1. FC Union Berlin siegt gegen Karlsruhe mit 2:1: Punkte statt Champagner-Fußball

Karlsruhe - Der Fischstand vor dem Karlsruher Stadion im Wildpark verspricht Gourmet-Kost: Garnelen mit Knoblauch zum Beispiel, die Schlangen vor diesem Versprechen sind größer als bei den zahlreichen Bratwurstständen. Champagner-Fußball aber erwartet beim KSC schon lange niemand mehr, in dieser Saison geht es für die Badener mal wieder nur ums nackte Überleben.

Union Berlin gewann am Sonntag mit 2:1 (2:0).  Der Absturz des KSC auf Relegationsplatz 16 konnte nur aufgrund des späten Ausgleichs von Bielefeld gegen St. Pauli verhindert werden. Die Berliner hingegen sprangen auf Rang drei, der am Ende zu den Relegationsspielen mit dem Drittletzten der Bundesliga um den Aufstieg berechtigen würde. „Wir schauen gerne auf die Tabelle“, gab dann auch Union-Trainer Jens Keller zu. Keller feierte erstmals vor dem Auswärtsblock nach dem Abpfiff mit den Fans. „Weil mir danach war“, gab Keller nur kurz angebunden Auskunft über sein Gefühlsleben.

Abschlussschwäche des KSC

Es hatte ja lange nach einem souveränen Erfolg des Favoriten ausgesehen. Früh hatte der sehr gute Simon Hedlund einen Foulelfmeter verwandelt (5., David Kinsombi hatte Sebastian Polter umgerissen). Und Kinsombi lenkte den Ball dann nach einer Hereingabe von Hedlund und bedrängt von Polter zum 0:2 noch vor dem Pausenpfiff ins eigene Tor (37.).

Doch die klare Führung beruhigte das Berliner Spiel nicht, der KSC war immer wieder gefährlich, konnte aber seine Abschlussschwäche nicht verstecken. Stefan Mugosa traf nur den Pfosten (8.) und Moritz Stoppelkamp nur die Latte (53.).
Es war schließlich ein vom guten Toni Leistner verschuldeter Foulelfmeter, der Karlsruhe noch einmal ins Spiel brachte. Der nach seiner Sperre für Emanuel Pogatetz wieder eingesetzte Leistner trat Mugosa unbeholfen um - Stoppelkamp verwandelte den Strafstoß (77.). „In der Szene stelle ich mich selten dämlich an“, gab Leistner hinterher ehrlich zu.
Mit Glück überstand Union die Schlussphase, fast hätte der in der Nachspielzeit noch mit Gelb-Roter Karte vom Platz geflogene Franck Kom den Ausgleich für den KSC erzielt - aber sein Kopfball ging knapp am Tor vorbei (90.). „Das war nicht unser schönstes Spiel“, analysierte Leistner. Aber er wusste auch, was wirklich zählt, wenn die Spiele in einer Saison immer weniger werden: „Ein Sieg ist wichtiger als schön zu spielen.“

Fehlendes Tempo bei den Berlinern

Der Erfolg der Berliner in Karlsruhe kam nicht glänzend zustande. Aber Union zeigte eine Eigenschaft, die Spitzenmannschaften auszeichnet: Effizienz. Und noch eine Facette am Spiel seiner Elf hatte Trainer Keller gefallen: „Die Mannschaft hat gefightet und gearbeitet.“ Das und die Abschlussschwäche des KSC kaschierten das oft fehlende Tempo im Spiel der Berliner.

Neben Hedlund bester Akteur aufseiten der Eisernen war der junge Eroll Zejnullahu. Er leitete mit einem gescheiten Pass die Führung ein und war der Aktivposten eines ansonsten zu passiven Berliner Mittelfeldes. Der 22-Jährige, der für den gesperrten Felix Kroos zum Einsatz gekommen war, überzeugte auch seinen Trainer mit dem couragierten Auftritt. „Ich bin mit der Leistung von Eroll zufrieden, auch wenn er gegen den Ball in der ersten Halbzeit manchmal zu sorglos war“, sagte Keller und fügte hinzu: „Er hat uns in der zweiten Hälfte oft den Druck genommen durch seine Läufe in die Tiefe.“

Das stimmt, und eigentlich hätte Schiedsrichter Thorben Siewer nach 66 Minuten ein zweites Mal auf Elfmeter für Union entscheiden müssen: Nach Flanke von Zejnullahu brachte Jordi Figueras Steven Skrzybski vor dem Schuss zu Fall - da blieb der Pfiff aber aus.

Vor den beiden Heimspielen gegen 1860 München und Würzburg hofft Trainer Keller wieder auf eine Steigerung. Er verspricht den geerdeten Weg weiterzugehen. Das Spiel in Karlsruhe habe seiner Mannschaft vor Augen geführt, dass sie eben nur dann eine Top-Mannschaft sei, wenn sie alle ihre Prinzipien abrufe. Wenn das mal nicht gelingt, wie am Sonntag in Karlsruhe, gewinnt Union aktuell aber auch. Lieber Punkte statt Champagner-Fußball - beim KSC hat das für Union geklappt.