München - In den frühen Morgenstunden saß André Hofschneider alleine in der Hotellobby. Bitter enttäuscht sei der Assistenztrainer des 1. FC Union gewesen, erzählt Christopher Quiring. Die für die Nachtruhe gewählte Herberge übertrug den in den USA ausgetragenen Boxkampf zwischen Floyd Mayweather und Manny Pacquiao nicht.

Die Spieler wie Quiring hatten ohnehin nächtliches Aufstehverbot. Das zahlte sich aus. Denn was Hofschneider einige Stunden später in der Fröttmaninger Fußballarena geboten bekam, war weitaus besser als das müde Klopfen zweier Boxer. Erstmals konnte Union eine Partie in München für sich entscheiden – und es war ein verdienter Erfolg, bei dem die Berliner nicht auf einen Punkteentscheid des Schiedsrichters angewiesen waren.

Das 3:0 (1:0) war ein klassischer K.-o.-Sieg. „Union hat die meiste Zeit mit uns Katz und Maus gespielt“, sagte ein mitgenommener Heim-Trainer nach der Partie. Den ersten Punch hatte Sebastian Polter dem Team von Torsten Fröhling schon in der 18. Minute versetzt – mit der Hacke. Die Vorarbeit hatte Quiring geliefert.

Immer wieder ließ der flinke Rechtsaußen, der im Wechsel von Damir Kreilach und dem offensiv wie defensiv schlagfertigen Björn Jopek in Szene gesetzt wurde, die Münchner so aussehen, als hätten die sich die Nacht mit nicht nur einem Boxkampf um die Ohren gehauen.

Unioner bestimmten das Spiel

Zwar hatten die Gastgeber zwei Drittel des Ballbesitzes und gewannen die Mehrzahl der Zweikämpfe. Trotzdem war Union das bestimmende Team. Gefährlich wurde es für die in zwei Viererreihen dicht gestaffelte Defensive in Halbzeit eins nur, als Union für wenige Minuten in Unterzahl spielen musste. Michael Parensen hatte aus einem Kopfballduell mit Rubin Okotie eine Platzwunde an der linken Schläfe davongetragen.

Während der Behandlungsphase kam Ilie Sanchez im Strafraum an den Ball, Jopek und Toni Leistner klärten im Verbund (36.). Parensen taumelte benommen zurück auf den Platz, musste diesen aber dann für Björn Jopek verlassen. „Micha hat eine große Schwellung und etwas Kopfsausen“, sagte Norbert Düwel später. Es war das einzig Negative, was er mitteilen musste. Souverän nutzte Union die Führung, um den Gegner zur Verzweiflung zu treiben.

„Hier ist es schwer, dominant zu spielen“, sagte Quiring. Gemeinsam mit seinen Kollegen ließ er es aber ganz leicht erscheinen. Polter und Kreilach hätten schon vor der Pause auf 2:0 erhöhen, Quiring einen Foulelfmeter zugesprochen bekommen können. Nach dem Seitenwechsel kam Polter bei Kontern im Minutentakt zu Möglichkeiten. Auch ihm wurde ein möglicher Elfmeter vorenthalten (51.). Nach einer Stunde hatten die Berliner ihr Ziel erreicht: Pfiffe der Heimfans gellten durch die leidlich gefüllte Arena.

Kurze Bedrängnis

Erst als es 1860 mit einem zweiten Stürmer versuchte, kam Union in Bedrängnis. Nach einem Freistoß traf zunächst Guillermo Vallori den Pfosten, dann prallte der Nachschuss von Gary Kagelmacher an die Latte. Nur eine Minute später klärte Leistner auf der Linie. Nun zeigte sich, was die Mannschaft von Norbert Düwel im Lauf dieser Saison gelernt hat: Die Eisernen ließen sich nicht beirren. Genau in dem Moment, als die drei Punkte wieder einmal zu entgleiten drohten, drückte Kreilach einen von Fabian Schönheim geschlagenen Freistoß über die Line (80.). München ging zu Boden. „Wir haben uns mit allen Mitteln reingeworfen und den absoluten Siegeswillen gezeigt, der uns in den letzten beiden Spielen noch gefehlt hat“, sagte Polter.

Der erste Sieg in München war besiegelt, der Abstieg ist endgültig verhindert. Beim 3:0 (89.) hatte Polter leichtes Spiel. Es war sein 13. Saisontreffer. „Chapeau, wir haben ein sehr gutes Auswärtsspiel hingelegt“, freute sich sein Trainer danach. Als Co-Trainer von Hannover 96 war Düwel hier in der Arena mal mit 0:7 unter die Räder gekommen.

Gegen den FC Bayern. Sein Assistent bei Union war nun weitaus glücklicher als Düwel damals. Er bekam sogar noch die Boxshow nachgeliefert. Das 1:0 hatte Polter mit ein paar angetäuschten Schlägen gefeiert. Normalerweise ist dies der Jubel, mit dem Martin Kobylanski virtuelle Tore auf der Spielekonsole feiert. Weil der nicht mitmischen durfte, widmete Polter seinem Kollegen den Treffer. Hofschneider sah es mit Freuden.