Stale Solbakken, 1968 in Kongsvinger geboren, arbeitet seit exakt fünf Monaten als Cheftrainer für den Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln, und wie üblich am Rhein ist eine Menge passiert in dieser Zeit. Es gab einen Höhenflug, sportliche Rückschläge, wilde Diskussionen um das Kapitänsamt, einen Präsidentenrücktritt und zuletzt eine schlimme Derbyniederlage. Aber der Norweger, der seine Karriere als Spieler 2001 nach einem Kollaps wegen eines Herzfehlers beenden musste und den FC Kopenhagen anschließend zu fünf dänischen Meisterschaften führte, ist immer noch begeistert von seinem Projekt am Rhein.

Herr Solbakken, nach der heftigen Niederlage im Derby gegen Mönchengladbach ist wieder eine Menge los am Geißbockheim, die Kölner Fußballschlagzeilen zeichnen das Bild eines streitenden Hühnerhaufens. Täuscht dieser Eindruck?

Der FC hat einen sehr großen Einfluss auf die ganze Stadt, damit umzugehen war am Anfang für mich ungewohnt. Aber jetzt bin ich seit vier Monaten hier und weiß inzwischen, dass es hier jede Woche eine oder zwei große Geschichten gibt. Wir lassen uns davon nicht aus der Ruhe bringen. Und letztendlich kann ich gut leben mit diesen Emotionen, die hier immer ganz schnell im Spiel sind. Ich habe einen guten Job in einem Traditionsverein und inzwischen weiß ich, wie die Kölner denken und welche Reaktionen es nach einem Erfolg und einem Fiasko gibt.

Nun ist die Rede von einem Konflikt zwischen Ihnen und Sascha Riether, der in der Kabine ausgetragen wurde. Sind Sie verärgert über Ihren Mittelfeldstrategen, der Sie während des Gladbach-Spiels für alle sichtbar kritisierte?

Hängen wir das bitte nicht so hoch. Ich habe Sascha lediglich gesagt, dass ich in einigen Szenen mit seiner Körpersprache nicht zufrieden war, und er üblicherweise viel, viel besser spielen kann. Sascha hat das eingesehen, damit ist das Thema für mich erledigt.

Außerdem wird kolportiert, dass Ihr Verhältnis zu Geschäftsführer Volker Finke, der Sie nach Köln geholt hat, ein wenig abgekühlt sei. Finke hat sich immer einen Trainer gewünscht, mit dem er streiten kann, streiten Sie?

Ja, absolut, aber konstruktiv. Die täglichen Diskussionen über die Startelf und das Training führe ich mit meinen Co-Trainern, aber die große Diskussion über die Zukunft der Profimannschaft, die führe ich mit Herrn Finke. Und natürlich sind wir nicht immer einer Meinung, das ist normal, glaube ich.

Worum geht es konkret in Ihren Debatten?

Darüber, was zu tun ist in den kommenden Monaten und Jahren. Das Wichtigste ist, dass man miteinander redet und am Ende eine gute Lösung für den Verein findet.

Diskutieren Sie auch kontrovers, zum Beispiel wenn es um eine Vertragsverlängerung mit Lukas Podolski geht?

Nein. Wir wollen beide unbedingt, dass er bei uns bleibt. Lukas hat sich vor allem taktisch sehr verbessert in den vergangenen Monaten, das sieht man auch daran, dass er seit der Verletzung von Milivoje Novakovic nicht auf seiner normalen Position spielt und damit sehr gut klarkommt. Lukas denkt immer zuerst an den Verein und dann an sich selber. Er verdient sehr viel Respekt für seine Leistung.

Viele Trainer haben schon versucht, Podolski taktisch weiterzuentwickeln. Sieht man von den Bundestrainern ab, sind diese Versuche ihrer Kollegen immer mehr oder weniger gescheitert. Bis Sie in Köln auftauchten. Sind Sie stolz?

Nein. Und mir ist auch wichtig, dass Lukas seine Intuition nicht verliert, dass er diesen Instinkt in seinem Körper behält.

So ein Spieler, der alle anderen überragt, ist dem Gesamtklima in der Mannschaft oft nicht zuträglich, das war ja wohl auch einer der Gründe für Ihre Entscheidung, Pedro Geromel und nicht Podolski zum Kapitän zu machen. Ist Podolski jenseits seiner fußballerischen Fähigkeiten ein Problem?

Ich glaube, man könnte dieselbe Frage zu Cristiano Ronaldo und Lionel Messi stellen, die in ihren Klubs ebenfalls eine Sonderrolle spielen. Aber man darf auch nicht immer sagen: Die Mannschaft, die Mannschaft, die Mannschaft. Wenn man elf gegen elf spielt, und es ist sehr eng, dann entscheidet immer ein individueller Fehler oder eine ganz besondere Einzelaktion. Und diesen Moment kann Lukas erzeugen. Außerdem kommen die Leute auch ins Stadion, weil sie überragend gute Individualisten sehen wollen. Es ist ein Geschenk, dass wir einen Spieler in der Mannschaft haben, der fast 100-mal für Deutschland gespielt hat, obwohl wir als FC nur im Mittelfeld der Tabelle spielen. Großer Erfolg ist nicht möglich ohne große Individualisten.