Lange genug hat es gedauert, viel ist bereits darüber geschrieben und gestritten worden, nun kann Vollzug gemeldet werden: Die SPD-Medienholding DDVG ist neuer Hauptgesellschafter der hoch verschuldeten Tageszeitung Frankfurter Rundschau (FR). Sie übernimmt 90 Prozent der Anteile an dem überregionalen Blatt, die restlichen zehn Prozent bleiben im Besitz des bislang alleinigen Eigentümers, der Karl-Gerold-Stiftung. Die Stiftungsaufsicht habe der Veräußerung durch die Stiftung zugestimmt, teilten beide Seiten am Dienstag mit, die entsprechenden Verträge seien unterschrieben. Nun muss noch das Kartellamt die Übernahme genehmigen. Angaben zum Kaufpreis wollte die DDVG nicht machen. Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung soll er bei 70 Millionen Euro liegen. Das entspricht in etwa den Schulden, die auf der Frankfurter Rundschau lasten. Die Rundschau, deren verkaufte Auflage rund 182 000 Exemplare beträgt, ist wie andere große Zeitungen durch die seit Jahren anhaltende Flaute im Anzeigengeschäft in die Krise geraten. Kritik von anderen ParteienDie Neuerwerbung der SPD wird für Diskussionen sorgen. Diskussionen darüber, ob Parteien überhaupt an Medienunternehmen beteiligt sein sollten, an einer großen überregionalen Tageszeitung zudem. So forderte die hessische CDU-Landesregierung vom neuen Eigentümer, dass er seine Beteiligung an der FR auf der Titelseite kenntlich mache. Die Rundschau sei keine "unabhängige" Zeitung mehr, sagte Regierungssprecher Dirk Metz. Auch die FDP hatte sich bereits kritisch zu der geplanten Beteiligung geäußert, Parteichef Guido Westerwelle warnte vor einer "Berlusconisierung" der deutschen Medienlandschaft. Auch wenn es so arg noch nicht ist, wird vor allem die SPD mit ihren weitverzweigen Medienbeteiligungen wieder ins Visier der Kritiker rücken. Über ihre Medienholding DDVG halten die Genossen Anteile an 14 Verlagshäusern, vier Druckereien und mehreren Radiostationen, auch wenn es sich dabei zumeist um Minderheitsbeteiligungen handelt. Zu hundert Prozent gehören ihr nur die Westfälische Verlagsgesellschaft, der Frankenpost Verlag in Hof und das eigene Parteiblatt Vorwärts. Der fast vollständige Erwerb einer großen, überregionalen Tageszeitung ist selbst für die SPD-Medienholding etwas Außergewöhnliches. Wohl auch aus diesem Grund beeilte sich die DDVG zu betonen, dass die Ziele der Karl Gerold-Stiftung, mit der Frankfurter Rundschau "eine überregionale, unabhängige, politisch engagierte, links-liberale Zeitung herauszugeben", auch im neuen Gesellschaftervertrag festgeschrieben seien. Die DDVG wolle sich voll und ganz auf die Sanierungsaufgabe konzentrieren. In diesem Sinne verstehe sie ihre Beteiligung "als Beitrag zur Sicherung der Pressevielfalt in Deutschland". Sie habe "nicht die Absicht, dauerhaft Mehrheitsgesellschafterin zu bleiben" und sei "offen für die Beteiligung anderer Verlagshäuser". Zudem habe sie diesen Schritt erst getan, nachdem Gespräche des Verlages mit anderen Zeitungsverlagen in Deutschland ergebnislos blieben und die Frankfurter Rundschau unmittelbar bedroht war. Außerdem sei der Vertragsabschluss nur möglich geworden, weil sowohl die Belegschaft als auch die Banken und Kreditgeber zu substanziellen Sanierungs-Beiträgen bereit gewesen waren. Letzere hätten auf einen Teil ihrer Forderungen verzichtet, sagte DDVG-Geschäftsführer Jens Berendsen. Nun muss die Frankfurter Rundschau erneut und drastisch sparen - vor allem am Personal. Noch in diesem Jahr soll, in Übereinstimmung mit Betriebsrat und Gewerkschaft natürlich, die Zahl der gegenwärtig 1 050 Vollzeit-Beschäftigten auf 750 Mitarbeiter gesenkt werden, sagte Berendsen. Und bereits im nächsten Jahr wollen die Genossen wieder schwarze Zahlen sehen.------------------------------"Die Rundschau ist keine unabhängige Zeitung mehr." Dirk Metz, Hessens Regierungssprecher------------------------------Foto: Bei der Frankfurter Rundschau beginnt eine neue Zeit.