1 FC Union Berlin gegen FC Kaiserslautern: Kader der Eisernen ist einsatzbereit

Philipp Hosiner ist leidgeprüft. Am Ostersonntag könnte seiner Geschichte ein weiterer Rückschlag hinzugefügt werden. Keiner, der ihn aus der Bahn werfen wird. Dafür hat er zu viele Herausforderungen gemeistert. Aber einer, der einem Stürmer wie ihm wehtun kann. Der 27-Jährige macht momentan eigentlich alles richtig.

Er hat seine Ernährung umgestellt, den Schlafrhythmus optimiert und dann gegen Düsseldorf die lang herbeigesehnte Chance genutzt: In seinem ersten Startelfeinsatz seit fünfeinhalb Monaten erzielte er das 1:0. Es wäre aber nicht das erste Mal in der Saison, dass er einem Tor zum Trotz wieder aus der Anfangsformation rutscht. Und Hosiner ist nicht der einzige im Kader des 1. FC Union, für den das Heimspiel am Sonntag gegen Kaiserslautern (13.30 Uhr) emotional richtungsweisend ist.

Es ist eine im Profimannschaftssport gängige Überzeugung, dass ein Trainer keine Rücksicht auf Einzelschicksale nehmen darf. Dass er die Formation auf das Spielfeld schicken muss, die als Gemeinschaft am stärksten ist. Einzelne müssen sich zum Wohle des Kollektivs zurücknehmen. Das hat einer wie Hosiner verinnerlicht.

Fingerspitzengefühl ist gefragt

„Hier zählen nicht nur die ersten elf, sondern die eins bis 24 und das Betreuerteam“, sagt er. Einer wie Damir Kreilach lebt den Teamgedanken sowieso. „Das ist nicht schlimm“, sagte er, nachdem ihn Jens Keller in Düsseldorf erstmals in der Saison zunächst auf die Bank gesetzt hatte.

Dennoch ist die Situation diesmal eine besondere, weil Keller nicht nur die beste Aufstellung für die Partie gegen die abstiegsbedrohten Pfälzer finden muss, sondern auch die bestmögliche Sechs-Spiele-Schlussserie sicherzustellen hat. Das ist gar nicht so einfach zu vereinen. Angesichts der Ergebniskrise seit Stephan Fürstners Verletzung (ein Punkt aus drei Spielen) müsste der defensive Mittelfeldspieler schnellstmöglich ins Team zurück. Den Trainingseindrücken nach hat er den operativen Eingriff im Knie gut vertragen.

Aber das Risiko besteht, mit einer vorschnellen Vollbelastung seine weitere Einsatzbereitschaft zu gefährden. Und kann Keller riskieren, die Befindlichkeiten von Hosiner und Kreilach zu übergehen? Es ist mehr Fingerspitzengefühl gefragt denn je.

„Man bekommt Anerkennung. Das braucht man als Mensch“

Hosiners Fall ist speziell, er hatte viel Pech: Muskelfaserriss zu Beginn, kollabierte Lunge zu Weihnachten. Als er dazwischen für den verletzten Collin Quaner einsprang, traf er gegen St. Pauli und Hannover. Aber Quaner nahm ihm den Startelf-Platz wieder weg.

Abends nach schwachen Kurzeinsätzen lag er oft wach, grübelte. „Seit dem Nürnberg-Spiel schläft es sich um einiges besser“, sagt der Angreifer. Da traf er nach Einwechslung zum Sieg. „Man bekommt Anerkennung. Das braucht man als Mensch.“

Wie froh er war, endlich mal von Beginn an zu spielen, war ihm anzusehen. „Man muss sich manchmal hinten anstellen und auf seine Chance warten. Das habe ich 17 Spiele gemacht“, sagte er in Düsseldorf.

Das ewige Vorbild Kreilach

„Gott sei Dank habe ich sie genutzt.“ Die Mitspieler könnten ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht haben, weil sie den Sieg vergeigten, als Hosiner ausgewechselt war. Verabschiedet sich Keller nun umgehend wieder vom Zweimann-Sturm, bekäme Sebastian Polter wohl den Vorzug. Und Kreilach könnte zurück in die Startelf.

Bei Kreilach ist es weniger die Gefahr des Frustaufbaus auf der Bank als die Verunsicherung, die sich einzuschleichen droht, sollte er gegen Kaiserslautern zu Beginn wieder zuschauen – nach zwei Eigentoren in drei Spielen und dem Gefühl, das Team nach der Einwechslung in Düsseldorf zwei Punkte gekostet zu haben. Dass Union das ewige Vorbild Kreilach braucht, steht außer Frage.

„Damir hat in den vergangenen Wochen starke Leistungen gezeigt“, sagte Keller. Dann sind da noch Michael Parensen (müsste wie Fürstner aufgrund des mangelhaften Punkteertrags ohne ihn wieder rein und bekam im Mittwochstraining das meiste Trainerlob) und Kenny Prince Redondo, der wartete und traf wie Hosiner.

Kroos ist der Anführer

Keller stehen alle 20 Feldspieler zur Verfügung. Schwierig nur, dass er aufgrund der aktuellen Individualform ausgerechnet zwei gesetzte Kräfte auf die Bank setzen müsste: Polter, seit vier Spielen torlos, der auffällig unauffällig agiert sowie Felix Kroos, der nicht die gewohnte Sicherheit ausstrahlt.

Aber den Kapitän kann man in der Saisonphase nicht mal eben rausnehmen. Kroos ist der Anführer, was er in Düsseldorf mit lautstarker Kritik an Simon Hedlund unter Beweis stellte. Polter ist die teuerste Spielerinvestition, seit es Union gibt, Publikumsliebling dazu und insbesondere in Heimspielen stets für Tore gut.

Die einfachsten Argumente hätte Keller, kehrte er zu der bis zur Hannover-Fahrt erfolgreichen Rückrundenformation zurück – und wechselt Hosiner ein. Allein: Das Einfache muss nicht das Beste sein.