Kemlein, Bruns, Sanogo: Unions Talente haben es schwer

Die talentierten Eigengewächse des 1. FC Union Berlin warten noch auf ihre ersten Spielminuten bei den Profis. Das hat gleich mehrere Gründe.

Aljoscha Kemlein (l.) saß bei den Profis des 1. FC Union Berlin mehrfach auf der Bank, durfte sich aber noch nicht in einem Pflichtspiel beweisen.
Aljoscha Kemlein (l.) saß bei den Profis des 1. FC Union Berlin mehrfach auf der Bank, durfte sich aber noch nicht in einem Pflichtspiel beweisen.IMAGO/Koch

Der deutsche U19-Nationalspieler war einige Male dicht dran. Aljoscha Kemlein stand in dieser Saison bereits sieben Mal im Profikader des 1. FC Union Berlin. Für eine Einsatzminute reichte es trotz seines Talents aber noch nicht. Das liegt vor allem daran, dass der defensive Mittelfeldmann auf seiner Position mehrere starke Konkurrenten hat.

Rani Khedira, Janik Haberer, Andras Schäfer, Paul Seguin, Morten Thorsby, Milos Pantovic und der von der Außenbahn in die Mitte gewanderte Genki Haraguchi sind allesamt gestandene Profis, die wissen, worauf es in der Bundesliga ankommt. 

Wenig verwunderlich, dass Kemlein sich da gedulden und übers Training sowie über Einsätze bei den A-Junioren empfehlen muss. Doch dem 1,85 Meter großen, körperlich bereits sehr weiten und präsenten Youngster ist der Sprung noch in dieser Saison zuzutrauen.

Der spielintelligente Akteur ist bei den A-Junioren der Fixpunkt, ordnet das Geschehen auf dem Rasen mit guter Defensivarbeit und sezierenden Pässen in der Offensive. Deshalb hält man in Köpenick große Stücke auf Kemlein und fördert seine Entwicklung, was sich vielleicht schon bald auszahlt.

Allerdings ist der Sprung vom Jugend- in den Männerfußball und dann auch noch in die 1. Bundesliga sehr groß, weshalb man Geduld mit ihm und den anderen Talenten aus dem eigenen Nachwuchs haben muss. 

Malick Sanogo (M.), hier im U19-Stadtderby bei Hertha BSC, ist der beste Torjäger der A-Junioren.
Malick Sanogo (M.), hier im U19-Stadtderby bei Hertha BSC, ist der beste Torjäger der A-Junioren.Stefan Bröhl
An seiner Chancenverwertung muss Malick Sanogo (r.) trotz bisher elf Saisontreffern noch arbeiten.
An seiner Chancenverwertung muss Malick Sanogo (r.) trotz bisher elf Saisontreffern noch arbeiten.Stefan Bröhl

Malick Sanogo könnte beim 1. FC Union Berlin eine Joker-Option werden

Etwa mit Malick Sanogo. Der Sohn vom früheren Bundesliga-Star und ehemaligen FCU-Junioren-Coach Boubacar spielt - wie sein berühmter Vater - an vorderster Front. Er deutete seine Fähigkeiten zuletzt unter anderem im kurzweiligen Testspiel des „Future Teams“ gegen den FC Basel an, das die Eisernen mit 2:4 verloren.

Mit seinen grazilen Bewegungen, seiner edlen Technik und seinem Zug zum Tor versprüht der in New York geborene und deshalb für die U20 der USA aktive Junioren-Nationalstürmer das gewisse Etwas. Elf Treffer und drei Assists in neun Einsätzen belegen sein Talent.

Allerdings ist der 18-Jährige noch ganz normalen, altersbedingten Leistungsschwankungen unterworfen und kann seine Fähigkeiten nicht über 90 Minuten einbringen. Dazu lässt er immer wieder gute Gelegenheiten aus – wie gegen Basel oder auch beim 2:1-Triumph in der A-Junioren Bundesliga bei Hertha BSC vor einigen Wochen. Verbessert er sich in dieser Hinsicht, hat er zumindest Chancen, mal in den Profikader berufen zu werden und eine Option als Joker zu sein.

