Erneut war es ein Stück Fleisch, das einen Gourmetkoch das Leben gekostet hat. Siegfried Stier, Küchenchef im Restaurant Trio am Klausener Platz, ist an einem Stück Schweinefilet erstickt. Wie erst jetzt bekannt wurde, ereignete sich das Unglück am 17. August, nur wenige Tage vor Stiers 44. Geburtstag. Ähnlich wie ihm erging es vor knapp drei Jahren einem anderen bekannten Berliner Spitzenkoch. Damals wurde Siegfried Rockendorf leblos auf der Geburtstagsfeier seines Vaters gefunden. In seinem Mund befanden sich Essenreste, hieß es später. Gerichtsmediziner in Göttingen stellten fest, dass Rockendorf an seinem Erbrochenen erstickt sei. Seine Witwe machte dem Notarzt schwere Vorwürfe.Auch bei Siegfried Stier konnte der Notarzt nichts mehr ausrichten. Der Koch soll sich kurz zuvor zum Aufräumen in die Küche zurückgezogen haben. Sein Partner Christian Thomasow habe plötzlich Würgegeräusche aus der Küche gehört. Stier sei mit aufgerissenen Augen aus der Küche gekommen und habe keine Luft mehr bekommen, hieß es. Die Stimme auf dem Anrufbeantworter des Charlottenburger Restaurants hört sich dennoch munter an. "Aus familiären Gründen bleibt das Restaurant bis voraussichtlich 27. August geschlossen", heißt es dort. Thomasow soll nach Brandenburg gefahren sein, in Begleitung seiner Mutter. Er muss sich nun überlegen, was aus dem Trio wird. Das Restaurant hat noch einen Mietvertrag mit zwei Jahren Laufzeit, angeblich wolle der Chef nun aber die zuständige Wohnungsgesellschaft um sofortige Auflösung bitten. Falls das nicht möglich ist, wolle Thomasow über ein geändertes Konzept nachdenken. Fast 18 Jahre haben er und Siegfried Stier gemeinsam das Trio betrieben.Nach dem tragischen Tod seines Partners hat Thomasow eine Art Nachrichtensperre verhängt. Dem Hotel- und Gaststättenverband wurden Stellungnahmen untersagt, ebenfalls Stiers ehemaligem Chef Karl Wannemacher, der heute Chefkoch des Alt-Luxemburg in der Charlottenburger Windscheidstraße ist. Stier soll bald in seiner Heimatstadt Breisach nahe Freiburg beigesetzt werden. "Heimlich-Griff" kann helfenMöglicherweise hat sich das Fleischstück direkt vor Stiers Luftröhre gesetzt. Oder aber es war so groß, dass es die parallel zur Speiseröhre verlaufende Luftröhre verengt hat. Man kann zur Rettung den so genannten "Heimlich-Griff" anwenden. Dabei soll man sich hinter die Person stellen, die Arme um die Taille legen und sie leicht nach vorne beugen. Die geballte Faust legt man auf den Bauchnabel des Erstickenden, die andere Hand um die Faust. Dann sollen beide Hände mit einem harten Stoß und einer stark nach oben gerichteten Bewegung in den Magen gezogen werden - so lange, bis der Speiserest herausgehustet ist. Allerdings warnen Ärzte davor, dass Laien diesen Griff ausüben, denn es können innere Organe verletzt werden. Der Popstar Robbie Williams hat jedoch auf diese Art schon einmal einer Frau in einem Restaurant in Los Angeles das Leben retten können. Die Frau schien an einem Kalbskotelett zu ersticken. Williams sprang sofort auf und klopfte ihr auf den Rücken, als das nicht half, wendete er den "Heimlich-Griff" an und hatte damit Erfolg. Anschließend setzte sich Williams wieder hin und aß weiter. (uck.)KRAUTHOEFER Gestern wäre er 44 Jahre alt geworden: Siegfried Stier.