Berlin - Seit ihrer Gründung 1955 war die international orientierte Großausstellung ein Ort, an dem das westdeutsche Selbstverständnis verhandelt wurde mit dem Anspruch, Einblicke in aktuelle künstlerische Tendenzen zu geben. Erstmals stellt das Deutsche Historische Museum nun die Geschichte der ersten bis zehnten documenta in den Kontext der politischen und kulturhistorischen Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland. Kunstwerke, u.a. von Max Beckmann, Joseph Beuys oder den Guerrilla Girls, Filme, Dokumente und Oral-History-Interviews illustrieren, wie die documenta als Kunstereignis und zugleich als historischer Ort politisch-sozialen Wandel kommentiert und widerspiegelt.

Seit ihrem Beginn präsentierte sich dem documenta-Publikum mit der künstlerischen Moderne eine Epoche, die in Deutschland bis 1945 als „entartet“ gegolten hatte. Das Programm, mit dem sich die Bundesrepublik hier empfahl, speiste sich aus einer Vergangenheit, die man vorgab, überwinden zu wollen. Dabei war fast die Hälfte derjenigen, die an der Organisation der ersten documenta mitwirkten, Mitglied von NSDAP, SA oder SS gewesen. Werke ermordeter jüdischer oder verfolgter kommunistischer Künstler*innen waren in Kassel hingegen nicht vertreten.

© documenta archiv, Foto: Erich Müller
Bundespräsident Theodor Heuss auf der ersten documenta 1955, links neben ihm: Arnold Bode

Die documenta war eng an das politische Programm der Bundesrepublik der 1950er und 1960er Jahre gebunden und spiegelte die Spannungen des Kalten Kriegs wider. Die ehemals diffamierte moderne Kunst stieg aufgrund der beträchtlichen Förderung zur Staatskunst und damit zum Mittel der Anbindung an den „Westen” auf. Gerichtet war die Großveranstaltung in „Zonenrandlage” zwar auch an ein ostdeutsches Publikum, ostdeutsche Kunst blieb bis in die 1970er Jahre jedoch unerwünscht.

Die documenta machte Karriere als internationales Großereignis mit Festivalcharakter. Die Marke „documenta” stieg in den folgenden Jahrzehnten international zum Modell eines ebenso populären wie wirtschaftlich orientierten Kunstevents in einer globalisierten (Kunst-) Welt auf.

Alle Ausstellungs-Details auf einen Blick:

  • Zeitraum: 18.06.2021 - 09.01.2022
  • Öffnungszeiten: Montag - Freitag von 10.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag von 10.00 bis 20.00 Uhr
  • Eintritt: Tagesticket 8 EUR, reduziert 4 EUR. Freier Eintritt bis 18 Jahre!
  • Ort: Deutsches Historisches Museum, Unter den Linden 2, 10117 Berlin
  • Telefon: +49 30 20304-0
  • Tickets: Onlinebuchung unter www.dhm.de/ausstellungen/documenta

Am 4. Juli 2021, dem ersten Berliner Museumssonntag, ist der Eintritt frei. Tickets dafür werden in Kürze über die zentrale Website des Museumssonntag bereitgestellt. In Folge ist der Eintritt jeden ersten Sonntag im Monat frei.

Weitere Informationen zum Ausstellungsort finden Sie unter www.dhm.de/.