Denn immerhin erarbeitet er sich viele Möglichkeiten. Doch wie Kemlein muss sich auch Sanogo gegen starke Konkurrenten wie Jordan, Sheraldo Becker, Kevin Behrens, Sven Michel oder Jamie Leweling durchsetzen. Das wird er nur schaffen, wenn er sich dem Profilevel in den kommenden Wochen und Monaten physisch annähert.

Mathis Bruns ist das aktuell größte Abwehrtalent des 1. FC Union Berlin

Mathis Bruns (v.-r.), hier im U19-Stadtderby beim FC Viktoria 1889 Berlin am Ball, ist der Chef der A-Jugend-Defensive.
Mathis Bruns (v.-r.), hier im U19-Stadtderby beim FC Viktoria 1889 Berlin am Ball, ist der Chef der A-Jugend-Defensive.Stefan Bröhl

Mathis Bruns verfügt mit seinen 1,92 Meter für einen Innenverteidiger über Gardemaß und ist mit seiner Zweikampf- sowie Kopfballstärke nur schwer zu überwinden. Auch bei offensiven Standards haben Teamkollegen mit ihm immer eine gute Anspieloption. Dazu übernimmt der Abwehrhüne Verantwortung und führte die Köpenicker U19 zuletzt mehrfach als Kapitän aufs Feld.

Auch gegen Basel, wo er schwerbeschäftigt war und nicht immer fehlerfrei agierte. Für ihn gilt daher ebenfalls, noch mehr Konstanz in die eigenen Leistungen zu bekommen. Die körperlichen Voraussetzungen, sich oben zu behaupten, bringt er mit, nun muss er hinsichtlich riskanter Defensivaktionen und Pässe noch stärker ein Gespür dafür bekommen, was er wann machen kann und wann die Sicherheitsvariante die richtige Entscheidung ist. 

Deshalb wird es wohl auch beim früheren deutschen U16-Nationalspieler noch ein bisschen dauern, ehe er sich mit gestandenen Profis wie Robin Knoche, Diogo Leite, Paul Jaeckel, Timo Baumgartl und Danilho Doekhi messen kann. 

Yannic Stein saß in allen sechs Europa-League-Spielen auf der Bank

Yannic Stein (r.) ist die Nummer eins der Unioner U19.
Yannic Stein (r.) ist die Nummer eins der Unioner U19.Stefan Bröhl

Mit Yannic Stein und seinem Ersatzmann Berkin Arslanogullari verfügt Union über gleich zwei talentierte Nachwuchskeeper. Eine echte Chance bei den Profis haben sie (momentan) aber nicht. Ersterer saß zwar sechs Mal in der Europa League auf der Bank der Eisernen, allerdings nur aufgrund der UEFA-Regelung, nach der auch lokale Spieler im Kader stehen müssen. 

Trotzdem ist der Schlussmann veranlagt, reaktionsschnell auf der Linie, beherrscht seinen Strafraum gut und ist fußballerisch solide. Doch hinter Dänemarks WM-Fahrer Frederik Rönnow, dem deutschen U21-Nationaltorwart Lennart Grill und auch Jakob Busk muss er sich erst einmal hinten anstellen und sich in der Hierarchie nach vorn arbeiten.

Denn selbst der ebenfalls sehr talentierte Lennart Moser kam nie für Köpenicker Profis zum Einsatz, verließ „seinen“ Klub deshalb im vergangenen Sommer und schloss sich der KAS Eupen an. In der belgischen Jupiler Pro League ist er nun gesetzt. Deshalb darf man gespannt auf die Entwicklung von Stein und auch Arslanogullari schauen. Ein Keeper aus dem eigenen Nachwuchs im Unioner Tor, das hätte auf jeden Fall was.