BERLIN Am Samstag noch feierten sie euphorisch ihr Gründungstreffen im Haus des Berliner SPD-Landesverbandes. Gestern musste ihre Homepage fürs erste aus dem Netz verschwinden: Die von der langjährigen SPD-Schattenfinanzministerin Ingrid Matthäus-Maier und dem SPD-Bundestagsabgeordneten Rolf Schwanitz unterstützten "Sozialen und demokratischen LaizistInnen" stoßen in der SPD-Spitze auf starken Widerstand. Zwar gibt es Arbeitskreise der Christen und der Juden in der SPD. Aber eine Organisation von Laizisten unter dem Dach der Bundes-SPD soll offenbar verhindert werden."Schön finden wir das nicht", sagte gestern Nils Opitz-Leifheit, einer der Sprecher der neuen Gruppierung, die nach eigenen Angaben inzwischen 500 Unterstützer zählt und für die radikale Trennung von Staat und Religion eintritt. Am Tag zuvor hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel erklärt, der Parteivorstand habe den Arbeitskreis bislang nicht anerkannt, und auch für die Zukunft seien die Chancen gering. Zudem beanstandete das Willy-Brandt-Haus den Domänen-Namen der Internetseite (www.spd-laizisten.de), da dieser unzulässigerweise den Parteinamen nutze.Nun besteht an der Parteitreue der Initiatoren eigentlich kein Zweifel: Matthäus-Maier war schon 1982 in einem spektakulären Schritt von der FDP zur SPD gewechselt. Schwanitz arbeitete als Staatsminister im Bundeskanzleramt von Gerhard Schröder. Opitz-Leifheit ist Berater der SPD-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg. Die SPD-Spitze stört vielmehr, dass die Gruppe sich nicht damit begnügt, gesellschaftliche Fragen aus dem Blickwinkel von Atheisten zu bearbeiten. Vielmehr tritt sie für die Entfernung aller religiösen Bezüge im öffentlichen Raum ein - und damit für eine Änderung des Grundgesetzes, die Abschaffung der Kirchensteuer und die Schließung der theologischen Fakultäten an den staatlichen Unis. Zudem fordert sie das verpflichtende Angebot von Ethikunterricht als Alternative zur Religionsstunde.Dies sei das "Programm eines kämpferischen Atheismus", warnte schon vor einigen Wochen Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse. Die SPD dürfe keine "antireligiöse Partei" werden. Parteichef Gabriel fürchtet nun offenbar einen schlagzeilenträchtigen Kulturkampf. Im Umfeld von Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier heißt es, man könne keinen Arbeitskreis gründen, der sich alleine gegen etwas richte.Die SPD-Laizisten wollen trotzdem nicht kleinbeigeben. Gestärkt durch zahlreiche E-Mails, die sie unterstützen, würden sie schon in der kommenden Woche ihre Anerkennung beim Parteivorstand beantragen, sagt Opitz-Leifheit. Die Homepage der Kirchengegner soll bereits heute wieder freigeschaltet werden - unter dem neuen ungeschützten Namen www.laizistische-sozis.de. Gegen den zumindest kann niemand etwas haben.