinrich Albertz, Friedrich Dürrenmatt, Max Frisch, Robert Jungk, Otto Schily oder Hans Magnus Enzensberger - und so besaß das Komitee eine nicht gerade geringe Reputation, die es einsetzte, um verhafteten oder gefährdeten Autoren und Intellektuellen den Schutz der Öffentlichkeit zu geben.Sehr zum Ärger der Stasi, wie jetzt die kleine, in London von Andreas W. Mytze edierte Zeitschrift "europäische ideen" in einem Sonderheft nachweist (zu beziehen über die Buchhandlung Zimmermann in der Charlottenburger Schloßstraße): "Das Schutzkomitee Freiheit und Sozialismus in Selbstzeugnissen, Dokumenten, Briefen und im Zerrspiegel der MfS-Akten." In der Opferakte von Hannes Schwenger etwa, der diese Ausgabe betreute, kann man die Kriminalisierungskampagnen der Stasi nachlesen, die damals, ich erinnere mich noch genau, auch durchaus Wirkungen hatten und schließlich (zusammen mit anderen allerdings) sogar zum Rückzug des Gründers aus dem Schutzkomitee führten.Auch Jürgen Fuchs, der das Nachwort schrieb, gibt offen zu, zeitweise Zweifel gehegt zu haben. Interessant sind auch die Dokumente, die auf damalige (aber auch gegenwärtige) Verhaltensweisen etwa von Wolfgang Harich oder des westdeutschen Schriftstellers Peter O. Chotjewitz ein gelindes Zwielicht werfen. Insofern ist diese Sonderausgabe der Zeitschrift nicht nur wichtig für die zeitgeschichtliche Forschung, sondern auch für die Bewertung gegenwärtiger Entwicklungen.Die "europäischen ideen" erlangen zunehmend zeitgeschichtliche Bedeutung: In einem noch im März erscheinenden Sonderheft sollen erstmals Protokollle zwischen dem heutigen PDS-Politiker Gregor Gysi und der Stasi veröffentlicht werden. +++