Kaiserslautern - Für Ernst Diehl war Franco Foda das Vorbild: Wann immer es um Eigenmotivation ging, erzählte der frühere Talente-Entwickler des 1.FC Kaiserslautern den nachfolgenden Generationen jene Anekdote, nach der Foda in seiner A-Jugend-Zeit immer die aktuelle Tabelle über seinem Bett befestigt und immer genau gewusst habe, welches Torverhältnis der kommende Gegner gerade habe. Foda, der zwei A-Länderspiele in seiner Vita stehen hat, gewann aber wohl nicht nur deshalb mit dem FCK und Bayer Leverkusen den DFB-Pokal und spielte als Profi unter anderem in Stuttgart sowie bei Sturm Graz. In Graz arbeitete er 15 Jahre, zuletzt sechs Jahre als Cheftrainer, der Meisterschaft und Pokal gewann. In Österreich wurde er jüngst nach Differenzen mit dem neuen Präsidium entlassen, nun führt der Weg des gebürtigen Mainzers wieder zurück zum FCK. Es war eine Entscheidung, „die auf der Hand lag“, wie der FCK-Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz gestern bei der Vorstellung des mittlerweile 46 Jahre alten Foda sagte.

Fehleinschätzung Balakow

Der FCK ist gerade aus der ersten Liga abgestiegen, nach einer fürchterlichen Saison mit 21 Spielen ohne Sieg in Serie und großen Irrtümern auf dem Transfermarkt. Erst vor ein paar Tagen korrigierte Kuntz seine vielleicht größte Fehleinschätzung und entließ den Trainer Krassimir Balakow, der Marco Kurz erst vor acht Wochen abgelöst hatte und der nach sieben Niederlagen in acht Spielen für einen Neuanfang untauglich war. Balakow blieb in seinen 57 Tagen in der Pfalz immer ein Fremder, mit Foda kommt jetzt ein alter Bekannter. „Wir wollten den kompletten Neuanfang ohne Vorbelastung“, erklärte Kuntz. Wie Kurz ist auch Balakow, der einen Kontrakt bis 2013 hatte, mit einer geringen sechsstelligen Summe abgefunden worden. Für Foda sprachen dessen Erfahrung, und dass man ihm nicht erklären müsse, was beim FCK erwartet werde, so Kuntz. „Das Ziel ist, so schnell wie möglich in die Bundesliga aufzusteigen“, stellte Foda klar, der ein Angebot von Austria Wien ausschlug, um beim FCK anzuheuern. „Es war eine Grundsatzentscheidung für mich: Mache ich den nächsten Schritt, oder bleibe ich in Österreich.“

Foda setzt auf Zusammenhalt

Beim FCK will er möglichst lange bleiben, sagt er, aus Graz bringt er den früheren Bundesligaprofi Thomas Kristl als Co-Trainer mit. Schon vor drei Jahren wollte Kuntz Foda auf den Betzenberg lotsen, damals aber stand dessen zweiter Sohn vor dem Abitur, Foda blieb deshalb in Graz. Nun aber habe er „ein gutes Gefühl“, so Foda, der in Lautern auf viele alte Weggefährten trifft, beispielsweise auf Torwarttrainer Gerry Ehrmann, der seinen Vertrag gestern um drei Jahre verlängerte. „Zusammenhalt kann Berge versetzen“, sagt Foda.

Der bröckelte zuletzt aber, und deshalb kommt es beim FCK zum großen Umbruch im Kader. Trotz gültiger Verträge sollen viele Profis den Klub verlassen. Auch bei Kapitän Christian Tiffert, dem man mangelnde Führungskraft vorwirft, deutet vieles auf eine Trennung hin. Womöglich wird auch die einstige Stürmerhoffnung Itay Shechter wechseln, Austria Wien soll Interesse an dem Israeli haben. Als Neuzugänge stehen fest: Stürmer Albert Bunjaku (Nürnberg), die Mittelfeldspieler Mimoun Azaouagh (Bochum) und Enis Alushi (Paderborn) sowie Torwart David Hohs (Aachen). Foda ist überzeugt, „eine schlagkräftige Mannschaft“ auf die Beine zu stellen.

Sein Optimismus tut dem FCK gut, auch wenn ihn nicht alle bedingungslos teilen in der Pfalz, angesichts der Aufstiegskonkurrenz aus Köln, Berlin, Bochum, St. Pauli und 1860 München.