1. FC Union Berlin: Union-Ultras wollen mit allen Mitteln ins Trainingslager

Jetzt auch noch Freiheitsberaubung und Erpressung! Die Ultras des 1. FC Union sind zu allem bereit. Ein Foto auf Facebook zeigt die bittere Wahrheit. Das Opfer, Ritter Keule, lehnt an einer Wand, Beine und Arme gefesselt, der Mund zugeklebt. Die Täter sind anhand der Aufschrift leicht zu überführen. Es sind die HammerHearts, eine Unioner Ultra-Gruppe. Ihr Motiv: den Verein zur Herausgabe von Geheiminformationen zu zwingen. „Trainingslager. Wann? Wo? Wie teuer?“, hatten die Entführer auf ihr Banner geschrieben, das sie während der Partie gegen Frankfurt in die Höhe hielten. Im Internet dazu der drohende Aufruf: „Wenn ihr Ritter Keule lebend wiedersehen wollt, sendet den Aufenthaltsort an …“

Auch wenn es unter Juristen umstritten ist, ob Plüschfiguren – seien sie noch so menschen- oder ritterähnlich – eine Freiheit besitzen, derer sie beraubt werden können, hat sich die Berliner Zeitung am Tag der Menschenrechte um die Befreiung des entführten Kuschelmaskottchens bemüht und den Ort recherchiert: Das Team von Norbert Düwel fliegt Málaga an. Wann? Angepeilt ist die Zeit vom 19. bis 26. Januar. Auf Basis des Testspielkalenders ist eine kleine Terminkorrektur möglich: Die Bundesligisten aus Mainz und Freiburg sind ein paar Tage früher in der Gegend.

Keine organisierte Fanreise

Es geht 2015 also an die spanische Mittelmeer- und nicht an die Atlantikküste. Ein Union-Scout war am Mittwoch vor Ort, um die Bedingungen zu prüfen. Im Werbekatalog sieht schließlich jeder Rasen grün aus, aber ob er einen Zweitligisten aushält? Zwei andere Optionen fielen durch den eisernen Vor-Ort-Check – deshalb die Verzögerung im Lagerfindungsprozess.

Zudem hat sich der Flugsponsor in Luft aufgelöst. Trotz zeitraubender Suche wurde kein Ersatz gefunden. Auf die Frage „Wie teuer?“ wird es daher von Klubseite keine Antwort geben. Die Fans müssen Reisebüros aushorchen, denn das Pauschalangebot von Union und der gemeinsame Flug mit dem Team werden ohne Sponsor nicht angeboten. Sich individuell ins Teamhotel einzubuchen, soll jedoch möglich sein.

Denkbar, dass der Klub die genauen Daten und Koordinaten auf der heutigen Spieltagspressekonferenz verrät. Auf Mithilfe der Medien dürfen die Ultras dabei nicht hoffen. Wie üblich sind „Fragen nur zum Spiel!“ gestattet, und die werden dem Maskottchen nicht sein plüschiges Leben retten. Hinter der humorigen Entführung verbirgt sich ernst gemeinter Unmut. Offiziell steckt kein böser Wille hinter der späten Bekanntgabe. „Die bestmöglichen Bedingungen für das Team zu finden, dauert seine Zeit“, lautet die Erklärung aus der Pressestelle.

Vielleicht kommt es dennoch gelegen, wenn aufgrund der späten Verkündung nicht alle Reisewilligen rechtzeitig Urlaub beantragen und erschwingliche Flüge buchen können. Ruhe ist nicht das Schlechteste. Entführung ausgeschlossen. Aber Vorsicht: Union-Fans fliegen auch gestern, um heute vor Ort zu sein.