Eine junge Frau schläft am Steuer ihres Autos ein und rast in den Straßengraben. Aus der Ohnmacht erwacht, befindet sie sich plötzlich in einem Vakuum jenseits der gewohnten Zeitrechnung. Die kaputte Uhr des Mannes, der sie ins nächste Krankenhaus bringt, zeigt den 32. August an, das Datum wird zum Kürzel eines surrealen Zustands.Simone (Pascale Bussieres) beginnt ihr neues Leben mit einer Verweigerung. Sie sagt ihre Termine als Fotomodell ab und katapultiert sich aus dem Rhythmus der Flugpläne heraus, um dem ihres Körpers zu folgen. "Ich bin wie eine Schweizer Uhr", versichert sie ihrem Ex-Freund Philippe (Alexis Martin), den sie zum Vater ihres Kindes auserkoren hat. Simone, durch den Unfall mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert, will schwanger werden, und zwar in den nächsten 48 Stunden. Philippe willigt ein, unter einer Bedingung das Kind soll in der Wüste gezeugt werden.Dem kanadischen Regisseur Denis Villeneuve, 1967 in Quebec geboren, ist mit seinem Debüt "Der 32. August auf Erden" eine virtuose Studie über die Wahrnehmung von Zeit gelungen. Er dehnt und staucht die Zeit, packt sie in träge Großaufnahmen oder zerhackt sie in Bildschnipsel. Beschleunigung und Stillstand treffen jäh aufeinander, Weite wechselt mit klaustrophobischer Enge. Wie fotogen Wüsten im Kino wirklich sind, weiß man erst, wenn man Villeneuves Panoramaaufnahmen der gleisenden Ebenen von Salt Lake City gesehen hat. Natürlich kann man sich in der Wüste verirren, aber verstecken kann man sich schlecht darin. Den Blicken eines Taxifahrers ausgesetzt, wird nichts aus Simones Plan, und auch die aseptische Schlafzelle auf einem Flughafen bietet sich für die Liebe nicht gerade an. In "Der 32. August" ist die Liebe nichts anderes als eine schwere Komplikation während einer Routineoperation. Doch Simones klinisches Arrangement wird von Philippe außer Kraft gesetzt.Villeneuve erzählt mit einem strengen, visuellen Konzept, und spielt dabei auch mit der Ästhetik der Modefotografie, Simones Welt. Mit schmalen Augen und halbgeöffnetem Mund ist sie die coole Heldin der Hochglanz-Künstlichkeit eine Frau von eisiger Autonomie. Wie nebenbei ist "Der 32. August" auch ein präzises Generationenporträt. Nicht zu wissen, was man will oder es so genau zu wissen, daß das Leben auf der Strecke bleibt irgendwo dazwischen suchen Simone und Philippe nichts anderes als ihr Glück.Der 32. August auf Erden (Un 32 Aout sur terre) Kanada 1998, 88 Minuten, Regie und Drehbuch: Denis Villeneuve, Darsteller: Pascale Bussieres, Alexis Martin.