Man kann dem FC Viktoria 1889 nicht vorwerfen, es nicht mit allerlei PR-Aufwand versucht zu haben. Aber offenbar ist es nicht so einfach, das Berliner Publikum, das mit den Finals in zehn Sportarten ein pralles Sportwochenende hinter sich hatte, erneut als Zuschauer eines Schauspiels der Körperertüchtigung zu mobilisieren. Dabei funktionierte sogar der Online-Ticketverkauf über die vereinseigene Homepage.

Natürlich war das Ziel, 20 000 Zuschauer in den Jahnsportpark zu lotsen und mit dem Slogan „#20000Für Viktoria!“ auch das moderne Berliner Publikum für Runde eins im DFB-Pokal zu begeistern, ambitioniert. Aber letztlich sahen nur 4 503 Zuschauer das 0:1 (0:1) des Viertligisten gegen den Zweitligisten Arminia Bielefeld in Prenzlauer Berg. Der Knockout für den Favoriten blieb aus, obwohl Viktoria im Vorfeld der Partie nicht nur Profiboxer Arthur Abraham zu einem Aufsager animiert hatte („Wir spielen die Arminia k. o.“), sondern auch MMA-Weltmeisterin Julia Dorny sowie den früheren Union-Coach Jens Keller zu öffentlichkeitwirksamen Motivationsbesuchen eingeladen hatte.

Ärger über Schiedsrichter

Immerhin blieb Viktoria nach dem frühen Rückstand durch Andreas Voglsammer (15. Minute) bis zum Ende trotz spielerischer Unterlegenheit engagiert. Die Mannschaft von Trainer Benedetto Muzzicato hielt die Partie offen. Groß waren Ärger und Enttäuschung als in der Schlussphase der Partie Gäste-Verteidiger Brian Behrendt im Strafraum am Arm getroffen wurde, der mögliche Pfiff von Schiedsrichter Franz Boskop zugunsten von Außenseiter Viktoria aber ausblieb. „Laut Fernsehen wurde gesagt, es war ein Elfmeter. Das ist natürlich ärgerlich, wenn einem so eine große Möglichkeit genommen wird“, sagte der als Stürmer eingesetzte Christoph Menz. „Klar sind wir enttäuscht. Wir haben einen guten Kampf geliefert“, fügte Trainer Muzzicato an.

Viktoria hatte zwar nur 31,4 Prozent Ballbesitz, kam aber kurz nach dem Rückstand zu guten Torgelegenheiten. Cimo Röcker (19. Minute), Rafael Brand (23.) und Yannis Becker (27.) ließen diese aber ungenutzt. Neben dem Ergebnis war für den Klub aus Lichterfelde auch die Kulisse mau. Die Bielefelder Kurve gab den Ton an. „Viktoria hat wahrscheinlich gar keinen Gesang“, vermutete ein Arminia-Fan. „Es ist Samstagnachsmittag, Arminia Bielefeld ist nicht der Gegner, der zieht“, erklärte sich der frühere Union-Berlin-Profi Menz den spärlichen Zulauf. „Der Jahn-Sportpark ist auch nicht der Kracher, das kennt jeder in Berlin. Wir hätten uns über mehr Zuschauer gefreut. Es ist aber schwer, hinter Union und Hertha eine gewisse Base zu aktivieren.“

100 000 Euro Einnahmen

Zumindest nahm der Regionalligist durch die Pokal-Teilnahme nach eigenen Angaben etwa 100 000 Euro an Prämien ein. Das Geld kann der Klub, der vorige Saison Insolvenz anmelden musste, vermutlich gut gebrauchen. (mit dpa)