Rom - Erst nachdem Brüssel Silvio Berlusconi und seiner Regierung ein Ultimatum gestellt hat, hat Italiens Ministerpräsident einsehen wollen, dass von ihm mehr gefordert ist als nur Lippenbekenntnisse. Man mag den europäischen Nachbarländern vorwerfen, dass sie sehr lange für die Erkenntnis gebraucht haben, die Umberto Bossi wütend in einem Satz zusammengefasst hat: Das Problem ist Silvio Berlusconi.

Die meisten Italiener haben nun geradezu schockartig erkannt, welchen immensen Schaden der sich an die Macht klammernde Ministerpräsident anrichtet, wie sehr er auch die internationale Reputation Italiens gefährdet. Dass sie den Druck von außen und erst Recht das herablassende Lächeln des französischen Präsidenten dennoch als Schmach empfinden, ist nicht sehr überraschend.

Doch noch ist Berlusconi im Amt, und solange die Lega Nord oder die letzten Aufrechten aus seiner Partei sich nicht entscheiden, ihm die Gefolgschaft aufzukündigen, wird diese Regierung weiter von einer Krise zur anderen taumeln. Auch Umberto Bossi zaudert, zögert, taktiert. Die alten Männer in Rom spielen ein verantwortungsloses Spiel um die Macht, um Pfründe, Posten und Wählerstimmen. Italien hätte etwas anderes verdient. Italien hat das Potenzial, die Krise aus eigener Kraft zu meistern - hätte es nur andere Politiker. Es liegt an den Italienern, daran etwas zu ändern.