1. FC Union Berlin: Warum der Quaner-Abgang ein Coup für alle Seiten ist

Wer es nicht ganz so gut meint mit Collin Quaner, der kommt
zu dem Schluss, dass sich der englische Zweitligist Huddersfield Town da eine Mogelpackung hat unterjubeln lassen. Dass sich der von dem deutschen Fußballlehrer David Wagner trainierte Traditionsklub aus der Grafschaft Yorkshire bei der Einschätzung des Angreifers wohl einzig und allein auf den Herbst des vergangenen Jahres konzentriert hat. Also auf ein ziemlich lang anhaltendes Formhoch, das Quaner so
wohl nicht mehr erreichen wird.

Sieben Tore gelangen ihm da allein zwischen dem zweiten und neunten Spieltag, wobei der 25-Jährige dabei wiederholt als Spielentscheider in Erscheinung trat, was ihm nach
dem verkorksten Einstieg bei Union nunwirklich kaum noch jemand zugetraut hatte.

Wer es hingegen gut mit Collin Quaner meint, der gratuliert dem bei Fortuna Düsseldorf ausgebildeten Angreifer schlichtweg zum großen Coup. Zum großen Karriereschritt,
mit dem für ihn ein Kindheitstraumin Erfüllung geht. Und er
wäre ja nicht der Erste, der von der unvergleichlichen Atmosphäre in den englischen Stadien auf ein anderes
Niveau getragen wird.

Aus deutscher Sicht sei an dieser Stelle nur das Beispiel Robert Huth genannt, der bei Leicester City sich zur
festen Größe und schließlich auch zum Meisterspieler entwickelt hat.

Hinzu kommt, dass David Wagner auf der Insel inzwischen als ein Bessermacher gilt, als einer, der mit einem fußballerischen Ansatz dem in der Championship weit verbreiteten Kraftfußball britischer Prägung trotzt und mit Huddersfield Town nach 27 von 46 Spieltagen als Tabellenfünfter
noch auf den Aufstieg in die Premier League hoffen darf.

Außer Frage steht jedenfalls, dass wohl auch der 1. FC Union nicht so recht daran glauben mochte, dass Quaners Qualitäten auf Dauer auch den Ansprüchen des Klubs genügen. Sonstwäre es nämlich schon in den vergangenen Monaten zu einer Verlängerung des im Sommer auslaufenden
Vertrages gekommen.

Immer wurde von Gesprächen und gegenseitigen Absichten berichtet, allein die Ernsthaftigkeit fehlte. Dementsprechend klingt dann auch Helmut Schultes Statement zum Abschied. Der Leiter der Lizenzspielerabteilung ließ sich wie folgt zitieren: „Collin hat in der laufenden Saisonmit seinen Toren und seiner athletischen Spielweise auf sich aufmerksa gemacht. Die Chance, künftig in England spielen zu können, möchten wir ihm nicht verbauen, zumal alle Beteiligten davon
profitieren. Wir bedanken uns bei Collin für seine Leistungen hier bei Union und wünschen ihm nun viel Erfolg in der Championship.“

Wie die Köpenicker von dem Transfer profitieren, ist klar: Mit der bestimmt ziemlich stolzen Ablösesumme für Quaner lässt sich a) allemal die kostspielige Heimholung von Polter refinanzieren und b) womöglich auch noch ein kleiner Personaltraum von Trainer Jens Keller erfüllen.