Nürnberg - Hans Meyer hat am Samstag seinen 70. Geburtstag gefeiert. Der bekennende Thüringer bewohnt seit seinem Engagement beim 1. FC Nürnberg mit seiner Lebensgefährtin eine Wohnung im Windschatten der Kaiserburg. Die Art und Weise, wie er 2008 abserviert wurde, empfindet Meyer allerdings noch heute als unappetitlich – und weiß sich darin mit dem Gros der FCN-Fans einig.

Damals hatten beflissene Aufsichtsräte per SMS aus einer laufenden Sitzung heraus die Medien darüber informiert, dass Meyer freigestellt werden würde. Der Trainer, der den Club wenige Monate zuvor zum Pokalgewinn gebracht hatte, erfuhr davon allerdings erst, nachdem ihn die Clubführung tags darauf in eine Pressekonferenz delegiert hatte, in der die meisten Journalisten mehr wussten als der Geschasste. Kurz darauf heuerte Thomas von Heesen als Trainer an – der FCN stieg daraufhin ab.

Am Samstagnachmittag hat der Stadionsprecher des 1. FC Nürnberg dem abwesenden Jubilar kurz vor dem Anpfiff der Partie gegen den VfL Wolfsburg „ganz herzlich“ zum Geburtstag gratuliert. Und dass dabei wirklich das ganze Stadion geklatscht hat, kann man getrost als Beweis für die von den Nürnberger Nachrichten aufgestellte These sehen, dass die Stadt die Ereignisse von 2008 „noch heute schamvoll verschweigen sollte.“

Nürnberg rennt Wolfsburg in Grund und Boden

Viereinhalb Jahre später schien im Fränkischen wieder der eine oder andere Club-Freund Lust auf Schlagzeilen zu haben. Auf solche etwa, die ein neues Gesicht auf der Trainerbank liefern würde. Sechs sieglose Spiele in Folge und 377 Minuten ohne Torerfolg schienen manchem Beobachter Grund genug, Dieter Hecking anzuzählen, den Trainer, der in den vergangenen drei Jahren erst den Wiederaufstieg und dann immer wieder überraschend gute Platzierungen geschafft hat. Als es zuletzt nach gutem Saisonstart abwärtsging, fing man mancherorts an zu raunen: Spielte da nicht eine Mannschaft erkennbar gegen ihren Trainer?

Nach dem deutlich zu niedrig ausgefallenen 1:0-Sieg über Wolfsburg warf diese Frage keiner mehr auf. Vom Anpfiff weg hatten zehn in rot gewandete Spieler ihre grünen Gegenspieler in Grund und Boden gerannt. Der VfL spielte dabei so ängstlich, passiv und unzusammenhängend, als würde er immer noch von Felix Magath trainiert. Eine halbe Torchance hatten die arg defensiv eingestellten Gäste im ganzen Spiel (Diego/70.).

Ganz anders der Club, der sein Publikum mit hochtourigem Tempofußball in Verzückung versetzte und lediglich bei der Chancenverwertung an die jüngsten Spiele erinnerte. Tomas Pekhart (6./12.), Timmy Simons (55.) und Timo Gebhart (62.) vergaben gute Gelegenheiten, ehe eine Viertelstunde vor Schluss der erlösende 1:0-Siegtreffer fiel: Gebhart wuchtete per Flugkopfball eine Flanke des starken Timothy Chandler in die Maschen. „Fußballerisch haben wir heute das beste Spiel der Saison gemacht“, sagte Chandler.

Erfolgsrezept gegen Schaltspieler

„Zu Beginn der Spielzeit ist uns viel über Standardsituationen gelungen, heute haben wir uns die Chancen wirklich herausgespielt.“ Hanno Balitsch, der zusammen mit Gebhart seine Wolfsburger Pendants im zentralen Mittelfeld neutralisierte, hatte hingegen eine andere Erklärung parat: „Wir haben die Wolfsburger Schaltspieler durchgedeckt, so konnten sie die Offensiven nicht in Szene setzen.“ Das habe „überraschend gut geklappt“, fand Balitsch. „Den Wolfsburgern ist nicht viel eingefallen. Augsburg war hier auch nicht offensiver.“

Die interne Analyse von VfL-Coach Lorenz-Günther Köstner dürfte nach dem erschreckend schwachen Vortrag seiner Elf nicht anders ausfallen. Gegenüber den Journalisten betonte er jedoch, er werde nun nicht auf die Mannschaft „draufhauen“: „Man muss der Mannschaft auch die Ruhe geben. Den Jungs ist so ein Spiel nicht egal, deshalb werde ich sie unterstützen.“

Wie lange Köstner das tatsächlich noch tun darf, wird in Wolfsburg jetzt diskutiert. Bislang haben sich die VW-Granden noch nicht mit dem knorrigen Franken zusammengesetzt, um über seine Zukunft zu sprechen. Auch der Managerposten ist nach wie vor vakant.