Bochum - Beim 1. FC Union haben sie sich etwas Lustiges für die Adventszeit ausgedacht. Jeden Tag gibt es in dem virtuellen Kalender ein Video zu sehen, in dem zwei Spieler in einem spaßigen Wettbewerb gegeneinander antreten. Das Erraten von rückwärts abgespielten Weihnachtsliedern und Sackhüpfen in Verkleidung waren schon dran, ehe am Sonntag Simon Hedlund und Kristian Pedersen Walnüsse knacken mussten.

Dass daraus am Nachmittag eine ziemlich traurige Analogie wurde, konnte bei dem Drehtermin im November natürlich keiner ahnen. Der VfL Bochum, in dieser Saison keine wirklich harte Nuss, war von den Eisernen nämlich nicht kleinzukriegen. Obwohl Sebastian Polter schon in der 4. Minute die Führung erzielt hatte.

Das 1:2 (1:1) gegen die abstiegsgefährdeten Bochumer ist die zweite Niederlage seit der Länderspielpause. Nur einen Punkt konnten die Unioner in den drei Spielen gewinnen. Unerklärlich waren dabei die erneuten Mängel im Defensivverhalten. Beim späten Siegtreffer von Lukas Hinterseer gelang den Berlinern das Vorweihnachtswunder, dass den acht in Ballnähe befindlichen Spielern zwölf Stellungsfehler unterliefen. 

Eingeleitet wurde der Treffer in der 87. Minute von Union-Verteidiger Toni Leistner, der den Ball nach einem Bochumer Befreiungsschlag wenige Meter hinter der Mittellinie in den Raum legte − zu Kollege Kristian Pedersen, wie er meinte. „Ich köpfe ihm den Ball eigentlich in den Lauf. Ich weiß nicht, ob er mich umgrätschen wollte. Er sprintet auf mich zu. Da war eigentlich keine Gefahr“, sagte Leistner. Statt Pedersen schnappte sich ein Bochumer den Ball.

„Das Spiel hat für uns optimal begonnen“

Für Leistner war das Spiel ein Wechselbad der Gefühle gewesen, mit einem kurzen Auf zu Beginn und vielen Abs in der Folge. Der Pass, mit dem er das Führungstor aus der eigenen Hälfte vorbereitet hatte, war eine Bewerbung für die Bundesliga gewesen. „Perfekt“, schwärmte Polter.

Doch danach fälschte der Innenverteidiger erst den Schuss von Kevin Stöger aus dem von Union nicht besetzten Rückraum zum Ausgleich ins eigene Tor ab (40.). Dann vergab er nach einem Freistoß die Kopfballchance zur erneuten Führung (55.). Warum, war ihm hinterher klar: „Ich hätte den Ball einfach über den Kopf rutschen lasen sollen. Falsch entschieden.“

Die Niederlage war jedoch nicht dem Abwehrspieler allein anzulasten. Vor allem in der zweiten Hälfte hatte sich das Team von Jens Keller völlig hilflos präsentiert. Über Minuten wurden die Köpenicker in den eigenen Strafraum gedrängt, ohne dass Gegenstöße eingeleitet wurden.

Dass Stephan Fürstner nach einer Stunde für den in die Startelf zurückgekehrten Kapitän Felix Kroos in die Partie kam, entspannte die Situation nur kurzzeitig. Die Einwechslungen von Steven Skrzybski und Damir Kreilach verpufften. Zu konfus agierte die Elf. „Das Spiel hat für uns optimal begonnen. Aber wir haben dann nicht mehr die Bereitschaft gehabt, in die Räume zu gehen“, kritisierte Keller.

Ohne Laufwege keine Anspielmöglichkeiten. Warum die Mannschaft diese erfolgsbedingende Basis vergessen hat, ist nicht nachvollziehbar. Waren es doch die schnellen Sprints und die große Ausdauer, die Union bis zur Länderspielpause so erfolgreich hatten sein lassen.

„Es muss nicht immer schön sein. Mit Kampf und Leidenschaft hätte man das Spiel anders gestalten können“, vermutete Leistner nach dem Rückschlag. Der 27-Jährige weiß: „Auszeiten sollte man sich nicht nehmen, wenn man aufsteigen will.“