1. FC Köln: Podolski heizt Panik an

Zum traditionellen gemeinsamen Saunabesuch mit Pressesprecher Harald Stenger ist Lukas Podolski dieser Tage im Kreis der Nationalmannschaft noch nicht gekommen. Dafür könnte der Spieler vom 1. FC Köln am Freitagabend (20.45 Uhr, ARD) im Olympiastadion von Kiew in seinem 94. Länderspiel erstmals eine deutsche Fußball-Nationalmannschaft als Kapitän aufs Spielfeld führen, nachdem Podolski die schwarz-rot-goldene Binde vor anderthalb Jahren nur mal 18 Minuten lang gegen Malta tragen durfte.

Bundestrainer Joachim Löw macht aus seiner Entscheidung − Podolski oder Mertesacker? − zumindest öffentlich noch ein Geheimnis. Für Lukas Podolski, immer noch erst 26 Jahre alt, wäre es eine große Ehre, zumal die Binde ihm in seinem Heimatverein 1.FC Köln zu Saisonbeginn genommen und an den Brasilianer Geromel weitergereicht wurde.

Podolski distanziert sich emotional vom FC

Diese Entscheidung seiner Vorgesetzten Volker Finke und Stale Solbakken nagt nach wie vor an Podolski. Er habe „immer betont, dass mir nicht nur in der Kapitänsentscheidung der Rückhalt der Verantwortlichen gefehlt hat“, sagte er am Wochenende in Sky.

Seit Finke in Köln arbeitet, ist viel passiert, was Podolski nicht gefällt. In Finkes Idealbild einer Mannschaft ist kein Platz für einen Mann, der alle anderen überstrahlt. Denn seit vielen Jahren leidet die rheinische Fußballstadt darunter, dass immer der eine Superheld die Welt retten soll. Mal Trainer Christoph Daum, mal Präsident Wolfgang Overath und immer wieder der kickende Prinz.

Seit die Binde weg ist, hat Podolski begonnen, sich emotional von seinem FC zu distanzieren. Interviews lehnte er vor dem Spiel in der Ukraine konsequent ab, dafür spricht sein Manager Kon Schramm, der dem Fachblatt Kicker sagte: „Sein Vertrag endet 2013. Ich halte es nicht für sinnvoll, irgendwelche Zeitfenster zu öffnen und sich so unnötig unter Druck zu setzen.“

Freilich kennt auch Schramm die Usancen der Branche nur allzu gut. Entweder, Podolski soll in diesem Winter verlängern oder er wird verkauft, damit der hoch verschuldete Verein noch einen Transfererlös erzielen kann. Derzeit deutet einiges auf das zweite Szenario hin. Zumal Finke auch das Gehaltsgefüge im Auge hat, denn Neid und Missgunst unter den Mitspielern soll es nicht geben beim neuen 1. FC Köln.

Köln könnte 23 Millionen Euro kassieren

Sollte sich der im Kreis seiner geliebten Nationalmannschaft auch dieser Tage wieder auffällig gut gelaunte Podolski tatsächlich gegen eine Vertragsverlängerung in Köln entscheiden, wäre gar ein Abschied in der Winterpause denkbar. Denn für Topklubs ist er dann interessanter als die meisten anderen Angreifer seines Formats. Podolski ist diese Saison in keinem internationalen Klubwettbewerb zum Einsatz gekommen, er könnte also im Frühjahr zum Beispiel für den AC Mailand oder beim FC Arsenal in der Champions League spielen. Das treibt den Preis hoch, seriöse englische Zeitungen berichten bereits, dass die Londoner 23 Millionen Euro für Podolski bieten wollen. Milan sucht einen Ersatz für den herzkranken Antonio Cassano.

Mit Joachim Löw verbindet Podolski ein besonderes Vertrauensverhältnis, das ihm etwa bei seiner von Löw leichthin verziehenen Attacke gegen Michael Ballack beim WM-Qualifikationsspiel in Wales im April 2009 sehr hilfreich war. Wenn Löw nun andeutet, dass er einen Wechsel für vorstellbar hält − „Lukas ist reifer geworden, er kann den Schritt ins Ausland jetzt eher gehen“ −, so hat der Bundestrainer damit Angst und Schrecken in Köln verbreitet.

Podolski scheint ähnlich zu denken, jedenfalls heizt er aufkommende Panik weiter an, indem er Woche für Woche überragend spielt, immer unverzichtbarer wird, sich aber jedes Bekenntnis verkneift: „Wenn eine Anfrage kommt, und die wird bestimmt kommen, dann muss man eine Entscheidung treffen.“

Neun Tore hat Podolski bereits erzielt, fünf weitere vorbereitet, gemeinsam mit Franck Ribéry, Claudio Pizarro und Mario Götze ist er der spektakulärste Spieler des Spieljahres. Dabei galt er noch vor wenigen Monaten als Auslaufmodell, als Mann, der seinen Status im Nationalteam noch vor der EM verlieren wird.

Vor allem André Schürrle übt Druck aus. Das Verhältnis zum Konkurrenten aus Leverkusen ist angespannt, seit Lukas Podolski sich neulich im Bundesligaspiel zwischen dem 1. FC Köln und Bayer Leverkusen den Versuch einer nicht geahndeten Tätlichkeit gegen Schürrle leistete. „Das waren keine schöne Szenen, und das war total unnötig“, sagt Schürrle rückblickend. Es sei danach „nichts ausgeräumt“ worden.