Berlin - Es gibt so einige Fragezeichen vor dem Duell des 1. FC Union gegen die TSG Hoffenheim am Sonntag. Damit ist weniger die eigentlich der zweiten Liga vorbehaltene Anstoßzeit von 13.30 Uhr gemeint. Denn da ist jedem Fan bewusst, dass sich DAZN die Rechte der fünf Sonntags- respektive Montagsspiele gesichert hat, die den Europapokalteilnehmern zwecks zeitlicher Entzerrung ihrer Terminflut vorbehalten sein sollen. Nein, es sind ganz andere Fragezeichen, die vor dem Duell der Köpenicker mit den Kraichgauern im Raum umherschwirren. 

Da wäre zum einen die Frage, in welcher Verfassung die Gäste aus dem Ländle in die Hauptstadt reisen werden, nachdem sie sich in zwei ziemlich peinlichen Vorstellungen gegen den FK Molde – gemeinhin wenig als kontinentales Schwergewicht bekannt – sang- und klanglos aus der Europa League verabschiedet haben. Zieht das die Elf von Sebastian Hoeneß womöglich mental runter oder kommt sie gar mit Wut im Bauch in die Alte Försterei, um die Schmach vergessen zu machen? 

An einen körperlichen Substanzverlust des Gästeteams glaubt Unions Cheftrainer Urs Fischer erst mal nicht. „Sie sind es gewohnt, in diesem Rhythmus zu agieren“, meinte der 55-Jährige. Er erwartet vor allem ein angefressenes Gästeteam: „Ich gehe davon aus, dass sie Wiedergutmachung wollen. Da passt genau, dass drei Tage später wieder ein Spiel ist.“

Luthe verdrängt wieder Karius

Doch mehr als diese Unwägbarkeiten bei der TSG beschäftigen Fischer die Fragezeichen rund ums eigene Team. Eher leichterer Natur scheint da die Frage nach Andreas Luthe zu sein, der zuletzt aus privaten Gründe gefehlt hatte. Der aus Velbert stammende 33-Jährige hatte sich vergangenen Sonntag im Spielersatztraining leicht das Knie verdreht, musste zunächst kürzer treten. Doch schon am Mittwoch hüpfte er wieder recht munter über den grünen Rasen, sodass einer angedachten Rückkehr ins Tor der Eisernen wohl wenig entgegenstehen wird. 

Etwas heftigerer Natur hingegen ist es um die Frage nach dem Zustand von Christopher Lenz bestellt. Am Sonntag gegen Hoffenheim droht der Ausfall des Linksverteidigers, dem muskuläre Probleme zu schaffen machen. Womit der Ernstfall nach der Verletzung von Nico Gießelmann (Schulter-Fraktur) früher als erwartet eintritt. Noch hat Fischer die Hoffnung auf den im Sommer nach Frankfurt wechselnden Lenz nicht aufgegeben. „Es ist nicht die alte Verletzung, es ist nichts Strukturelles, was kaputt ist. Manchmal ist es eben auch ’ne logische Reaktion, das Spiel gegen Freiburg war sehr intensiv und hat viel Kraft gekostet“, so Fischer über seinen Flügelflitzer, der nach einer zweiwöchigen Verletzungspause beim 1:0 in Freiburg erst frisch wieder in die Startelf zurückgekehrt war.

Die Alternativen für Lenz sind rar gesät

Die Alternativen sind rar gesät. Julian Ryerson wäre wohl der natürliche Startelfkandidat. Denkbar ist zudem die Variante, Florian Hübner wieder in die Innenverteidigung zu nehmen und Nico Schlotterbeck auf den linken Flügel zu schieben. Auch Marius Bülter etwas defensiver auftreten und den Lenz-Part übernehmen zu lassen, wäre ein mögliches Planspiel. Dafür spricht, dass Fischer dann mit Ryerson weiterhin ein Back-up auf der Bank sitzen hätte und dieser Platz im Fall der Fälle nicht verwaist wäre.

Das letzte Fragezeichen ist indes eher keins. Hierbei geht es um Max Bennet Kruse. Der hätte ja schon in Freiburg spielen können, wurde aber aufgrund des Spielverlaufes zum Zusehen verdammt. Nun brennt der 32-Jährige darauf, gehen Hoffenheim ein Ausrufezeichen zu setzen. Immerhin sind die Kraichgauer so etwas wie sein Lieblingsgegner. Achtmal konnte er ihnen schon ein Tor ins Netz legen. Gegen kein anders Bundesligateam hat Kruse häufiger getroffen.