Zieh einmal den Mantel an und stell dir vor, du bist kurz davor rauszugehen als Hauptmann von Köpenick.

Wilhelm Voigt, der „Hauptmann von Köpenick“, starb vor 100 Jahren, 1922, in Luxemburg. Dass er 1906 als Hauptmann verkleidet mit gutgläubigen Soldaten in das Rathaus von Köpenick eindrang und die Stadtkasse raubte, ist wohl am bekanntesten in Carl Zuckmayers Theaterstück von 1931 überliefert. Die Berliner Geschichte wurde zum Volksmythos, aber wie ging es weiter mit der Person Voigt? Ganz modern versuchte dieser, nach seiner Entlassung, Geld mit seinem plötzlichen Ruhm zu verdienen, ging auf große Tournee und verkaufte Autogramme.

© Bohumil Kostohryz
„Man kann auch im Liegen kämpfen.“

Dass er anschließend 1909 nach Luxemburg kam und Bekanntschaft mit einer jungen Witwe – Frau Émilie Blum-Bernier – machte, wissen die Wenigsten. Er war bereits 60 Jahre alt, hatte insgesamt 30 Jahre im Zuchthaus verbracht und war nur auf der Durchreise, doch rasch wohnte er bei ihr zur Untermiete. Luxemburg gewährte ihm Sicherheit vor den deutschen Behörden. Doch dass er seine letzten Lebensjahre dortblieb, dabei spielte Frau Blum eine wichtige Rolle. Ohne sie hätte er wohl nie dort Fuß gefasst. Der Luxemburger Autor Guy Helminger hat eine zeitgenössische und vielschichtige Beziehungskomödie über das Paar und seine Zeit geschrieben – eine Zeit, die der unsrigen in vielerlei Hinsicht erstaunlich nah ist.

„Madame Köpenick“ wurde im Januar am Kasemattentheater Luxemburg uraufgeführt und wird nun am 08. Juni die Deutsche Erstaufführung an der Vagantenbühne Berlin feiern. Kay Wuschek inszeniert das Schauspiel mit Brigitte Urhausen und Michael Schrodt. Für Bühne und Kostüme zeichnet sich Dagmar Weitze, für die Videoinstallation Ernest Thiesmeier verantwortlich.

Brigitte Urhausen und Michael Schrodt als Hauptmann und Madame Köpenick
© Bohumil Kostohryz
MADAME KÖPENICK

Komödie von Guy Helminger
Koproduktion mit dem Kasemattentheater Luxemburg

mit Michael Schrodt & Brigitte Urhausen
Regie Kay Wuschek
Bühne & Kostüme Dagmar Weitze
Videoinstallation Ernest Thiesmeier

Premiere (DEA) am 08. Juni
Weitere Vorstellungen: 09.06. / 10.06. / 11.06.
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