1. FC Union Berlin gegen TSV 1860 München: Starke Unioner spielen sich weiter Richtung Bundesliga

Berlin - Nach einer Stunde war dieses äußerst unterhaltsame Fußballspiel entschieden; nach einem Spielzug, der für Unions Trainer Jens Keller ein Genuss gewesen sein muss.

Ballverlust, na und, weil der Ball ja postwendend unmittelbar vor dem Strafraum des TSV 1860 München zurückerobert werden konnte. Durch Felix Kroos, der ganz schnell eine Idee für die Situation entwickelt hatte, auf Damir Kreilach passte, der wiederum direkt in den Lauf von Sebastian Polter spielte.

Auf den Stürmer, der ja tatsächlich die Qualität dieser Mannschaft gesteigert hat, und dank seiner Klasse eben nicht überhastet abschloss, sondern  auf den mitgelaufenen Simon Hedlund querlegte. Wenige Sekunden später fanden sich die Köpenicker zum Jubel über dieses 2:0 vor der Gegengerade  wieder.

Im Austausch mit den Fans, für die der Traum vom Aufstieg immer näher rückt. Mit einem nüchternen Blick auf die Tabelle, welche die Köpenicker nun  punktgleich mit dem Zweiten Hannover 96 ausweist, aber eben auch mit dem Eindruck, den sie von dieser bundesligareifen Leistung gewonnen haben dürften.

Keller blieb nur eine Option nach dem Spiel, das Schwärmen. Er sagte: „Ich bin stolz auf die Mannschaft, wie sie das heute umgesetzt hat, unsere taktische Umstellung, das ist schon beeindruckend. Respekt davor. Die Mannschaft hat enormes Potenzial. Und das schöpft sie momentan schon ziemlich gut aus.“

Mit welchem Selbstverständnis die Eisernen in diesen Tagen zu Werke gehen, war im Besonderen in der Anfangsviertelstunde zu beobachten. Munter wurde da nämlich erst einmal im Mittelfeld Fußball geflippert statt gespielt, immer wieder verfing sich der Ball zwischen den Beinen der Akteure, musste krampfhaft wieder befreit werden, wobei sich die Sechziger auf dem vom Spätwinterregen aufgeweichtem Rasen schon etwas geschickter anstellten als die Elf von Jens Keller.

Diese allerdings reagierte nicht mit einer gesteigerten Nervosität auf diese wilde Eröffnung, nein, die Unioner fanden über zwei, drei effektvolle Aktionen von Sebastian Polter und Simon Hedlund allmählich ihren Rhythmus. Was Vitor Pereira, den Trainer der Löwen, dazu veranlasste, sich erst mal von seiner Daunenjacke zu befreien.

Wild mit den Armen fuchtelnd versuchte der Portugiese seine Mannschaft auf all die falschen Abstände und Laufwege im weiß-blauen Abwehrverbund hinzuweisen, allein es nutzte nichts. So war Hedlund in der 12. Minute nach einem geschickten Block, mit dem Polter einen Abwehrspieler aus der Aktion genommen hatte, dem Führungstreffer als Erster ziemlich nahe, er scheiterte allerdings an Keeper Stefan Ortega, der sich  mit Mumm entgegengeworfen hatte.

Union kann Ergebnisse erzwingen

Die Mannschaft der Stunde in der Zweiten Liga ist aber, und das ist der große Unterschied zu den vergangenen Jahren, inzwischen in der Lage, Ergebnisse zu erzwingen. Dank eines gereiften Steven Skrzybski zum Beispiel, der in der 41. Minute nach einer Flanke von Trimmel und einem vergeblichen Versuch von Michael Parensen  den Abpraller mit Bedacht verarbeitete und per Innenrist in die richtige Richtung drückte. Es war das achte Saisontor des Eigengewächses.

Pereira suchte den Kontakt zur Ersatzbank, um mit seinem Unverständnis nach Gleichgesinnten zu suchen. Keller blieb relativ gefasst, so gefasst wie man eben bleiben kann, wenn zwischen Matchplan und Praxistest kein großer Unterschied auszumachen ist.

Einmal mehr konnte sich sein Team also das Prädikat gut erarbeiten, was die Anhänger schon zur Pause mit entsprechendem Applaus honorierten.  Mehr als ein gut verdiente sich gleichwohl die Offensivreihe der Köpenicker, Hedlund, Polter, Skrzybski, die mit ihrem Tempo und ihrer Durchschlagskraft Pereiras taktischen Ansatz mit einer defensiven Dreierkette wiederholt infrage stellten. Immer wieder zogen sie Fouls, versetzten die Münchner in eine panische Rückwärtsbewegung.

So hätte Polter allemal einen Treffer, aber auch einen Elfmeter verdient gehabt, als Sebastian Boenisch ihn zehn Minuten vor Spielende im Strafraum zu Fall brachte. So wurden Hedlund und Skrzybski bei ihren Auswechslungen verdientermaßen stehend mit Ovationen bedacht. „Rechte Offensive macht ein Tor, linke Offensive macht ein Tor, und Polter legt ein Tor auf. Das ist schon klasse“, sagte Keller.