Von Fußballprofis heißt es ja, sie sollen Vorbild sein, auf dem Platz und abseits davon. Auf dem Platz kann Simon Hedlund seine Vorbildfunktion als Profi des 1. FC Union frühestens heute Abend um 19.30 Uhr im Testspiel beim FSV Luckenwalde wahrnehmen, wobei die Berliner kurzfristig entscheiden wollen, ob er aufläuft. Abseits des Platzes hat Hedlund erste Gelegenheiten genutzt, sich tadellos zu benehmen. Gestern zum Beispiel erschien der schwedische Offensivspieler nicht nur pünktlich zu einem anberaumten Termin, sondern gab jedem seiner Gesprächspartner die Hand. Das wiederholte er dann zum Abschied.

Dazwischen hat der 23 Jahre alte und 1,75 Meter große Profi alle Fragen artig beantwortet, auch die, bei denen der Mitarbeiter der Presseabteilung die Augen verdrehte oder darauf hinwies, dass Hedlund jetzt nicht auf alles antworten müsse. Auf diese Weise wurde bekannt, dass seine Freundin Sandra heißt, 22 Jahre alt ist, nach dem Antrittsbesuch in Berlin nun nach Schweden zurückkehrt, um wiederzukommen, wenn Hedlund aus seinem Köpenicker Hotel in eine Wohnung umgezogen ist.

Natürlich hat Hedlund auch Sachen über seinen neuen Klub erzählt, die immer nach Vorsehung klingen und einen Tag nach Ankunft beim neuen Arbeitgeber zum guten Ton gehören. Doch neben Sätzen wie „Ich möchte mich als Persönlichkeit und Fußballprofi weiterentwickeln, dafür ist Union der richtige Verein“ klang manches, als sei sein Wechsel vom IF Elfsborg Boras aus Schwedens erster Liga in die zweite Bundesliga wirklich vorbestimmt.

Mit Mattuschkas 17

Da gab es nämlich einen Besuch im vorigen November. Elfsborg macht ja nach der Saison, die vom März bis in den Herbst hinein geht, stets einen Ausflug, bei dem die Mannschaftskasse auf den Kopf gehauen wird. Es verschlug sie diesmal nach Berlin. „Sechs, sieben meiner Teamkollegen und ich sind zu einem Spiel von Union gegangen.“ Sie kauften Bier, setzten sich auf die Tribüne und verfolgten die Partie. Es war kalt, der Gegner hieß Bielefeld und es ging 1:1 aus, aber es hat Hedlund trotzdem gefallen. An die Fan-Gesänge erinnert er sich gern.

„Ich hoffe, dass hier auch mal mein Name gesungen wird“, hat Hedlund gesagt. Da ging es gerade um die 17. „Fünf Trikotnummern standen zur Auswahl“, hat er erzählt. „Die 17 ist die Lieblingszahl meines Agenten.“ Und so hat Hedlund nun jene Nummer, die einst Torsten Mattuschka trug, den sie an der Alten Försterei verehrten. Und der, wie Hedlund nun im Gespräch erfuhr, beim Freistoß einen ordentlichen Bums hat.

Unions Rekordtransfer

Hedlund selbst ist sehr flink, seine Lieblingsposition Linksaußen, „obwohl ich auch rechts spiele, wenn der Trainer das will“. 17 von bisher 20 Partien in Schwedens erster Liga hat er bestritten, fünf Tore erzielt. Bis zur Bilanz von Bobby Wood der Saison 2015/2016 bei Union ist noch Luft. Auf 17 Treffer kam der Stürmer. Dagegen steht es bei der Ablöse 850.000 zu 800.000 Euro, geschätzt für Hedlund. Er ist Unions Rekordtransfer.

Wood kam beim Hamburger SV unter. In der Bundesliga zu landen, könnte auch Hedlund gefallen, entweder durch einen Aufstieg, wie es sein Landsmann Emil Peter Forsberg mit RB Leipzig vormachte, oder durch einen Vereinswechsel. Forsberg ist übrigens schwedischer Nationalspieler. Auch das könnte ein Ziel von Hedlund sein. Zwei Einsätze mit der U21 hat er ja schon gehabt. Und seine Manieren sind sowieso nationalmannschaftsreif.