1. FC Union Berlin trennt sich torlos vom MSV Duisburg:

Es ist zu befürchten, dass an der Alten Försterei am Sonnabend der 90-minütige Pilotfilm einer fünfteiligen Dramaserie zu begutachten war. „Wenn wir hinten immer die Null halten, bist du am Ende auch durch“, beschrieb einer der Hauptprotagonisten, Christopher Trimmel, im Groben die Handlung. Er ist sicher, dass die Geschichte nach dem Saisonfinale am 13. Mai im Rahmen einer neuen Staffel ab dem ersten Augustwochenende weitererzählt wird. Doch sind Zweifel angebracht, ob das vorgebrachte Skript (Abwehrschlacht) wirklich für eine Fortsetzung in Liga zwei reicht.

Das 0:0 des 1. FC Union gegen den MSV Duisburg hat sich am Wochenende in die aktuelle Zweitligamaxime gefügt: Bloß nicht verlieren! Sechs Unentschieden, dreimal torlos. Die Heidenheimer, als derzeitiger Relegationsplatzbesetzer unter Zugzwang, hatten es beim Tabellenzweiten tatsächlich auf einen Sieg angelegt − und wurden dafür bestraft. Bei fast allen anderen lautete das zufriedene Fazit hinterher: nichts passiert, weil nicht verloren.

Nur 15 Tore seit Hofschneider

Auch die Eisernen haben aufgrund der Heidenheimer Niederlage den Vorsprung geringfügig auf drei Zähler ausgebaut. „Das Positive ist, dass wir hinten zu null gespielt haben“, sagte ihr Trainer André Hofschneider. Die Freude über diesen Minimaltriumph erklärt sich aus der Tatsache, dass seiner Mannschaft dies erst zum zweiten Mal seit seiner Amtsübernahme gelungen ist. Dabei war es auch die Abwehrschwäche, die seinem Vorgänger Jens Keller (viermal zu null) angekreidet worden war. Für Hofschneider ist „die Null hinten die Basis für Erfolg“. Genau genommen ist sie jedoch lediglich die Grundlage, um Misserfolg zu verhindern.

Die Basis für Erfolg sind Tore, und von denen hat das Team nur 15 erzielt, seit Hofschneider übernommen hat. In 13 Spielen stand fünfmal die Null auf der falschen Seite. Die Sicherheit, dass die Angreifer den Ball in jeder Partie irgendwann in die Maschen hauen, ist dahin.

Seit Union mehr auf Ballbesitz als auf Balleroberung zur Chanceneröffnung setzt, klappt es nicht mehr so richtig. Das war auch gegen Duisburg zu sehen. Das geduldige Erspielen von Möglichkeiten ist nicht Unions Stärke. Zweimal wurde gut und schnell kombiniert, beide Male war Philipp Hosiner am richtigen Ort. Nur nicht erfolgreich.

Sebastian Polter fehlt schmerzlich im Team

Allerdings stand das defensive Mittelfeldduo Felix Kroos und Grischa Prömel in dieser Phase so weit weg vom eigenen Tor, dass die Gästen zweimal mit einfachen Doppelpässen zu Chancen kamen.

Steven Skrzybski belebte nach seiner verletzungsbedingten Ein-Spiel-Pause die Offensive. Als ihm in der zweiten Hälfte die Kräfte schwanden und die Duisburger noch konsequenter jegliche Angriffsbemühungen vermieden, war ein Distanzschuss von Trimmel jedoch die beste Gelegenheit. 60 Prozent Ballbesitz und kein Ertrag.

Natürlich fehlt der verletzte Sebastian Polter im System. „Es war eine andere Spielweise. Du konntest mehr hohe Bälle nach vorne spielen“, sagte Trimmel. „Er hat die Bälle festgemacht.“ Aber das allein ist es nicht. „Wir müssen die Jungs mehr füttern und einen Tick mehr Bälle hinter die Kette spielen“, fügte der Österreicher an. „Dann kann ich als Flügel in die Offensive mitgehen.“

Genügt das reine Verhindern?

Während Trimmel in seiner Paraderolle als rechter Flügel zwischen defensiver Härte und offensiver Stichelei gefiel, ließen viele seiner Kollegen den Mut für Dribblings auf engem Raum oder den Pass nach vorne vermissen. „Man hat bei dem einen oder anderen Spieler gemerkt, dass die letzten Wochen nicht spurlos an ihm vorbeigegangen sind. Es hat die Leichtigkeit gefehlt, in der einen oder anderen Situation das Risiko einzugehen“, erklärte Hofschneider, warum meist Sicherheitspässe angesagt waren.

Es könnte sein, dass das Verhindern von Gegentoren tatsächlich genügt, um die Klasse mit fünf weiteren Unentschieden zu halten. Mehr Durchschlagskraft wäre aber gut, um das Risiko eines schicksalhaften Serienfinals zu senken.