Womöglich war dieses Zweitligaspiel gestern Abend in der Münchner Arena das facettenreichste in dieser freilich noch sehr jungen Saison. Dieses wirklich sehr unterhaltsame Zweitligaspiel zwischen dem TSV 1860 München, dem Gastgeber, und dem 1. FC Union, dessen Profis nach dem Schlusspfiff vor ihren etwa 600 mitgereisten Fans einen etwas glücklichen, aber nicht unverdienten 2:1-Sieg besangen und betanzten. Schade nur, dass noch nicht einmal 20.000 Zuschauer den Weg hinaus in den Norden der bayerischen Landeshauptstadt gefunden hatten und der Rahmen für diese bunte Partie aufgrund der unvorteilhaften Sitzschalenfarbe dann doch sehr grau war.

Den Köpenickern, die nach einer Gelb-Roten Karte gegen Fabian Schönheim ab der 53. Minute ihren Vorsprung in Unterzahl zu verteidigen hatten, war das natürlich total egal, mit acht Punkten nach fünf Spielen fanden sie sich am Abend plötzlich auf Platz drei der Tabelle wieder, allerdings mit der Aussicht schon heute bei einem Sieg der Heidenheimer gegen Fortuna Düsseldorf von ebendiesen verdrängt werden zu können.

Unions Cheftrainer Jens Keller: "Ich bin unheimlich stolz auf meine Mannschaft"

„Ich bin unheimlich stolz auf meine Mannschaft. Letzte Woche haben wir ein überragendes Spiel abgeliefert, heute hat die Mannschaft gezeigt, welche anderen Facetten unser Team noch hat. Wir haben uns in Unterzahl in jeden Ball reingeschmissen und gut verteidigt. Die Mannschaft hat unglaubliche Moral bewiesen. Ich bin stolz diese Mannschaft zu trainieren“, sagte Unions Cheftrainer Jens Keller − auf dessen Wirken man gleich mal näher eingehen sollte, denn im Endeffekt war mit seinen taktischen Maßnahmen der Matchwinner.

Selten jedenfalls hat in der Zweitligageschichte der Eisernen ein personeller Schachzug so augenfällig Wirkung gezeigt wie die Nominierung von Kenny Prince Redondo als linker Flügelspieler in einem mutigen 4-3-3. Ja, mit der Hereinnahme des wendigen, für Zweitligaverhältnisse extrem antrittsschnellen Redondo hatte es Keller eindeutig auf Münchens Rechtsverteidiger Fanol Perdedaj abgesehen. Auf den ehemaligen Profi von Hertha BSC, der vom Anpfiff weg tatsächlich von einer Verlegenheit in die nächste stürzte. Und nach nur fünf Minuten hieß es 1:0 für Union: Redondo entwischte Perdedaj, schoss von halblinker Position, Münchens Keeper Jan Zimmermann parierte zur Seite, allerdings genau in den Lauf von Steven Skrzybski, der nun schon vier Saisontore vorzuweisen hat.

Allerdings kam im Anschluss an die Führung der Berliner auch die neu gewonnene Klasse der Löwen zum Tragen. Ivica Olic zum Beispiel bewies, dass er auch als 37-Jähriger für einen Zweitligisten noch ein größer Gewinn sein kann. Auch die Qualität von Karim Matmour kam zum Tragen.

Jedenfalls erarbeiteten sich die Gastgeber einige ganz gute Gelegenheiten, unter anderem einen Freistoß an der Strafraumgrenze, der von Daniel Adlung geschossen und von Collin Quaner mit der Hand abgewehrt wurde. Referee Florian Heft zeigte folgerichtig auf den Elfmeterpunkt und hielt sich dabei den meckernden Fabian Schönheim auch noch mit einer Gelben Karte vom Leib. Mit Spätfolgen für Schönheim, der beim von Michael Liendl verwandelten Strafstoß immer noch ungläubig mit dem Kopf schüttelte (25.).

Dass Erstaunliche an diesem Abend war, dass sich die Elf von Jens Keller durch den Rückschlag nicht vom Weg abbringen ließ. Mit einer guten Balance zwischen Kommenlassen und Pressing fand sie wieder ins Spiel zurück und nutzte eiskalt ihre Chance zur Führung. Redondo, der in der 37. Minute mit seinem Lupfer nur den Querbalken getroffen hatte, spurtete in einen laschen Rückpass von Milos Degenek und überwand Zimmermann.

Nach dem Platzverweis von Schönheim, der nach einem Foul an Sascha Mölders seine zweite Gelbe Karte sah, entwickelte sich ein Kampfspiel, weil der 1. FC Union fortan natürlich nicht mehr so leicht seine spielerische Linie verfolgen konnte und weil 1860 nicht mit Vernunft, sondern mit Wut auf den Ausgleich drängte. Maximilian Witteks Pfostenschuss blieb dabei in Erinnerung und eine Chance von Matmour in der 75. Minute. Wobei nicht unerwähnt bleiben darf, dass Quaner in der Schlussphase noch zwei prächtige Chancen zum 3:1 vergab. (BLZ)