Dresden - Wer als Nachwuchstrainer jungen Fußballspielern eine Einführung in die bunte Welt des Zweikampfs geben möchte, dem sei die Aufzeichnung des Zweitligaspiels zwischen Dynamo Dresden und Union Berlin ans Herz gelegt. Denn was auch immer möglich ist beziehungsweise passieren kann, wenn sich zwei erwachsene Fußballer im Kampf um das Spielgerät in die Quere kommen, war am Sonntagnachmittag in der mit 30 135 Zuschauern gefüllten Arena am Großen Garten zu bestaunen. Vom muskel- und bändertraumatisierenden Pressschlag über den beherzten Bodycheck bis zum gekonnten Sliding Tackling, nichts blieb unversucht, um den Lauf der Dinge zu beeinflussen, um der eigenen Mannschaft einen Vorteil zu verschaffen. Und doch gab es über 93 Minuten hinweg nicht den einen entscheidenden Moment, ergo: 0:0.

Unions Trainer Jens Keller war jedenfalls ganz angetan von seiner Mannschaft, obwohl sie mit einem Sieg dank der Niederlagen von Hannover und Braunschweig auf einen Punkt an die Ligaspitze hätte heranrücken können. Sie habe das Spiel hier angenommen, das ein „sehr aggressives“ war, gut dagegengehalten, gegen einen Gegner, der „heute gezeigt hat, dass er zu Recht da oben steht. Ich bin mit dem Punkt schon zufrieden. Wir haben wenig zugelassen.“

Das Beste an der munteren Zweikämpferei soll an dieser Stelle auch gleich mal erwähnt sein: Trotz einiger hitziger Hahnenkämpfe, die durch das Dazwischengehen von Schiedsrichter Benjamin Brand, aber auch durch den Einsatz von Führungskräften wie Marco Hartmann (Dynamo) und Sebastian Polter (Union)  recht schnell wieder gelöst werden konnten, behielten die Akteure weitgehend kühlen Kopf. Ja, es war ein faires Duell der beiden Ostklubs, was in Anbetracht der Brisanz der Partie, die ja bei beiden über das Sportliche hinausgeht, letztlich als Glücksfall gewertet werden darf.

Mit taktischer Sicherheit

Das Spiel brauchte eine Weile, um in Schwung zu kommen. Was sich auch durch die Parallelen in der taktischen Grundausrichtung erklären lässt. Sowohl Dresdens Trainer Uwe Neuhaus als auch Unions Keller setzen nämlich auf ein 4-3-3, das  in der Rückwärtsbewegung im Optimalfall flugs zum 4-5-1 werden soll. Darüber hinaus hatten die beiden Fußballlehrer ihre Spieler wohl auch noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass fürs Erste doch bitte keine allzu großen Risiken eingegangen werden sollen.

So entwickelte Dynamo nicht den Druck, den man eigentlich erwartet hatte. So war es Union aber auch nicht möglich, über Konter erste Gefahrenmomente zu entwickeln. Es war dann eher so, dass die Köpenicker, bei denen Stephan Fürstner nach Gelbsperre für Michael Parensen wieder in der Anfangsformation stand, mit ihrer etwas größeren taktischen Sicherheit das Spiel bestimmten.

Erst als sich die Spieler erste Fehler erlaubten, was aufgrund der unterschiedlichen Qualität der Spieler im Pass- und Annahmespiel in der zweiten Liga doch  häufiger vorkommt als in der ersten, öffnete sich das Spiel ein wenig. Felix Kroos beispielsweise fand sich in der 13. Spielminute plötzlich in einer guten Position zum Torschuss wieder, zielte aber zu ungenau. 

Auf der anderen Seite konnten die Gastgeber nichts aus den sich bietenden Standardsituationen machen, die mitunter der zunächst etwas übermotiviert wirkende Toni Leistner mit unsauberen Abwehraktionen verursacht hatte.  Zudem erfoulte er sich schon nach 20 Minuten seine  fünfte Gelbe Karte der Saison, wird also gegen Bielefeld fehlen. Zur größten Chance verhalf   Christopher Trimmel den Gastgebern mit einem konfusen Rückpass zu Union-Keeper Jakob Busk.

Sehr intensiv

Das Spiel war allerdings keineswegs von Zurückhaltung, sondern im Gegenteil von hoher Intensität geprägt,  in der zweiten Hälfte mit dem Unterschied, dass man nicht mehr so lang von der einen Torchance zur nächsten warten musste. Die drei größten im Schnelldurchlauf: Zunächst traf der ansonsten eher unglücklich agierende Simon Hedlund in der 56. Minute mit einem fulminanten Fernschuss aus knapp 30 Metern nur die Querlatte. Dann scheiterte Dresdens Niklas Hartmann mit einem Schuss aus Nahdistanz an Torwart Busk. Und schließlich vergab Leistner nach einem Eckball per Kopf den Sieg, sein unentschlossener Versuch ging in der 75. Minute gut einen Meter am Tor vorbei.

Sebastian Polter brachte es schließlich auf den Punkt, als er hinterher sagte: „Das waren heute irgendwie alles so halbe Sachen.“ Was natürlich nicht für die Zweikämpfe galt. In denen  muss es sich für ihn angefühlt haben, als sei er doch nicht von der englischen Championship zurück in die zweite deutsche Liga gewechselt. Seine Klasse verlor sich zwischen Bodycheck und Tackling.