1. FC Union Berlin: Unions Heimserie hält - 2:2 gegen Ingolstadt

Berlin - Wenn Björn Jopek unzufrieden ist, zerrt er am Saum seines Trikots. Auf diese Weise hat er schon einige Spielmonturen des 1. FC Union im Bauchbereich ausgeleiert. Nach der Partie gegen Ingolstadt drohte das nächste Trikot in den Abfall wandern zu müssen. Doch Assistenztrainer Sebastian Bönig stürmte herbei, hob den Doppeltorschützen in die Höhe, und Jopek ließ ab von dem geschundenen Textil.

Enttäuscht waren sie alle, dass ihnen in der Schlussphase wieder ein Sieg durch die Lappen gegangen war. Doch konnte man freilich auch positive Schlüsse aus der Partie ziehen. „Wir haben als Mannschaft eine super Leistung gezeigt“, sagte Jopek, nachdem ihn Bönig wieder auf den Boden gestellt hatte.

Oft hat Union in dieser Saison den heimischen Zuschauern spielerisch wenig Ansehnliches geboten. Beim 2:2 (0:1) gegen den Tabellenführer aber zeigte sich, welche Fähigkeiten in dem Team von Norbert Düwel stecken. Insbesondere Jopek hat sich unter dem neuen Trainer schwergetan.

Auf sein beeindruckendes Profidebüt im Jahr 2012 folgten diverse Verletzungen. Jopek wanderte zwischen Reha, Bank und Spielfeld hin und her. „Ich habe mich daran gewöhnt, mal zu spielen und dann wieder auf der Bank zu sitzen“, sagte er. „Aber es ist schwierig, den Rhythmus zu finden.“ Gegen Ingolstadt ist ihm das gelungen.

Ideen vom Training umgesetzt

Von Minute zu Minute gelang es dem defensiven Mittelfeldspieler besser, das Zusammenspiel zu organisieren. „Wir haben die Ideen vom Trainer richtig gut umgesetzt“, lobte Kapitän Damir Kreilach seine Kollegen. Der Plan lautete, die Gäste mit einem Mix aus langen Pässen und schnellen Ballstafetten in die eigene Hälfte zu drängen. Anders als häufig in dieser Saison stürzten sich die Berliner enthusiastisch in die Partie. Vier Minuten lang sah es so aus, als könne es an diesem Tage nur einen logischen Sieger geben: Union.

Doch dann gab es diesen Konter, der ja eigentlich bereits gestoppt war, und im Anschluss an diesen Konter einen Freistoß, beim dem es aufseiten von Union niemand für nötig erachtete, den aufgerückten Innenverteidiger Marvin Matip im Strafraum zu bewachen. „In der Szene waren wir sehr naiv“, bemängelte Düwel. Wie immer, wenn die Ingolstädter zu Gast an der Alten Försterei sind, gingen sie in Führung. Gleichermaßen gilt, dass sie hier nie gewinnen konnten.

Vor allem Christoph Quiring tat sich nun als Mutmacher hervor. Immer wieder rückte er von der rechten Seite in die Sturmzentrale, von wo er in der 28. Minute von Fabian Schönheim bedient, den Ball knapp am Tor vorbeisetzte. Kurz darauf flankte der ebenfalls überzeugende Christopher Trimmel gezielt Damir Kreilach und Maximilian Thiel auf den Kopf. Ein Tor fiel nicht. Die Eisernen wendeten viel Kraft für den Ausgleich auf, Ingolstadt gelang nur ein weiterer Torschuss in Hälfte eins. „Wir haben uns mit Händen und Füßen gewehrt“, sagte Gäste-Coach Ralph Hasenhüttl.

Jopek, der gefeierte Mann

Spätestens nach dem Seitenwechsel erspürte Jopek vollends den Rhythmus des Spiels. In der 75. Minute hämmerte der 21-Jährige den Ball von links aus 25 Metern im Bogen ins lange Eck. „Ich habe eine lange Zeit hinter mir, in der es für mich schwierig war“, sagte er. Zuletzt hatte er im November 2012 getroffen. „Von mir sind 20 Tonnen abgefallen“, gestand er. Derart befreit legte er nach. Die Absprache mit Eroll Zejnullahu vor dem Freistoß in der 79. Minute war kurz: „Ich schieße“, sagte Jopek. Der Ball drehte sich links um die Mauer und prallte vom Pfosten hinter die Linie.

Obwohl die Abwehr mit ihrer zweiten Nachlässigkeit den Sieg herschenkte, Tobias Levels erzielte per Kopf den Ausgleich (82.), war Jopek der gefeierte Mann. „Der Beste“, wie Sebastian Polter befand. Ob Jopek weiter Union-Trikots ausleiern darf, ist dennoch fraglich. Die Option, den auslaufenden Vertrag zu verlängern, hat der Klub nicht gezogen. „Ich bin für alles offen“, sagte Jopek.