Sebastian Andersson trifft zum 2:0, Sebastiaan Bornauws Abwehr ist erfolglos.
Foto: imago-images/Matthias Koch

Berlin-KöpenickInzwischen ist der Schwede Sebastian Andersson die Symbolfigur für den Aufstieg des 1. FC Union. Er ist der Spieler, an dem sich am besten die wundersame Geschichte der Köpenicker entlangerzählen lässt. Vom ordentlichen Zweitligakicker zum gestandenen Erstligaprofi, vom Sturmführer des Außenseiters zum Goalgetter des Überraschungsteams der Fußball-Bundesliga. Stopp! So viel Lob kann schaden. Stopp! Man darf das aktuelle Glück der Eisernen doch nicht nur mit einer Person in Verbindung bringen. Ja, stimmt schon alles, aber was soll man machen, wenn der 28 Jahre alte Blondschopf gegen den 1. FC Köln als Matchwinner in Erscheinung tritt? Wenn er beim 2:0 gegen die Domstädter seine Saisontore sieben und acht erzielt und dem Klub damit zu den Punkten 17, 18 und 19 verhilft? Wenn dieser unbändige Stürmer den Unterschied macht beim Duell der Aufsteiger, das für die Gäste in letzter Konsequenz zu einer Lehrstunde wird: Ja, so geht das in der höchsten Spielklasse.

Lob gab es nach der Partie gleich mal von demjenigen, der ihn von Kaiserslautern nach Köpenick gebracht hat, also von Manager Oliver Ruhnert. „Sebastian belohnt sich einfach für seinen Aufwand. Er ist immer da, bemüht sich. Toll. Er arbeitet in jeder Liga, in der er gerade ist“, sagte der Kaderplaner.

Doppelspitze mit Polter

Für all diejenigen, die sich an der Startelf-Raterei vergnügen, ist Union -Coach Urs Fischer ein nur schwer zu deutender Faktor. So hatte wohl kaum jemand damit gerechnet, dass der Schweizer a) mit einer Doppelspitze ins Spiel gegen den Effzeh gehen würde und b) diese Doppelspitze zudem von Andersson und Sebastian Polter gebildet wird. Aber Fischer hat im Laufe der Zeit eben auch für die beiden einen tauglichen Einsatzplan entwickelt. Etwas überraschend war  zudem Michael Parensen unter den ersten Elf zu finden, was sich aber letztlich wohl auf die kurzfristige Absenz von Neven Subotic (muskuläre Probleme) zurückführen ließ. Der ewige Micha, wie der 33-Jährige aufgrund seiner tiefen Verbundenheit zum Klub genannt wird, kam in  der Abwehr-Dreierkette auf der linken Seite zum Einsatz, während Florian Hübner die Zentrale, Marvin Friedrich wiederum die rechte Seite bespielte.

Was die beiden Teams im natürlich ausverkauften Stadion An der Alten Försterei zunächst boten, war nicht wirklich sehenswert. Es sei denn, man schätzt als Betrachter den munteren Bodenkampf im Mittelfeld beziehungsweise den rassigen Luftkampf zwischen Angreifer und Abwehrmann. Da wie dort war einfach viel zu viel Aufregung im Spiel, als dass einer der Akteure mit einem gescheiten Pass oder einer gelungenen Einzelleistung eine Torchance entwickeln konnte. Wenngleich die Partie natürlich nicht gänzlich torchancenfrei war.

Sebastian belohnt sich einfach für seinen Aufwand. Er ist immer da, bemüht sich. Toll. Er arbeitet in jeder Liga, in der er gerade ist.

Manager Oliver Ruhnert über Stürmer Sebastian Andersson.

Kölns Birger Verstraete beispielsweise zeichnete sich gleich zweimal als respektabler Freistoßschütze aus, zwang Keeper Rafal Gikiewicz in der 24. und 29. Minute zweimal zur Flugshow. Auf der anderen Seite eröffnete der Belgier allerdings nur drei Minuten später mit einem Ausrutscher vor dem eigenen Sechzehner Andersson die Möglichkeit zum Abschluss, doch Timo Horn war zur Stelle, wehrte zu einem Eckstoß ab. Zu einem Eckstoß, der allerdings entscheidenden Einfluss auf den Lauf der Dinge haben sollte.

Mit sehr viel Schnitt jagte Unions Spielführer Christopher Trimmel den Ball vor das Tor, Andersson flog heran, schüttelte dabei den ehemaligen Unioner Simon Terodde ab und traf per Kopf zur Führung (33.).

Sebastiaan Bornauws Rettungsversuch kam zu spät

Es war der Wirkungstreffer, von dem sich die Kölner letztlich nicht mehr erholen sollten. Geradezu hilflos stolperten sie gleich noch in einen Konter, den Andersson schon nicht richtig in Schwung brachte und der letztlich mit einem Pass auf den im Abseits befindlichen Polter verspielt wurde. Und fünf Minuten nach dem Seitenwechsel stürzte sich die Mannschaft von Trainer Markus Gisdol selbst ins defensive Chaos, was Christian Gentner mit einem Zuspiel auf Andersson clever zu nutzen wusste. Andersson ließ noch schnell den herauseilenden Horn stehen und schloss mit links ab. Der Rettungsversuch von Sebastiaan Bornauw kam einen Tick zu spät. Union bejubelte nach einem kurzen Moment des Zweifelns, ob der Ball die Torlinie schon überschritten hatte oder nicht, letztlich das 2:0.

Der Rest war Demonstration: Dort der 1. FC Köln, der immer groß träumt, sich aber schon fast aus Tradition immer wieder zum Krisenklub verwandelt. Hier der 1. FC Union, der seinen wahrgewordenen Traum von der Bundesliga voll auslebt. Auch dank Andersson.