Berlin - Zehn Tage noch, dann steigt das Fußball-Highlight des Jahres in der Stadt. Ganz Fußball-Deutschland wird auf dieses Spiel schauen, wenn es am 2. November (18.30 Uhr) zum ersten Derby im Oberhaus seit der Wiedervereinigung kommt, wenn der 1. FC Union den Stadtrivalen Hertha BSC im Stadion an der Alten Försterei empfängt.

Ein Spiel, das seit Wochen ausverkauft ist. Karten gibt es nicht mehr. Auch bei Union nicht. Warum das so ist? Für die Beantwortung dieser Frage hilft ein kleines Rechenbeispiel: Die Alte Försterei bietet Platz für genau 22.012 Personen. Die Eisernen haben in dieser Saison 11.500 Dauerkarten an den Fan gebracht. Weitere 2400 Tickets gehen an die Gäste aus Charlottenburg.

Ticket-Kontingent für Vereinsmitglieder

Da Union noch rund 2 000 Karten an Sponsoren, VIPs, Ehrengäste und Beobachter verteilt, kommt man zu dem Schluss, dass rund 6 000 übrigbleiben. Aber auch diese gelangten nicht in den freien Verkauf, sondern wurden – wie bei den Herthanern – in einem Losverfahren an diejenigen Union-Mitglieder vergeben, die nicht bereits im Besitz einer Dauerkarte sind. Bei einer Mitgliederzahl von 32.374 (Stand: 30. September 2019) und abzüglich der Dauerkarteninhaber besteht also eine Chance von immerhin 1 zu 3,4, bei der Ticketlotterie erfolgreich zu sein. Alles aber unter der Voraussetzung, dass man Vereinsmitglied bei den Eisernen aus Köpenick ist. Das kostet im Monat übrigens zehn Euro.

Für diejenigen Fans, die bei der Verlosung leer ausgingen, bietet der „Ticket-Zweitmarkt“ im Online-Fanshop „union-zeughaus.de“ eine weitere – zumindest kleine – Möglichkeit, an eines der begehrten Tickets zu kommen. Denn dort können Unioner, die ihr Dauer- oder Tagesticket nicht nutzen, dieses an andere Interessierte verkaufen. Viel Bewegung gibt es auf diesem Zweitmarkt allerdings nicht. Dem Besucher der entsprechenden Internetseite wird seit dem 21. September der Satz „Derzeit stehen keine Tickets zur Verfügung“ angezeigt.

„Mondpreise“ bei Ebay

Manch einer der nicht vom Losglück Verfolgten versucht sein Glück auch im Unionforum im Internet. Das tun allerdings weniger, als man vermuten würde. Der Union-Fan weiß offenbar, dass die Aussichten auf ein Ticket auch hier verschwindend gering sind – jedenfalls wenn man nicht bereit ist „Mondpreise“ zu bezahlen. Anscheinend werden ab und zu durchaus Tickets zu solchen angeboten. Anders sind Foreneinträge wie „Sollen den Leuten die welche (Tickets d. R.) für vierstellige Preise anbieten doch die Hände abfallen“.
Weitaus häufiger werden Kartensuchende aber überhaupt keiner Antwort für würdig erachtet – oder ein „Du nervst und schneller bekommste dadurch auch keine (Karte)“ begräbt schnell auch die letzten Hoffnungen.

Natürlich besteht die Möglichkeit, es auf Ticketbörsen im Internet oder bei Ebay & Co. zu versuchen. Zehn Tage vor dem Spiel werden etwa ein halbes Dutzend Karten auf Ebay angeboten. Da muss man natürlich etwas tiefer in die Tasche greifen. Gegenwärtig liegen die Gebote zwischen 120 und 250 Euro, was bei weitem noch nicht das Ende bedeuten dürfte.

Realistisch gesehen, sind die Chancen auf ein Ticket also eher gering, oder es wird sehr teuer. Außerdem riskiert man, dass man trotz erworbener Eintrittskarten nicht ins Stadion gelassen wird. Der Weiterverkauf an Dritte zu überhöhten Preisen ist nämlich untersagt. Union geht konsequent gegen Schwarzmarkthändler vor.

Entspannung erst mit Stadion-Umbau erwartet

Es bleibt dabei, die Nachfrage ist riesig und die Kapazitäten sind begrenzt. Und die Lage auf dem Ticketmarkt wird sich wohl erst dann entspannen, wenn der geplante Stadionausbau von 22.012 auf mehr als 37.000 Plätze vollendet sein wird. Allerdings werden diese Baumaßnahmen nach jetzigen Planungen nicht vor dem Sommer 2020 beginnen. In dieser ersten Bundesligasaison wird es also für viele Union-Fans bei Heimspielen in der Alten Försterei heißen: Wir müssen heute leider draußen bleiben.