1. FC Union Berlin gegen Fortuna Düsseldorf: Union Berlin freut sich auf einen perfekten Saisonstart

Einen Plan B hat Benjamin Kessel nicht. Wer braucht den schon, wenn Plan A so erfolgsversprechend ist? Es ist ja schon viel darüber fabuliert worden, wie der ehemalige Braunschweiger seinen neuen Kollegen den Aufstieg erklärt. „Raffa, Fürsti und ich, wir haben der Mannschaft gesagt, was vonnöten ist, damit so was passieren kann“, sagt der 27-Jährige. Er hat es, wie Raffael Korte und Stephan Fürstner schließlich schon erlebt. Trotzdem sei die Nachfrage gestattet, was er den Mitspielern zur Ermunterung mitteilen möchte, wenn das Auftaktspiel am Sonntag gegen Fortuna Düsseldorf (15.30 Uhr) verloren geht. „Darüber rede ich nicht, das geht nicht schief“, sagt Kessel.

Der 1. FC Union geht so optimistisch wie schon lange nicht mehr in eine Saison. Kessel ist ja nur einer von neun Neuen, die das Team nicht nur dank ihrer Aufstiegsweisheiten, sondern vor allem aufgrund ihrer fußballerischen Fähigkeiten auf ein höheres Level heben sollen. „Die sportliche Qualität ist sogar höher als im Aufstiegsjahr mit Braunschweig“, findet der Mann, der Unions Abwehr in der Vorbereitung schon ganz gut zusammenhielt.

Es ist derzeit schwierig, der guten Laune zu entgehen, die den Klub ergriffen hat. Eine Kostprobe aus den Katakomben der Haupttribüne: Es war vor eineinhalb Wochen, als sich die verspätete Journalistenschar nach dem Test gegen Tel Aviv endlich durch den Zuschauerstrom in die Interview-Zone gekämpft hatte. Da drehte Trainer Norbert Düwel ab. „Boah Wannsinn!“, polterte er. „Sorry, so geht das nicht!“ Weg war er. Verschwunden im Kabinentrakt. Es war ein Spaß. Er kam lachend zurück und erzählte fröhlich von den positiven Eindrücken aus dem vorangegangenen Testspiel und vom langen Weg, der noch zu gehen sei.

Haas bleibt die Nummer eins

Die Vorfreude, am Sonntag den ersten Schritt zu machen, ist riesig, und die Spielansetzung gibt gleich die nächste Steilvorlage für den Gute-Laune-Düwel. „15.30 ist eigentlich eine sehr gute Anstoßzeit“, sagt er. Ja sogar die Beste. „Die Bundesliga spielt nicht umsonst um diese Uhrzeit“, führt er aus. Da die Erste Liga erst im August ihren Betrieb aufnimmt, kommt Union zu dem seltenen Vergnügen, auch als Zweitligist zur besten aller Zeiten spielen zu dürfen. Die Zukunft lässt grüßen. Jetzt wird der Coach doch ernst: „Wir sollten nicht zwanghaft von Aufstieg reden. Jeder meiner Kollegen hat mindestens acht bis zehn Mannschaften auf dem Zettel.“

Der Verein verschweigt seine Ambitionen nicht. Seit Dirk Zingler das Präsidentenamt übernommen hat, hat er in Köpenick zunächst das Fundament für Profifußball gießen lassen und dann Stockwerk für Stockwerk hinzugefügt. Wenn die Fans aber erwarten, dass sie jetzt wöchentlich Fußball vom FC-Bayern-Stern dargeboten bekommen, wäre dies nicht zweckdienlich. Nichts verwandelt sich schneller in Trübsal als überhöhte Euphorie.

Kessel spricht bewusst davon, dass der Aufstieg „passieren kann – nicht muss“. Er steht am Trainingsplatz und lässt seine ersten Union-Wochen Revue passieren. „Wir sind auf einem guten Weg und entwickeln uns langsam zu einer Einheit“, sagte er. Macht es dem neuen Abwehrchef nicht Bange, dass sich gleich zu Beginn der zukünftige Zweitligatorschützenkönig ein Loch in die Gemeinschaft reißen möchte? Nichts Geringeres hat der Neu-Fortune Didier Ya Konan ja angekündigt. Torschützenkönig! Der freundliche Blick, den Kessel jetzt wirft, würde den wildesten Büffel zähmen. Oder ist es Mitleid? „Wir haben uns so gut eingespielt, dass wir die Offensive stoppen können“, ist er überzeugt. Und: „Wir haben noch Steigerungspotenzial.“

In der vergangenen Saison hat es dem Gegner meist gereicht, eine Standardsituation in der Union-Hälfte zugesprochen zu bekommen, um ein Tor zu erzielen. Diese Szenen hat der Trainer den Zugängen vorenthalten, der Blick geht nach vorne. „Ein, zwei Sachen machen wir jetzt anders“, versichert Kessel. Auch die Frage, wer hinter ihm zwischen den Pfosten stehen wird, ist nun beantwortet. Daniel Haas bleibt die Nummer eins. „Das Gesamtpaket“ habe nach der Analyse vielfältiger Bereiche den Ausschlag gegeben, erklärt Düwel.

Nach dieser für Mohamed Amsif bitteren Nachricht, hat er noch einen Spaß auf Lager: „Ich habe überlegt, ob wir einen Integrationsbeauftragten installieren“, sagt der Trainer. Neun Neue, und nur Platz für 18 Fußballer im Kader. Aber hey: „Es ist ein Miteinander, das gut funktioniert.“ Es kann losgehen, und Düsseldorf ist der perfekte Gegner für den Start. „Sie sind sehr spielstark. Das ermöglicht uns mehr, die fußballerische Komponente einzubringen“, sagt Düwel.

Ach ja, es fehlt noch Kessels Plan A: „Wenn wir mit einem Sieg starten, kommt noch mal ein Schub Selbstvertrauen.“