Süß und sehnsuchtsvoll seufzt die singende Säge, es sind so unirdische Töne als würden Messinstrumente den Weg des Mondlichts gen Erde in Klang übersetzen. Als Meret Becker damit "Und der Haifisch/der hat Zähne", das Motiv der "Dreigroschenoper" als letzte Zugabe gewährt, entsteht ein beschauliches Moment, das man hier im Hebbel-Theater fast als Ausnahme betrachten muss. Eine "Liebeserklärung an Kurt Weill" soll Beckers von einer fünfköpfigen Band begleitetes Programm "Speak Low" sein; es ist zwischen den Liedern fast in bildungsbürgerlicher Urania-Manier gestaltet - mit Dias und Lesepassagen, die Weills Lebensweg und seine Liebe zu Lotte Lenya illustrieren. Zuletzt aber geht es darin immer um Meret Becker, die Weill dafür dankt, dass er "so schöne Lieder für Mädchen wie mich" geschrieben hat".Das klingt eitel, und das ist leider auch eitel. Meret Becker hat sicher danach getrachtet, sich anders als Weills vergötterte, burschikose Interpretin Lotte Lenya zu entwerfen, sie stülpt den Songs - zu einem sehr großen Teil der "Dreigroschenoper" entnommen - allerdings eine unpassende Lolita-Pose über: mit Hüftschwüngen unter dem potief ausgeschnittenen Abendkleid, mit einem "Innerlichkeit, Innerlichkeit" raunenden Kopfsenken. Es sind berechnete Effekte, die sie früher mit dem linkischen Charme einer Vaudeville-Debütantin ausführte, nun ist sie sich ihrer Wirkung allzu sicher, um sie noch unterlassen zu können. Das Publikum spendet erwartbar langen Applaus; sie gehört nun unwiderruflich zu den Berliner Stars wie Harald Juhnke oder Hildchen Knef, die ausdauernd geliebt werden bei jedem Auftritt. Meret Becker hat genug Potenzial, um sich zu Recht feiern lassen zu können; sie hat es mit ihrer selbst erarbeiteten CD "Nachtmahr" bewiesen, auch die jüngst mit dem Deutschen Symphonie Orchester aufgeführten Schönberg-Lieder waren zumindest eine mit großem Fleiß gemeisterte Aufgabe. Von "Pierrot Lunaire" aber hat sie eine Stimmlage beibehalten, die um eine Oktave zu hoch zu liegen scheint - für Weill jedenfalls definitiv, wie sich etwa im "Kanonen-Song" zeigt, den sie als Duett mit dem kellertief brummenden Alexander Hacke präsentiert. Jedes unbetont zu artikulierende "e" wird mit Macht als "ä" hervorgestoßen, stets schwingt ein zirpendes Vibrato mit - das Ergebnis ist ein Kunstgesang, der mit den Inhalten keinerlei Verbindung eingeht. Nur in "How Can You Tell An American" findet Meret Becker kurz zu ihrer Stimmlage zurück - kräftig, kehlig, ironisch intoniert und überaus musicalgeeignet.