Trainingslager-Tagebuch: Ein Albtraum wird wahr

Die Eisernen bestreiten ihr Wintertrainingslager in Campoamor. Unser Reporter gerät dabei in einen Albtraum, der ihn seit Jahren verfolgt … Trainingslager-Tagebuch, Tag 3.

Unser 1.-FC-Union-Berlin-Reporterteam: Stefan Bröhl (l.) und Nils Malzahn.
Unser 1.-FC-Union-Berlin-Reporterteam: Stefan Bröhl (l.) und Nils Malzahn.BLZ

Ein Trainingslager ist immer auch ein Zusammentreffen verschiedener Journalisten. Klar, alle wollen die beste Geschichte für ihr Medium. Und wenn möglich natürlich auch exklusiv. Ein Hauen und Stechen also? Schienbeinschoner an, Eisenstollen angeschraubt und Blutgrätsche?

Mitnichten! Hier in Campoamor läuft alles friedlich, kollegial und vor allem ohne große Eitelkeiten ab. Ein üblicher Tagesordnungspunkt findet für alle Schreiberlinge zwischen der ersten und zweiten Trainingseinheit des Tages statt. Am Dienstag stellte sich Robin Knoche den Kollegen und mir, einen Tag später ist es Kevin Behrens, der nach dem Training von Pressesprecherin Katharina Brendel eingefangen wird, bevor er sich auf den Weg zurück Richtung Hotel machen kann.

„Ich habe überhaupt keinen Bock. Wegen euch verkürzt sich jetzt mein Mittagsschlaf“, flachst der Stürmer schon aus weiter Ferne, bevor er sich dann überhaupt nicht bocklos ganz geduldig allen Fragen stellt.

Teil dieser Journalisten-Runden ist auch Jannis. Er schreibt für das Fußball-Fachmagazin Kicker, genau wie für uns ist es für ihn das erste Trainingslager mit Union. Am Abend, wenn alle Artikel geschrieben sind, steht Freizeit auf dem Programm. Und wie könnte man die in einem Fußball-Trainingslager besser als mit Fußball verbringen?

Kevin Behrens präsentierte sich auch am Mittwoch im Training hochmotiviert. Danach musste er zum Mediengespräch.
Kevin Behrens präsentierte sich auch am Mittwoch im Training hochmotiviert. Danach musste er zum Mediengespräch.Matthias Koch

FC Cartagena empfängt im spanischen Pokal den FC Villarreal

In Spanien stehen anders als in Deutschland schon wieder Pflichtspiele auf dem Programm, also geht’s auf nach Cartagena, wo der dort beheimatete Zweitligist den FC Villarreal im Pokal empfängt. Dort angekommen wird schnell klar, dass Jannis besser schreiben als einparken kann. Gefühlte Ewigkeiten dauert die Suche nach einem Platz, an dem wir den Mietwagen abstellen können. Kollege Stefan Bröhl wird auf der Rückbank schon ungeduldig, für mich wird wahrhaftig ein Albtraum wahr.

Ein großer Teil der Menschen hat wiederkehrende Albträume. Einige sind wie angewurzelt, unfähig loszurennen. Andere fühlen sich von einer undefinierbaren Gefahr verfolgt. Mein Horror-Szenario besteht seit Ewigkeiten darin, zu spät in ein Fußballstadion zu kommen. Von außerhalb der Arena hört man die Fans singen, den Schiedsrichter pfeifen, die Ansagen des Stadionsprechers. Und der Albtraum wird wahr …

Meterlang staut sich die Zuschauer-Schlange vor dem Stadion in Cartagena. Das Spiel läuft derweil schon.
Meterlang staut sich die Zuschauer-Schlange vor dem Stadion in Cartagena. Das Spiel läuft derweil schon.Stefan Bröhl

Der ganze Sprint vom Parkplatz zum Stadion ist umsonst. Das Ordner-Personal ist angesichts der Menge an Zuschauern überfordert, die Einlass-Kontrollen dauern eine gefühlte Ewigkeit. Mit etwa zehn Minuten Verspätung sind wir auf unseren Plätzen, hoffen mit den frenetischen Heimfans auf die Pokal-Sensation. Am Ende verliert Cartagena wenig sensationell mit 1:5. Schön war’s trotzdem.