Am Tag nach einer Niederlage lohnt sich der Blick auf den Trainingsplatz. Hier üben dann diejenigen, die gar nicht oder nur kurz zum Einsatz gekommen sind. Es offenbart sich somit, wer in der nächsten Partie eine Alternative sein kann, für die unterlegenen, da fehlerbehafteten Kollegen. Im Falle des 1. FC Union offenbart sich am Montagmorgen aber ziemlich wenig.

Nur vier Feldspieler haben sich eingefunden; sie spurten unter Aufsicht des Assistenztrainers im Dreieck. Der Kader von Norbert Düwel ist arg dünn. Zumal Sören Brandy wegen der gegen RB Leipzig erlittenen Schulterverletzung wahrscheinlich mehrere Wochen ausfällt.

Während sich RB-Coach Achim Beierlorzer nach dem 3:2 aus seiner Sicht freute, dass die Zugänge Emil Forsberg und Omer Damari die Berliner Abwehr durcheinander gewirbelt hatten, gibt Düwel tags darauf zu, dass in seinem Kader derzeit der „Konkurrenzdruck nicht auf allen Positionen“ gegeben sei. „Da fehlt uns deutlich Qualität“, sagt er.

Union kann – und will – in der Winterpause nicht wie RB flugs einen schwedischen und einen israelischen Nationalstürmer verpflichten. Unions kaufmännischer Leiter Nico Schäfer pokert ungern mit, wenn Berater kurz vor Transferschluss die Preise in die Höhe treiben. Er plant lieber langfristig und setzt in Verhandlungen nicht nur auf Euronoten.

Gleiche Spieler, gleiche Fehler

Doch nach drei Winterabgängen und den langfristigen Ausfällen von Benjamin Köhler, Maximilian Thiel und jetzt Brandy, gehen Düwel die Gestaltungsmöglichkeiten aus. Plötzlich ist etwa Steven Skrzybski alternativlos. Für Leipzig wurde er fit gespritzt, durch Brandys Verletzung ist sein Stammplatz gesichert – zumindest so lange die Schmerzmittel wirken. „Wir haben einen kleinen, feinen Kader“, gibt sich Düwel als Optimist.

Eine Einsatzgarantie kann ja – siehe Torschütze Skrzybski – auch formsteigernd sein, und immerhin darf Björn Kopplin diese Woche nach überstandenem Infekt wieder Sport treiben. Doch das Beispiel Brandy verdeutlicht das Risiko eines kleinen Kaders: verletzt in der Vorbereitung, Rote Karte im Oktober, Erkältung im Dezember, Muskelzerrung im Februar, Schulter ausgekugelt im März. „Wir müssen uns in der nächsten Saison so aufstellen, dass wir diese Dinge besser kompensieren können“, sagt der Trainer.

Akut gilt es, ein Mittel gegen den „Tiefschlaf“ zu finden, in dem sich das Team laut Düwel auch gegen Leipzig anfangs befand. Wie gegen Nürnberg und Heidenheim geriet die Elf in den ersten fünf Minuten in Rückstand. Einzeln oder in Kleingruppen müssen die eingesetzten Fußballer daher am Montag zur Analyse vor den Trainer treten. „Wenn die Fehler immer wieder bei den gleichen Spielern vorkommen, ist das kein Zufall“, sagt Düwel. „Da müssen wir irgendwas verändern.“ Wen er damit meint, wird die Aufstellung gegen Kaiserslautern zeigen. Sofern er auf dem Trainingsplatz Alternativen findet.