Eines kann man SPD-Chef Sigmar Gabriel kaum nachsagen – dass er nicht für Überraschungen gut sei. Schon die Berufung eines Staatssekretärs, der Grünen-Mitglied ist, ins Wirtschaftsministerium entsprach kaum den allgemeinen Erwartungen.

Nun hat Gabriel als Generalsekretärin und als Schatzmeister der Partei zwei Kandidaten ausgewählt, deren Namen selbst Vorständler noch googeln müssen: Nachfolgerin von Andrea Nahles, die an die Spitze des Arbeitsministeriums gewechselt ist, soll die 46-jährige Yasmin Fahimi werden. Um die Finanzen der Partei soll sich nach dem Wechsel von Barbara Hendricks ins Umweltministerium der 49-jährige Dietmar Nietan kümmern.

„Ich hab mir die Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht“, hatte Gabriel schon Mitte Dezember erklärt. Bis dahin galt der ebenso Talkshow-erfahrene wie profilierte schleswig-holsteinische Landesvorsitzende Ralf Stegner als Favorit für den Generalsekretärsposten. Doch der öffentliche Auftritt der SPD sei zu männlich, befand der Parteichef damals. Deswegen werde eine Frau den Job bekommen. Über Namen wurde zwar spekuliert. Gabriel vertröstete die Öffentlichkeit aber auf Januar.

Tatsächlich hat der Parteichef in den vergangenen Wochen eine Reihe von Gesprächen geführt, bei denen es vor allem um den Geschlechter-, Flügel- und Regionalproporz ging. Letzterer gab offenbar vor allem bei der Entscheidung für Nietan den Ausschlag: Der Bundestags-Hinterbänkler kommt aus Düren in Nordrhein-Westfalen. Eine qualifizierte Frau für den Posten des Kassenwarts sei dort nicht zu finden gewesen, heißt es in der Parteispitze.

Gute Kontakte zur Linkspartei

Fahimi hingegen ist weiblich, jung und eher links. Als Gewerkschafterin bringt sie einen weiteren Vorteil mit. Gabriel kennt die Tochter eines Iraners und einer Deutschen aus Niedersachsen, wo die Diplom-Chemikerin seit 29 Jahren in der SPD aktiv ist. Hauptberuflich arbeitet sie als Leiterin der Grundsatzabteilung bei der IG Bergbau, Chemie und Energie.

Bei ihrem bisherigen Arbeitgeber hört man viel Gutes über die 46-Jährige: Sie habe einen exzellenten Job gemacht und verstehe es, Menschen einzubinden, heißt es dort. Vertraute wissen, dass Fahimi sich in ihrer Freizeit für Fotografie interessiert und gerne kocht. Politisch fiel sie 2011 als Mitbegründerin des Thinktanks „Denkwerk Demokratie“ auf, dem Sozialdemokraten, Grüne, Gewerkschafter und Vertreter von Umweltverbänden angehören – aber keine Mitglieder der Linkspartei. Zu denen hingegen pflegt Nietan in einer Gesprächsrunde gute Kontakte.

Die beiden Personalien stehen also durchaus für eine SPD jenseits der großen Koalition und damit eine Perspektive für 2017. Doch zunächst kommt auf die in Berlin und in weiten Teilen der SPD gänzlich unbekannte neue Generalsekretärin eine Herkulesaufgabe zu: Sie muss das Willy-Brandt-Haus neu aufstellen und die Strukturprobleme der Partei im Osten und Süden bekämpfen. Vor allem aber muss sie mehr noch als ihre Vorgängerin Nahles anstelle des in die Regierung entrückten Parteichefs die SPD nach außen vertreten. Am 26. Januar soll Fahimi auf dem Parteitag gewählt werden.