Auch bei Union geht man in diesen Tagen zwangsweise auf Distanz.
Foto: Matthias Koch

Berlin-KöpenickChristian Arbeit hält die Stellung. Der Stadionsprecher und Kommunikationschef des 1. FC Union werkelte auch am Montag in seinem Büro im Forsthaus im Stadion An der Alten Försterei. Allzu viele Menschen trifft er dort auf dem Gelände nicht mehr an. Wegen der Coronavirus-Krise sind die Geschäftsstelle und das Fanshop seit der vergangenen Woche geschlossen. Der Großteil der rund 200 Angestellten arbeitet im Homeoffice. Das rote doppeltürige Tor an der offiziellen Zufahrt zum Stadion öffnet sich nur noch einige Male für Paketdienste.

Vor zwei Wochen kämpfte Präsident Dirk Zingler noch mit aller Kraft darum, dass das bedeutungsschwangere Heimspiel gegen Rekordmeister Bayern München trotz der sich zu diesem Zeitpunkt auch in Deutschland zuspitzenden Corona-Krise mit Zuschauern ausgetragen wird. Jetzt muss sich Zingler Gedanken machen, wie er den Verein durch die Phase bringt, in der niemand weiß, wann der Spielbetrieb der Bundesliga fortgesetzt wird.

Union im Krisenmodus

Die Mitarbeiter wurden in der vergangenen Woche vom Vereinschef mit einer E-Mail über die ernste Situation informiert. „Die aktuellen Entwicklungen stellen uns und den Verein auf eine harte Probe und niemand kann derzeit das Ausmaß und das Ende der Krise absehen“, schrieb Zingler den Angestellten.

Zingler ist sich sicher, dass irgendwann wieder Fußball in der Alten Försterei gespielt wird und das Wohnzimmer der Eisernen auch für externe Veranstaltungen gebucht wird, so wie das bis vor kurzer Zeit außerhalb der Spieltage üblich war. Der 55 Jahre alte Logistik-Unternehmer will dann noch alle Mitarbeiter an Bord haben. Erklärtes Ziel sei es, die aktuelle Phase mit dem vorhandenen Personal zu bewältigen.

Ob das klappen wird, kann aber auch Zingler nicht versprechen. Kündigungen sind vorerst wohl kein Thema, auf Kurzarbeit muss sich der eine oder andere Angestellte aber gefasst machen. „Unser erklärtes Ziel ist es, die aktuelle Phase gemeinsam mit Euch zu bewältigen. Wir werden daher alles daran setzen, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden“, erklärte Zingler den Mitarbeitern. „Den aktuellen Arbeitsausfall werden wir durch die Anzeige von Kurzarbeit in allen Gesellschaften auffangen. Wir werden mit jedem von Euch dazu eine individuelle Regelung über den Umfang der Kurzarbeit finden.“

Rafal Gikiewicz spendet Gehalt

Für die Profis kann es eine solche Lösung nicht geben, da es eine Bemessungsgrenze für Kurzarbeitergeld gibt. Dafür verdient der Großteil der Union-Fußballer zu viel. Spieler können ihrem Verein und damit auch den Mitarbeitern jedoch helfen, indem sie auf Gehalt verzichten. Torwart Rafal Gikiewicz hat bereits via Twitter angekündigt, dass er Teile seiner Einnahmen dem Klub zur Verfügung stellen will. „Wenn ein Spieler privat etwas spenden will, ist das seine Angelegenheit. Ich finde das gut. Das Thema Gehaltsverzicht ist etwas anderes“, sagte Unions Profifußball-Geschäftsführer Oliver Ruhnert. „Der Verein führt den Dialog insgesamt. Ansprechpartner ist der Mannschaftsrat. Gemeinsam wird besprochen, was sinnvoll ist.“

Aufgabe der Akteure ist es jetzt in erster Linie, sich für den Neustart an Tag X fitzuhalten. Aktuell erfolgt das individuell. Erst am 31. März soll es wieder ein gemeinsames Mannschaftstraining geben. Die Kontrolle der Lauf- und Kraftdaten obliegt Fitnesstrainer Martin Krüger. „Er ist derzeit besonders gefordert. Er bespricht die Trainingspläne mit den Spielern“, erklärt Ruhnert. „Trainer Urs Fischer war in der vergangenen Woche zur Koordination noch mal in Berlin. Er ist jetzt in Zürich. Als Berufspendler darf er reisen.“

Spieler sollen nicht ins Ausland fahren

Die Spieler sollen hingegen nicht ins Ausland fahren. Manche halten sich in ihrer Heimat-Region auf, andere lassen sich auch ab und an im Kraftraum der Alten Försterei blicken. Letzteres passiert jedoch koordiniert. „Es wird darauf geachtet, dass nicht so viele Spieler gleichzeitig da sind und regelmäßig alles desinfiziert wird. Die Spinde wurden auseinandergeschoben und auf zwei Kabinen verteilt“, berichtet Ruhnert.

Der Sportchef muss auch an die Zeit nach dem Ende der Pandemie denken. Die Scouts von Union hätten deshalb auch jetzt viel zu tun. Echte Vertragsgespräche gibt es aktuell aber wohl nicht, obwohl zum aktuell noch offiziellen Saisonende am 30. Juni rund ein Dutzend Spielerverträge auslaufen. Ruhnert ist derzeit aber auf den Ist-Zustand fixiert. Er sagt: „Wir müssen die Dinge lösen, die akut sind und wann wir wieder richtig trainieren können. Andere Dinge können wir wieder höher gewichten, wenn wir wissen, wie es weitergeht.“