KÖLN - Demut ist noch nie eine Stärke des kölnischen Charakters gewesen. So mancher Rheinländer glaubt, der Karneval verwandle die Stadt in eine unwiderstehliche Weltmetropole, und mit dieser Grundhaltung wird auch der lokale Fußballklub betrachtet. Man muss also verstehen, dass viele Kölner gekränkt waren, als ihnen am Montag nach wochenlangen Spekulationen über einen neuen Stürmer ausgerechnet Chong Tese vorgesetzt wurde.

Schließlich hatte Sportdirektor Volker Finke eine Reise zum Afrika Cup unternommen, Trainer Ståle Solbakken hatte zahllose DVDs mit Kandidaten von internationalen Topklubs gesichtet, und nun kommt ein Mann aus der zweiten Liga, der zuvor im nur 90 Kilometer entfernten Bochum gespielt hat.

Solbakken kennt Tese kaum

Ein Fußballer auch noch, über den der Trainer kaum etwas weiß. „Ich kenne den Spieler nicht so gut, ich habe am Freitag zum ersten Mal davon gehört, ich muss ihn im Training in Konkurrenz zu anderen Spielern sehen“, sagt Solbakken und heizt mit diesen Worten eine Geschichte an, die seit Wochen für Unruhe sorgt.

Schon im vergangenen Herbst wurde gemunkelt, Solbakken und Finke hätten Mühe, konstruktiv zusammenzuarbeiten. Dem Sportdirektor wird nachgesagt, dass er Zweifel am System des Trainers habe, und Solbakken sei empört über derlei Einmischung in sein Ressort, heißt es. „Die Vermutung, dass ich da in irgendeiner Form versuche, Einfluss auf die Spielweise zu nehmen, ist abwegig“, sagt Finke.

Köln kann finanziell nicht mithalten

Allerdings hat das 1:4 gegen Schalke wieder einmal gezeigt, dass Solbakkens Plan auch nach einem halben Jahr beim 1. FC Köln fehleranfällig ist. Den Innenverteidigern ist es nicht erlaubt, außen auszuhelfen, die Gegner dürfen ruhig flanken, Tore sollen innen verhindert werden. Doch wenn wie am vergangenen Samstag fast 30 hohe Bälle vors Tor fliegen, dann wird eben der eine oder andere reingeköpft.

Und Solbakken kann mit Recht darüber klagen, dass sein Sportdirektor im Winter nur ein Geschäft realisieren konnte, und das dem Trainer keine Gelegenheit ließ, sich ausführlich mit seinem neuen Stürmer zu beschäftigen. Bei den Kandidaten, die mit Solbakken abgesprochen waren, musste der Klub „aus wirtschaftlichen Gründen abbrechen“, sagt Finke.

Auf dem Transfermarkt konnte der verschuldete Verein nicht mal mit dem SC Freiburg oder dem FC Augsburg mithalten.