Platzsturm, brennende Wurfgeschosse, Spielabbruch. Der mit großer Vorfreude erwartete sportliche Formtest endete in Gewalt, Feuer und Rauch. Nach 73 Minuten musste der Schiedsrichter am Sonnabend die Partie zwischen dem mehrfachen schwedischen Meister Djurgården IF und dem 1. FC Union in Stockholm abbrechen, weil wiederholt Fans beider Teams das Spielfeld gestürmt hatten und sich der Qualm abgebrannter Feuerwerkskörper unter dem geschlossenen Arenadach sammelte.

„Wir haben heute erlebt, wie Dummheit sehr vielen Menschen ein lang ersehntes Erlebnis zerstört hat“, sagte Dirk Zingler. Der Union-Präsident kündigte an, dass sich der Verein „mit aller Kraft“ gegen das Verhalten wehren werde. Eigentlich hätte der Ausflug nach Schweden ein Werbeauftritt sein sollen. Geplant waren Bilder, mit denen der Verein der internationalen Fußballgemeinde beweisen wollte, welche Begeisterung der Berliner Zweitligist entfachen kann.

Stattdessen zeigte sich, dass einige, die die Vereinsinsignien auf der Brust tragen, den Sport nur als Bühne für Gewalt betrachten. Schon vor dem Anpfiff waren mehr als hundert Menschen aus dem Union-Block auf das Spielfeld gestürmt, weil in der gegenüberliegenden Kurve ein Banner mit der Aufschrift „BFC Dynamo Berlin“ gehisst worden war. An der Mittellinie angekommen, schleuderten ihnen Anhänger von Djurgården Feuerwerkskörper entgegen. Das Spiel begann mit einer Dreiviertelstunde Verspätung, zur Pause verzichteten die Teams aus Sicherheitsgründen auf den Seitenwechsel. Dennoch wurde die Partie kurz nach dem 1:1 der Schweden abgebrochen.

Die vom 1. FC Union vertretene These, dass „auf eine dumme Provokation eine dumme Reaktion“ gefolgt sei, lässt sich kaum halten. Vieles deutet darauf hin, dass die plakative Nennung von Unions Erzfeind eine bewusste Kampfansage war, auf die sich die Berliner Platzstürmer vorbereitet hatten. So räumte Djurgårdens Veranstaltungschef Tomas af Geijerstam gegenüber der Zeitung Aftonbladet ein, dass sich vor Beginn rund 500, teils vermummte Union-Fans gewaltsam Zutritt zum Stadion verschafft hätten, um Durchsuchungen durch das Sicherheitspersonal zu entgehen und Feuerwerkskörper ins Stadion zu bringen. Die Anhänger Djurgårdens hatten es noch leichter gehabt, mit Bengalos bewaffnet auf die Tribüne zu gelangen. Sie waren am Eingang nur selektiv geprüft worden.

Trotz des gewaltsamen Eindringens einiger Union-Anhänger wurde die Begegnung nicht abgesagt. Polizei-Einsatzleiter Patrik Höklander zeigte sich später „überrascht“ von der Eskalation, bei der ein deutscher Fan und mehrere Polizisten verletzt wurden. Auch Djurgårdens Pressesprecher Jonas Riedel gab an, dass sein Verein solche Situationen nicht kenne. Allerdings waren im April 2013 Präsident Tommy Jacobson und Trainer Magnus Pehrsson zurückgetreten, nachdem sie aus Fankreisen bedroht worden waren.

Für den gewaltbereiten Teil der Union-Fans war das Dynamo-Banner willkommener Anlass. Dabei hat der Gewaltausbruch mit dem historischen Hintergrund nichts zu tun. Diejenigen, die in Stockholm den Platz stürmten, waren mehrheitlich zu jung, um die Rivalität zwischen BFC und Union in den Siebziger- und Achtzigerjahren miterlebt zu haben – ebenso wenig wie den Überwachungsterror durch die Staatssicherheit in der DDR. Der Hass auf den ehemaligen Stasi-Klub BFC Dynamo ist antrainiert und mehr Vorwand als Grund.

Streng fiel das Urteil von Präsident Zingler aus. „Jeder einzelne daran Beteiligte muss sich bewusst sein, dass er seinem Verein großen Schaden zugefügt hat“, sagte Zingler. Die Mehrheit der 8 500 Zuschauer bedachte die gewaltsuchenden Stadionbesucher derweil mit einem Pfeifkonzert. Doch die Ausgepfiffenen feierten den Spielabbruch und brannten munter weiter Bengalos ab. „Was dort passiert ist, ist eine Katastrophe“, fand Torsten Mattuschka. „Ich hoffe, dass es den beiden Vereinen gelingt, die Täter zu ermitteln. Über die sportliche Seite zu sprechen, ist nach diesen Ereignissen leider sinnlos“, sagte der Kapitän nach der Ankunft in Berlin.