1. FC Union Berlin: Leere im Mittelfeld

Norbert Düwel kratzte sich am Kopf. War das jetzt Glück gewesen oder ausgleichende Gerechtigkeit? Hatte sich seine Mannschaft diesen Elfmeter in der 83. Minute wirklich verdient?

Steven Skrzybski hatte den Kontakt mit dem Verteidiger geschickt gesucht und Sebastian Polter den Strafstoß verwandelt. Der Trainer des 1. FC Union stand nach dem Schlusspfiff unentschlossen an der Seitenlinie. Ein Schritt vor, einer zurück, eine Drehung im Kreis, dann war er auf die entsprechende Frage vorbereitet. „Es ist ein Punkt“, sagte Düwel. So kurz und knapp muss man das wohl sehen. Denn die Leistung, die zum 1:1 (0:0) gegen den VfR Aalen geführt hat, hätte durchaus mit einer Niederlage bestraft werden können.

„Wir wollten endlich mal von Anfang bis Ende ein gutes Spiel machen“, sagte Skrzybski. Das Vorhaben misslang gründlich. „Spielerisch waren wir weit weit weg, von dem was wir können“, kritisierte der Trainer. Um sein langfristiges Ziel zu erreichen, ist noch Arbeit von Nöten. „Technisch versiert und taktisch flexibel war das nicht“, sagte der 47-Jährige.

Gegen den Tabellenletzten aus Aalen hatte er seine Mannschaft in der gleichen Formation auflaufen lassen, die vergangene Woche in Sandhausen in der zweiten Hälfte so überzeugend kombiniert hatte. Das Mittelfeld war erneut sehr jung besetzt, mit Steven Skrzybski, 22, und Valmir Sulejmani, 19, auf den Außen sowie Eroll Zejnullahu, 20, und Björn Jopek, 21, vor der Abwehr.

Ungeduldig und lauffaul

Das Defensivduo hatte von Beginn an große Mühe, dem Druck der Gäste standzuhalten. Zejnullahu und Jopek agierten ungeduldig und versuchten zu schnell den Pass in die Tiefe zu spielen. Ihre alleinige Schuld war das allerdings nicht. Ihnen fehlten die Anspielstationen. „Wir waren lauffaul und haben die Räume nicht geöffnet, um den Spielern hinten das Herausspielen zu ermöglichen“, ärgerte sich Düwel.

Die Dreierkette mit den beiden vorgeschalteten Jungspielern sollte eigentlich die Offensive stärken und Damir Kreilach ermöglichen, seine Offensivqualitäten auszuspielen. Richtig gefährlich wurde es aber nur, als Bajram Nebihi auf Skrzybski durchsteckte (23.) und als sich Sulejmani aus der Distanz versuchte. Nach der Pause prüfte Kreilach die Paradefähigkeit des Schlussmanns Daniel Bernhardt. Aber der hat die beste Fangquote der Liga. „Wir haben Union den Spaß genommen“, freute sich Gästetrainer Stefan Ruthenbeck hernach über das gelungene Pressing seines Teams.

Am größten war Ruthenbecks Freude, als Jürgen Gjasula in der 71. Minute durch die Leere im Berliner Mittelfeld dribbelte. Am Ende des Spaziergangs stand Collin Quaner, der zum 1:0 traf. „Aalen ist nicht aufgetreten wie ein Tabellenletzter, eine sehr spiel-, kampf- und laufstarke Mannschaft“, befand Düwel. Erst nach dem Rückstand lebte Union auf. Vor allem Skrzybski, dessen Bemühen belohnt wurde, als er im Duell mit Oliver Barth einen Satz durch die Luft machte. „Er trifft mich“, sagte Skrzybski. „Da muss er mit einem Elfmeterpfiff rechnen.“

Letztlich war jedoch ein bisschen Glück dabei, wie Kreilach gestand, dass Union im siebten Heimspiel in Serie ungeschlagen blieb. Und ja, es war ein Punkt. Um in der Tabelle nach oben zu klettern, ist das zu wenig. Die Zielsetzung für die Partie gegen Fürth, das nächste Aufeinandertreffen mit einem Abstiegskandidaten, ist nun eine andere. „Wir wollen nicht die Mannschaft sein, die den Teams hinten hilft, nicht abzusteigen“, sagte Skrzybski.