Die medizinische Abteilung des 1. FC Union reicht ihren Rücktritt nicht ein. Denn sie trifft keine Schuld daran, dass beim 2:2 (1:0) gegen Greuther Fürth zwei Punkte verloren wurden. Das muss erwähnt werden in diesen Tagen, in denen der deutsche Fußballprimus aus München die Mediziner offiziell als dritte Schuldquelle im Fußball eingeführt hat – neben Pech und Schiedsrichtern.

Mit seinem Führungstor hatte Maximilian Thiel die für Gesundheit und Fitness zuständigen Mitarbeiter aber schon früh von aller Mitverantwortung frei gesprochen und Hendrik Schreiber nach acht Minuten innig in die Arme geschlossen.

Thiel wieder topfit

Schreiber ist Physiotherapeut, und er war in den vergangenen drei Monaten Thiels wichtigste Bezugsperson. Seit der Schulterverletzung im Januar verbrachte der Mittelfeldspieler Tag für Tag mit ihm. „Die medizinische Abteilung hat in den vergangenen Wochen einen super Job gemacht“, sagte Thiel nach dem Schlusspfiff. „Ich bin topfit.“

Auf den Tag vier Monate waren seit seinem letzten Einsatz vergangen, und dennoch hatte Norbert Düwel den 22-Jährigen sofort wieder von Beginn an auf die linke Seite beordert. Dort ersetzte er die fehlende Spielpraxis durch ungebremste Genesungseuphorie. Nach einem Einwurf schickte Sebastian Polter den Ball von der Grundlinie zurück auf den Kopf von Damir Kreilach, der für den Rückkehrer prallen ließ.

Die herzliche Umarmung mit Schreiber, die dann an der Seitenlinie folgte, war ausgemacht gewesen. Das Selbstbewusstsein ist in der langen Verletzungspause nicht gebrochen. „Maxi ist unbekümmert und denkt nicht viel nach“, lobte Polter später. „Wie wichtig er für unser Spiel ist, haben wir auch gesehen in der Zeit, in der wir ihn vermisst haben“, sagte Düwel.

"Aus der Bahn geworfen"

Thiel war einer von fünf Neuen in der Startelf. Die Fürther Gastgeber probierten es hingegen mit zwei Schornsteinfegern, die den Heimspielern vor Anpfiff die Hände schüttelten. Doch hätten sie besser die Fußballerbeine streicheln sollen. Sobald die Fürther nämlich den Ausgleich auf dem Fuß hatten, fehlte es abwechselnd an Glück und Geschick. In der 20. Minute rettete für Union die Latte, in der 41. Minute Daniel Haas mit einem guten Reflex. Die Berliner formierten sich über weite Phasen der ersten Halbzeit als Prellwand. Mehr als die Hälfte der Pässe landete beim Gegner, die Zweikampfquote war noch schwächer.

„Fürth hat gut nach vorne verteidigt“, sagte Düwel. „Das hat uns aber nicht aus der Bahn geworfen“. Allerdings war es allein der energischen Körperarbeit von Polter zu verdanken, dass die Eisernen nach einer halben Stunde das 2:0 hätten erzielen können. Polters Vorlage konnte Martin Kobylanski aber nicht verwerten.

Respektvoller Abstand

Neben Kleeblatt im Wappen und Schornsteinfeger am Spielfeldrand brauchte Fürth noch einen dritten Glücksbringer, um eine der zahlreichen Möglichkeiten in ein Tor zu verwandeln: Roberto Puncec. Der Innenverteidiger, auch einer der fünf Neuen, geleitete Greuther-Stürmer Sebastian Freis in respektvollem Abstand durch den Strafraum. Die Konsequenz der Zurückhaltung war der Ausgleich (50.). Nach einer weiteren Unsicherheit nahm Düwel den Abwehrmann vom Platz, die anderen Fürther Chancen verpufften daraufhin.

Stattdessen leitete Parensen den Eckball von Fabian Schönheim ins kurze Eck (79.). „Mit 88 Minuten bin ich zufrieden“, zog Düwel hernach Bilanz. „Aber in den letzten fünf Minuten haben wir Fehler gemacht, die ich auf dem Niveau nicht machen darf.“ Der sicher geglaubte Sieg ging in der 89. Minute verloren, weil die Abwehr dem eingewechselten Johannes Wurtz Spalier stand. Die medizinische Abteilung wollte jedoch niemand dafür verantwortlich machen. „Die hat sich ein riesen Lob verdient“, sagte Thiel. Die Mediziner und Physiotherapeuten werden also weiter machen.

Das gilt allem offiziellen Bekungen nach auch für den Trainer. Vor der Partie war bekannt geworden, dass Hannover 96 mit dem Gedanken spiele, den 47-Jährigen zurückzuholen. „Ich habe Vertrag hier“, sagte Düwel und der kaufmännisch-organisatorische Leiter Nico Schäfer betonte, dass es bei Union keine Ausstiegsklauseln gebe.