Nicht kleckern, sondern klotzen: Ein "Zentralflughafen für Deutschland" in Sperenberg soll auf Dauer alle Probleme des künftigen Flughafens Berlin Brandenburg International (BBI) in Schönefeld lösen. Das ist die Idee, mit der der Bürgerverein Brandenburg Berlin (BVBB) nicht nur die Diskussion um den Flughafenstandort in Schönefeld neu beleben, sondern der gesamten deutschen Flughafenpolitik Impulse verleihen will. "Das globale Wachstum des Luftverkehrs verlangt nach einem deutschlandweiten Konzept", sagte der BVBB-Ehrenvorsitzende Ferdi Breidbach gestern bei der Vorstellung einer "langfristig angelegten Alternative". Ob Flugrouten, ein 24-Stunden-Betrieb, Kapazitätsgrenzen oder Sicherheitsrisiken - in Sperenberg hätte die Luftverkehrswirtschaft keinerlei Schwierigkeiten zu erwarten, ist Breidbach überzeugt.In zehn bis 15 Jahren könnte die Vision Wirklichkeit werden, glaubt der BVBB. Für die Zeit bis dahin müssten die Anwohner des BBI mit dem Lärm der Flugzeuge leben. Um dann, wenn der Flughafen in Sperenberg in Betrieb geht, die Nachnutzung des BBI erleben zu können, wie sie dem BVBB vorschwebt. Als Sonderlandeplatz für die Regierungsflugzeuge und für die Internationale Luftfahrtausstellung ILA, als Messe- und Kongressanlage, als Gesundheitszentrum für betuchte Touristen.Der weitere Weg nach Sperenberg ist für die Autoren des Konzepts kein Problem. "Die Leute müssen deshalb nicht früher losfahren", sagte Breidbach. Sie könnten bereits am Hauptbahnhof und am Südkreuz einchecken und "nur mit der Bordkarte in der Hand in aller Ruhe" nach Sperenberg fahren. Über die Anhalter Bahn, die an Sperenberg vorbei führt, sei dies mit den aktuellen Fahrplänen schon jetzt schneller möglich, als eine Fahrt nach Schönefeld dauere, wenn man dort 90 Minuten vor dem Start eintreffen will. Das Einchecken soll auch am dann alten BBI möglich sein, von wo ein Shuttle nach Sperenberg verkehren könnte. Für ein professionelles Planungsbüro reichte das zur Verfügung stehende Geld, 35000 Euro, nicht. So griff der BVBB auch auf Experten aus den eigenen Reihen zurück. Viele externe Fachleute seien leider nicht bereit gewesen, ihren Namen mit dem BVBB in Verbindung zu bringen, räumte die BVBB-Vorsitzende Astrid Bothe ein. 50000 Haushalte in der Region sollen nun die Kurzfassung des Konzepts erhalten, für das auch auf Veranstaltungen geworben wird. Die Langfassung im DIN-A-3-Format erhalten Politiker und mögliche Investoren.Denn auf die Investoren kommt es an, der politische Wille vorausgesetzt. Sie sollen die teure Vision schließlich bezahlen. 1,5 bis zwei Milliarden Euro würde nach den Angaben die Nachnutzung für Schönefeld kosten, vier Milliarden der Bau des Flughafens in Sperenberg in der ersten Phase mit bis zu 50 Millionen Passagieren. Zum Vergleich: Für den BBI sind, der unterirdische Bahnhof eingeschlossen, gut drei Milliarden Euro veranschlagt.Die Vision des BVBB kommt, weil schon länger angekündigt, nicht überraschend. Das Konzept soll als Antwort auf den anhaltenden Streit um die Flugrouten am BBI verstanden werden, mit denen sich die neuen Bürgerinitiativen beschäftigen. Im BVBB, heute 3000 Mitglieder stark, haben sich seit Mitte der 90er Jahre Anwohner zusammen geschlossen, die seit jeher von der BBI-Flughafenplanung am meisten betroffen sind - und immer mehr das Gefühl haben, ihre Stimme werde nicht mehr gehört. Noch über Generationen werde es Konflikte der Flughafen-Nachbarn mit dem BBI in Schönefeld geben, glaubt Breidbach. Weil die Flugrouten am Ende "doch ganz anders liegen", werde nach der BBI-Eröffnung der "Wutbürger" richtig loslegen.Flughafensprecher Ralf Kunkel sprach gestern von einem "ausgemachten Blödsinn", den der BVBB vorgeschlagen habe. "Das ist fern jeder Realität." Weniger drastisch, aber genauso ablehnend reagierten Berlin und Potsdam. Dem Bau des BBI sei eine lange öffentliche Diskussion vorausgegangen. "Die Entscheidung ist höchstrichterlich bestätigt", so Senatssprecher Günter Kolodziej. "Wir haben den Planfeststellungsbeschluss für Schönefeld, und dabei wird es bleiben", sagte der Sprecher des Potsdamer Wirtschaftsministeriums, Steffen Streu. Das Konzept im Internet: www.bvbb-ev.de------------------------------Privat finanziertDer Flughafen Berlin Brandenburg (Arbeitstitel: BBI) soll am 3. Juni 2012 in Betrieb gehen. Kritiker warnen, dass 60000 Menschen und eine Fläche von 60 mal 25 Kilometern dauerhaft"verlärmt" werden.Ein Konzept des BVBB sieht vor, bis 2025 einen "Zentralflughafen für Deutschland" bei Sperenberg zu errichten. Er soll den BBI ersetzen. Investitionen sollen privat finanziert werden.Die BBI-Nachnutzung wäre als Sonderlandeplatz möglich. 280 Hektar könnten als Messe- und Kongresszentrum genutzt werden, 40 Hektar als internationales Gesundheitszentrum. Platz wäre auch für Forschung und Entwicklung sowie für Sportanlagen.------------------------------Karte: Berlin und Umgebung: Sperenberg - noch immer ein Stückchen weiter weg als Schönefeld.

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