Berlin-Köpenick -  Ein Lied geht um die Welt. Okay, nicht ganz um den Globus. Aber dennoch summt die Melodie eines beliebten Kinderliedes durch die Liga. Leicht abgewandelt heißt es da Torwart, Torwart du musst wandern, von dem einen Ort zum andern. Auch beim 1. FC Union könnten die Verantwortlichen diese alte Weise leise vor sich hinträllern. Nicht ganz freiwillig. Aber dennoch mit Inbrunst. Denn die Eisernen sind in Form von Loris Karius mittendrin im großen Torwart-Karussell der Liga. Das dreht sich schon vor dem Gastspiel in Leverkusen am Sonnabend (15.30 Uhr) gewaltig und dürfte in den kommenden Tagen weiter an Fahrt aufnehmen.

Karius ist auf Dauer zu teuer

Karius kam in dieser für ihn enttäuschenden Spielzeit auf gerade einmal fünf Einsätze in Liga und Pokal und an Andreas Luthe nicht vorbei. Zu wenig für einen Keeper, der schon mit Jürgen Klopps FC Liverpool in der Champions League agierte und ohne Real Madrids Rambo vom Dienst, Sergio Ramos, vielleicht sogar die Trophäe 2018 hätte in die Luft stemmen können. 

Die LFC-Leihgabe wird die Köpenicker nach Lage der Dinge zum Saisonende verlassen. Denn Karius ist zu teuer, um ein Dasein nur als Nummer zwei zu fristen. Ein Gehalt wie auf der Insel können die Eisernen sich nicht leisten. Zumal es das Binnenklima gefährden könnte.

Zudem steht da die Frage der Ablösesumme schwer im Raum. Liverpool, die einst 6,2 Millionen Euro nach Mainz überwiesen hatten für den blonden Modellathleten, werden Karius kaum für lau ziehen lassen, auch wenn sie ihn gern von der Gehaltsrolle runter hätten. 

Moser vor der Rückkehr

Anders sieht das hingegen in dessen sportlicher Heimat aus. Der VfB Stuttgart muss einen Nachfolger für Gregor Kobel finden, der entweder das Angebot aus Dortmund annehmen wird oder auch sein Glück im Mutterland des Fußballs versuchen könnte. Zwischen 15 bis 20 Millionen sind als Entschädigung zu erwarten. Womit die Schwaben beides locker stemmen könnten – Gehalt und Ablöse!  Eine Alternative zu Karius wäre dann Freiburgs Florian Müller, den die Badener nach beendeter Leihe aber erst einmal nach Mainz zurückgeben müssen.

Egal, wohin es Karius verschlägt, es ist klar, dass die Eisernen nach einem weiteren Keeper fahnden müssten. Auf dem Papier hätten sie ab Sommer mit Luthe, Jakob Busk und dem aus Klagenfurt zurückkehrenden Lennart Moser nominell zwar drei Schlussleute. Aber Mosers Reifeprozess wurde durch eine Sehnenverletzung im Arm jäh unterbrochen. Mehr als zwei Spiele konnte das große Talent für die Kärntener nicht absolvieren. Schwer vorstellbar, dass Manager Oliver Ruhnert und Fischer auf ihn als etatmäßige Nummer zwei setzen. 

Zuletzt stand auch die Personalie Alexander Nübel im Raum, auf dessen Situation die nächsten Zeilen eher nicht so ganz zutreffen. Denn als „Oh wie schön“ würde der einstige Schalke seinen Ist-Zustand beim FC Bayern wohl kaum besingen. Kein Wunder, dass der designierte Nachfolger von Manuel Neuer quasi „von dem einen Ort zum andern“ eine Luftveränderung auf Leihbasis anstrebt. Hartnäckige Bemühungen einer Gazette, dessen Wanderlust in Übereinklang mit Union zu bringen, sind dabei aber eher im Bereich der Fabel einzuordnen.

Nübel will eine Leihzeit auf möglichst internationalem Niveau absolvieren und diese würde ihm in Frankreich (Monaco, Lille) geboten. In Köpenick kann das niemand garantieren, auch wenn Trainer Urs Fischer vor dem Gastspiel der Eisernen in Leverkusen darauf hinwies, dass es noch nicht vorbei ist mit dem Traum von Europa. „Wir haben die Möglichkeit, vielleicht im letzten Spiel noch mal angreifen zu können. Dafür braucht es Punkte“, sagt der 55-Jährige.

Es braucht für die kommende Saison jedenfalls einen Keeper, der Andreas Luthe mindestens ebenbürtig ist und ihn entweder verdrängen oder nahtlos einspringen kann im Verletzungsfalle.  Womit auch der schon in der Gerüchteküche gehandelte Dortmunder Luca Unbehauen, 20, durchs Raster fällt. Plausibler erscheint da schon einer wie Frederik Rönnow, 28, der von Frankfurt derzeit an Absteiger Schalke verliehen ist. Und so summt die Liga weiter leise vor sich hin: Keeper, Keeper du musst wandern ...