Berlin - Die Nachricht im Februar war ein Schock: Benjamin Köhler, 34, an Lymphdrüsenkrebs erkrankt. Schon bald kehrte er als Zuschauer ins Stadion des 1. FC Union zurück, obwohl ihm die Folgen der Chemotherapie anzusehen waren. Das Gesicht war eingefallen, die Silhouette schmal. Doch der Mittelfeldspieler trat mutig in die Öffentlichkeit. Die Folge: Die Fans ließen sich als Stammzellenspender registrieren und spendeten Geld für die Sequenzierung der Proben.

Herr Köhler, wie geht es Ihnen?

Ich habe die letzten beiden Chemos besser vertragen, weil die Dosierung etwas runter geschraubt wurde. Klar, gibt es auch Nebenwirkungen, aber es geht mir gut.

Wie verläuft der Heilungsprozess?

Ich bin immer zwei, drei Tage in der Klinik für die Chemotherapie. Danach ist es immer ein paar Tage nicht so schön. Aber es ist nicht ganz so schlimm wie am Anfang. Manchmal ist mir ein bisschen schwindelig, aber alles in geringen Maßen. Natürlich kann ich mich nicht anstrengen, aber im Alltag habe ich keine Probleme. In der Halbzeit, nach der dritten Chemo, haben wir einen Test gemacht, da sah der Heilungsverlauf gut aus.

Was hat Sie dazu bewogen, sich früh in der Öffentlichkeit zu zeigen?

Warum soll ich mich verstecken, weil ich jetzt eine Glatze habe? Jeder weiß sowieso Bescheid, und ich habe schon früher eine Glatze getragen (lacht). Natürlich bleibe ich zu Hause, wenn es mir schlecht geht. Aber wenn es mir gut geht, macht es mir Spaß, ins Stadion zu gehen.

In unserer Gesellschaft ist es nicht üblich, Krankheiten zuzugeben und Schwächen zu zeigen. Da haben Sie ein Zeichen gesetzt.

Ich habe darüber nicht viel nachgedacht. Jeder macht das anders. Manche ergeben sich dem Krebs. Für mich war das der einzige Weg.

Sie haben fünf Therapiesitzungen hinter sich. Wie viele stehen noch an?

Eine letzte am 9. Juni. Das kann auch ein paar Tage früher oder später sein, weil es mit dem Krankenhauszimmer Probleme gibt.

Das heißt, Sie haben einen Termin, aber es ist kein Bett frei.

Es gibt nun mal auch andere Patienten. Da steht nicht immer fest, wie die Behandlung läuft.

Es heißt, dass man wahre Freunde in schweren Stunden erkennt. Wie war das bei Ihnen?

Ich komme aus Berlin und deswegen sehe ich meine Freunde fast jeden Tag. Vorher ist einem das nicht bewusst. Es ist normal, Alltag. Das sehe ich jetzt mit anderen Augen.

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