Ein Hauch schweren süßen Parfüms hängt in der Luft. Man riecht es: HA Schult war da. Das ist beabsichtigt. Denn der Eindrück, den der 55 jährige Aktionskünstier mit seiner Erscheinung wie mit seinen Projekten hinterlassen möchte, soll so rasch nicht verfliegen.Am Freitag wili Schult von .St. Petersburg aus in den Köpfen von hundert Millionen Menschen auf der ganzen Welt ein Bild entstehen lassen. Auf dem Schloßplatz der im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen ausgehungerten Stadt werden am Freitag um Mitternacht (22 Uhr in Deutschland) zwei Panzer stehen, Rücken an Rücken, der eine schwarz angestrichen, der andere weiß. Zwischen beiden spannt der acht Meter hohe deutsche Schriftzug "DER KRIEG". In die Metallettern sind rund 240 000 kleine Löcher gestanzt, durch die ein lichtleitender Kunststoff schimmern wird. Ansonsten ist der Platz dunkel.Panzerketten rasselnUm Mitternacht werfen die beiden russischen T-80-Panzer ihre Motoren an, die Ketten beginnen zu rasseln, und 500 Soldaten der russischen Aimee stimmen einen Choral an. Scheinwerfer flammen auf, und die belden Panzer reißen den Krieg entzwei, die Buchstaben lösen sich auf in einen Lichterstaub."Nie zuvor haben zwei Panzer etwas Sinnvolleres getan", schwärmt HA Schult, und damit die ganze Welt davon erfährt, hat die Telekom eine Satellitenleitung spendlert, mit der das Spektakel "Krieg und Frieden" live auf den Times Square in New York und auf den Berliner Checkpoint Chariie übertragen wird. Das ZDF wird sich zuschalten, außerdem amerikanische, japanische und italienische Fernsehsender.Kunst nötigt nicht"Wir verbinden", sagt HA Schult, "New York, den Olymp des Konsums, Berlin, die Wunde des Zweiten Weltkriegs, und Petersburg, das sich gerade aus dem Schutt der Zeit erhebt. Die Aktion umspannt unser ganzes Jahrhundert."An Ehrgeiz mangelt es Schult sowenig wie an Selbstbewußtsein. Stets will er mit seinen Aktionen der Zeit voraus gewesen sein; erstmals 1969, als er eine Straße in München mit Müll zuschüttete, um gerichtlich klären zu lassen, daß Kunst keine Nötigung darstelle, was ihm auch beschieden wurde. Von da an war keine bürokratische Hürde mehr zu hoch für ihn. 1976 pflasterte er den Markusplatz in Venedig mit Zeitungen, 1977 ließ er in New York anläßlich der Documenta ein Flugzeug auf eine Müllkippe abstürzen, und 1985 baute er vor dem UNO-Hauptquartier die Berliner Mauer samt Brandenburger Tor nach.Als Ende der achtziger Jahre das Klima in der Sowjetunion liberaler wurde, ging er daran, die Beamten der Leningrader Stadtverwaltung und der Roten Armee von seiner Idee zu überzeugen. Schult redete und redete und redete, fast jede Woche kam er mit seinem Vorhaben an, bis die Russen klein beigaben. Gleichzeitig sprach er bei deutschen Unternehmen vor, bei Henkel, Ford, Hoechst und Co, schließlich mußte irgend jemand die mindestens 1,5 Millionen Mark teure Aktion bezahlen. Obwohl die Firmen einen großen Teil übernahmen, wird Schult am Ende auf 150 000 Mark Bankschulden sitzenbleiben.Millionen lösen sich auf Macht ihm aber nichts, denn man müsse an eine Sache glauben, auch wenn sie ein hohes Risiko berge. "Wir werden zu einem völlig neuen Denken anregen", glaubt Schult. "Kein bedeutender Künstler seit Picasso hat ein so umfassendes Werk gegen den Krieg dargestellt." Mit dieser Einschätzung freilich dürfte Schult seiner Zeit wieder einmal ein gutes Stück voraus sein;