Berlin - Eins muss man den Verantwortlichen bei Union lassen: Wieder einmal ist es ihnen gelungen, frühzeitig einen Kader zusammenzubasteln, mit dem Trainer Urs Fischer in Ruhe arbeiten kann. Elf Neuzugänge sprechen eine deutliche Sprache.

Die Klub-Strategie war bei diesen Transfers einmal mehr klar zu erkennen. Union beschäftigt sich auch aufgrund eines nicht ganz so üppigen Budgets mit Spielern, die anderswo unter dem Radar durchfliegen. Fantasie, sagte Manager Oliver Ruhnert bei der Verpflichtung eines Cedric Teucherts einmal, müsse man einfach haben. Also etwas sehen, was möglich sein kann, auch wenn man die Gewissheit dafür noch nicht hat.

Viel Erfahrung kommt nach Köpenick

Robert Andrich und Marius Bülter sind solche Kicker, die sich auch in Liga zwei nur kurzfristig Meriten erworben hatten, denen man aber mehr zutrauen konnte. Kevin Behrens, Andreas Voglsammer und Paul Jaekel fallen ebenfalls in dieses Segment.

Der zweite Baustein ist die Kategorie Erfahrung. Das trifft auf Profis wie Levan Öztunali, Rani Khedira und Genki Haraguchi zu. Bis auf den Japaner befinden sie sich alle im besten Fußballeralter. Ähnlich kann man auch bei Pawel Wszolek argumentieren. Der spielte zwar noch nie in Deutschland, bringt aber Auslandserfahrung aus England und Italien mit. Sie alle ablösefrei zu bekommen, das muss man erst mal hinkriegen.

Rick van Drongelen – 500.000 Euro Ablöse an den HSV – und Timo Baumgartl laufen unter einer weiteren Kategorie. Für den Niederländer ist die Bundesliga trotz seiner erst 22 Lenze kein Neuland. Bei PSV-Leihgabe Baumgartl gibt es die nicht unbegründete Hoffnung, dass er wieder zu der Klasse zurückfindet, die Eindhoven dereinst in ihm sah und deshalb zehn Millionen Euro nach Stuttgart überwies.

Max Kruse ließ aufhorchen

Dennoch sucht man unbewusst ein wenig nach dem sogenannten Königstransfer. Es fehlt an dem Knalleffekt, mit dem Union in den letzten Jahren Spielzeit für Spielzeit aufhorchen ließ. Im Aufstiegsjahr 2018/19 war das ein gewisser Sebastian Anderson. Im ersten Bundesligajahr brachte Neven Subotic eine gewisse Strahlkraft mit, auch wenn die sich nicht die ganze Spielzeit über hielt. Auch Christian Gentner könnte erwähnt werden. In der Vorsaison ließ Union natürlich mit der Verpflichtung von Max Kruse aufhorchen.

All diese Zugänge sind sicher sehr solide, aber bei keinem wird einer sagen: „Ach schau an, so was geht?“ Womöglich wird sich ein Toptransfer auch erst später als solcher erweisen. Womöglich in Form von Tymoteusz Puchacz? 3,5 Millionen haben die Köpenicker in ihn investiert und ihn erwartungsvoll mit einem Vierjahresvertrag ausgestattet. Seine Leistung zuletzt in der polnischen Nationalelf deuteten darauf hin, dass der Linksverteidiger sich einen großen Namen machen könnte.