Das "Goldvreneli", das populärste Goldstück der Schweiz, soll nach einem Bericht des britischen Fernsehsenders BBC möglicherweise auch aus Zahngold von Holocaust-Opfern hergestellt worden sein. Die Schweizer Behörden wiegeln ab.Am Anfang stand ein Labortest. Laut einem Bericht der britischen BBC fanden Wissenschaftler der US-amerikanischen California University heraus, daß Schweizer "Goldvreneli" der Jahre 1945/46 einen stark erhöhten Quecksilbergehalt aufweisen, der aus Zahnfüllungen stammen könnte. Das "Goldvreneli", seit 100 Jahren geprägt, steht als Symbol für die Rechtschaffenheit der sparsamen Eidgenossen. Die Goldmünzen, die sich als Kapitalanlage wenig eignen, sind eine Art Familiensilber: Das "Vreneli", ein Abbild eines Mädchens aus dem Landvolk, wird innerhalb der Familien als Erinnerungsstück vererbt. Daher trifft der Verdacht, der sich letztlich nicht mit Sicherheit ausräumen läßt, die Schweizer ins Herz. Er beschäftigt sie mehr als die Kritik an der Rolle des neutralen Landes als Finanzdrehscheibe Nazi-Deutschlands. Noch wiegeln die Behörden ab. Das Finanzministerium in Bern gibt als Erklärung an, der hohe Quecksilbergehalt sei die Folge davon, daß für die Gewinnung des Goldes das Schwermetall eingesetzt werde. Das Feingold könne daher Reste von Quecksilber enthalten. Nach Angaben des Finanzministeriums steht fest, daß für die Produktion der Goldmünzen mit dem Nominalwert von 10, 20 oder 100 Franken in den Jahren 1945 und 1946 Gold aus dem Ausland verwendet wurde. 1947 beauftragte die Regierung in Bern die Nationalbank, künftig nur Goldbarren aus der Zeit vor Beginn des Zweiten Weltkrieges zu schmelzen.Die Eidgenossen hatten seinerzeit insgesamt 17 575 Goldbarren von der Deutschen Reichsbank gekauft. Sie erwarben nach neuen Quellen auch Schmuck und Goldzähne von Holocaust-Opfern - die Nazis hatten dieses Totengold zuvor in Barren umgeschmolzen und vordatiert. Die Nationalbank gab kürzlich bekannt, für die Herstellung von zehn Millionen Münzen sei Gold geschmolzen worden, das die Schweiz in den Kriegsjahren in Deutschland, Schweden, Frankreich und Italien eingekauft habe. "Wir verfügen über kein Dokument, das klar beweisen würde, daß die ,Goldvreneli` ausschließlich mit Nazi-Gold oder Gold von Juden hergestellt worden wäre", betont Gabriel Juri, Sprecher der Nationalbank. Auch die unabhängige Historikerkommission, die sich mit der Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg befaßt, fand nach eigenen Angaben bisher keine Beweise dafür, daß aus Totengold Münzen geprägt wurden. Trotz der Diskussionen über die Herkunft des Goldes bestehen jetzt Pläne, neue Goldmünzen auf den Markt zu werfen. Das Parlament in Bern verabschiedete im April eine Änderung des Münzgesetzes, welche die Herausgabe von Gedenkmünzen erleichtert. Fünf Millionen Taler mit dem Abbild des Freiheitskämpfers Tell liegen seit 40 Jahren in den Tresoren der Nationalbank. Fingerspitzengefühl bewies immerhin die nationale Fluggesellschaft Swissair: Sie stellte den Verkauf von Schokolade in Goldbarrenform zunächst ein. +++