SCHWERIN, 21. Oktober. Ein wenig enttäuscht ist Thomas Haack schon. "Wenn uns das damals jemand gesagt hätte", klagt der SPD-Kreisvorsitzende von Stralsund, "wäre ich 1989 nie in die SPD eingetreten." Vor zehn Tagen allerdings war Haack auf dem Parteirat der SPD-Mecklenburg-Vorpommerns der einzige, der sich für eine Große Koalition und gegen Verhandlungen mit der PDS ausgesprochen hatte. Treffen des Güstrower KreisesÜberall in Mecklenburg-Vorpommern melden sich von der Basis inzwischen einzelne Sozialdemokraten, die eine Koalition zwischen SPD und PDS ablehnen. Viele von ihnen sind allenfalls bereit, eine von der PDS tolerierte SPD-Minderheitsregierung zu akzeptieren. In Rostock droht eine Handvoll Sozialdemokraten mit dem Austritt, ein Ortsverein hat sich aufgelöst. In Schwerin erwägen mehrere Stadtverordnete, die Partei zu verlassen. Harald Ringstorff wiegelt ab. "Es war klar, daß es Kritiker des neuen Weges gibt." Der Ministerpräsident in spe spricht von einer "Eintrittswelle", fast 150 neue Mitglieder. Einige Sozialdemokraten aber wollen nun den Güstrower Kreis wieder beleben. Im Güstrower Kreis hatten sich während der Koalitionskrise im Frühjahr 1996, als Ringstorff erstmals ernsthaft mit der PDS geflirtet hatte, dessen Kritiker zusammengefunden. Am kommenden Sonnabend soll es ein erstes neues Treffen geben. Von den damaligen Initiatoren jedoch scheint keiner am Revival interessiert. "Davon halte ich überhaupt nichts", sagt Justizminister Rolf Eggert der "Berliner Zeitung". Er sitzt statt dessen in der SPD-Delegation, die derzeit mit der PDS verhandelt.Eine Koalition mit der PDS überhaupt nicht vorstellen will sich Thomas Haack. "Das sind dieselben Typen wie vor 89", schimpft Haack, "die haben sich überhaupt nicht gewandelt." Eggert jedoch verweist auf die Präambel eines möglichen Koalitionsvertrages: "Wenn die PDS unterschreibt, was jetzt vereinbart wurde, würde sie einen großen Schritt tun. Dann wären wesentliche Forderungen des Güstrower Kreises erfüllt." Eingeladen zur Neugründung des Güstrower Kreises hat allen voran Bruno Schuckmann, der Ringstorff 1996 bei der Urwahl des Spitzenkandidaten vergeblich herausgefordert hatte. Auch jetzt unterstützt die Mehrheit im Landesverband Ringstorffs Kurs. "Wir sind eine Minderheit", räumt Thomas Haack ein. Aber die Stimmung in der Partei werde "bewußt verfälscht". In vielen Orts- und Kreisverbänden hätte es nur knappe Mehrheiten für den Ringstorff-Kurs gegeben. Doch auch mit der Forderung nach einer innerparteilichen Urabstimmung stand Haack in den Parteigremien alleine. Austreten aus der Partei und "den anderen das Feld überlassen" will er jedoch nicht. "Die Landesregierung wird dann zwei Oppositionen haben", sagt er. Viele andere ziehen individuell Konsequenzen. Wie etwa die frühere SPD-Landtagsabgeordnete Gerlinde Schnell. "An dem Tag, an dem die Koalition zwischen SPD und PDS vereinbart wird", sagt sie, trete ich aus".