Im Einsatz gegen die Bayern: Felix Kroos erkämpft gegen Kingsley Coman den Ball.
Foto: dpa/Angelika Warmuth

Berlin-KöpenickGerade mal fünf Minuten war das Auswärtsspiel in Mainz alt, da wusste Robert Andrich: In zwei Wochen, wenn es gegen Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach geht, fehle ich. Der robuste Mittelfeldspieler des 1. FC Union traf Adam Szalai am Fußgelenk und sah dafür völlig zurecht die Gelbe Karte. Es war die fünfte in dieser Saison, die das Aussetzen für Samstagmittag (ab 15.30 Uhr) gegen Mönchengladbach bedeutet. Neben Andrich sahen erst zwei weitere Spieler – Klaus Gjasula vom SC Paderborn und Moussa Niakhaté vom FSV Mainz – so oft Gelb.

Der Ausfall des 25 Jahre alten Allrounders wiegt schwer. Das weiß auch sein neun Jahre älterer Nebenmann Christian Gentner. Andrich, der ja immerhin seine ersten Spiele im Fußball-Oberhaus bestreitet, habe einen großen Schritt nach vorn gemacht, befindet Gentner. Der frühere Heidenheimer sei körperlich auf einem guten Niveau, strahle viel Ruhe am Ball aus und sei technisch gut ausgebildet. Zudem, und das ist statistisch bewiesen, gehe Andrich viele Wege. Mit 130,4 Kilometern ist der Dauerbrenner, der alle elf Ligaspiele über die volle Distanz ging, drittbester Läufer der Bundesliga.

Urs Fischer fordert Mut

Andrich ist seit seinem Sommer-Wechsel im Köpenicker Mittelfeld zu einer festen Größe avanciert. Er kombiniert knallhartes Verteidigen mit spielerischen Elementen. „Wir müssen auch ohne ihn den Mut haben, etwas zu entwickeln, etwas mit dem Ball zu machen, aber auch zu verteidigen“, sagt Urs Fischer.

Eine entscheidende Frage, die der 53-jährige Trainer bis kurz vor Anpfiff beantwortet haben muss, wird sein: Welcher Eiserne macht den Andrich? Die Entscheidung fällt zwischen Felix Kroos, 28, und Manuel Schmiedebach, 30. Während Kroos eher für das Spielerische zuständig ist, ist Schmiedebach der rustikale Typ. Einen wie Andrich, der beide Elemente verinnerlicht, hat Union nur noch mit dem verletzten Grischa Prömel, der in diesem Jahr wegen Patellasehnenproblemen aber wohl kein Spiel mehr bestreiten wird. Gut möglich also, dass sogar beide – Kroos und Schmiedebach – Seite an Seite auflaufen. „Das ist eine Möglichkeit“, bestätigt Fischer.

Ich bereite mich jede Woche so vor, als würde ich spielen.

Felix Kroos

Schmiedebach – im Aufstiegsjahr noch mit 32 Spielen Hauptprotagonist – lehnte in den letzten Wochen sämtliche Medienanfragen ab. Er, der seinen dritten Startelfeinsatz erleben könnte, Pokal inklusive, wolle sich lieber aufs Wesentliche konzentrieren. Kroos dagegen gab kürzlich eines seiner seltenen Interviews. „Ich bereite mich jede Woche so vor, als würde ich spielen“, sagte der frühere Kapitän. Es bringe außerdem nichts, wegen fehlender Einsätze schlechte Laune zu verbreiten. „Ich will in der zweiten Reihe vorangehen. Der Trainer weiß, was er von mir bekommt und kann sich auf mich verlassen.“

Mit den Rot-Weißen peilt Kroos gegen die Fohlen den dritten Heimsieg in Folge an. Nach den Erfolgen gegen Freiburg (2:0), Hertha (1:0) und in Mainz (3:2) ist beim Aufsteiger von Understatement keine Spur. „Wir haben schon Respekt“, sagt Fischer, „aber sicher keine Angst.“

Sorgt in Mönchengladbach für gute Stimmung: Marcus Thuram präsentiert sich in Hochform.
Foto: Marius Becker

Dabei könnte der Gladbacher Höhenflug durchaus einschüchtern. Marcus Thuram, 22, Sohn von Frankreich-Legende Lilian, 47, ist beispielsweise mit fünf Toren und fünf Assists richtig heiß gelaufen. Neben ihm sind Alassane Plea (4 Treffer), Patrick Herrmann (4) und Breel Embolo (3) brandgefährlich. Zu den Gladbacher Stärken gehören vor allem Standards. Fünf Treffer fielen nach ruhenden Bällen. „Das hat eine Rolle gespielt in unserer Vorbereitung“, erzählt Fischer. „Du musst wachsam sein, darfst nie den Rücken zum Ball haben.“

Erinnerungen werden heute bei vielen Fans An der Alten Försterei sicherlich an den 6. Februar 2001 wach. Vor fast 19 Jahren zog man als Regionalligist vor heimischer Kulisse gegen Gladbach um deren heutigen Sportdirektor Max Eberl sensationell nach Elfmeterschießen ins Pokalendspiel ein. Fischer will davon aber nichts wissen: „Ich glaube nicht, dass die Jungs hören wollen, was vor 20 Jahren einmal war. Wir leben in der Gegenwart.“ Schließlich gibt es „genügend andere gute Argumente, um am Wochenende erfolgreich zu sein“.